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Döbeln Familien-Traditionsbetrieb wird in Döbeln sesshaft
Region Döbeln Familien-Traditionsbetrieb wird in Döbeln sesshaft
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00:18 03.04.2017
Vorher-nachher: Andreas Anger, technischer Leiter der Döbelner Anlage (l.), zeigt welche Verwandlung die Abwässer durchmachen. Geschäftsführerin Andrea Türpe-Gil und Betriebsleiter Christian Gil haben lange nach dem Standort an der Waldheimer Straße gesucht. Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln

Ein Kugelahorn soll Glück bringen: Zur Einweihung der neuen Anlage zur Behandlung von Flüssigabfällen, setzte die Geschäftsführerin der Kanal-Türpe Umwelt GmbH, Andrea Türpe-Gil gestern mit geladenen Gästen den bisher noch kleinen Baum direkt vor der Betriebshalle in die Erde. „Der wird nächstes Jahr schon eine kleine Krone haben und soll sechs bis acht Meter hoch werden“, erklärte sie. Mindestens so lange wie der Baum braucht, diese Ausmaße zu erreichen, soll das Unternehmen an seinem neuen Standort verbleiben.

Schon seit Juni 2016 ist die neue, rund 1,5 Millionen Euro teure Anlage an der Waldheimer Straße gleich neben der B 169 in Betrieb. Seit gestern ist das Familienunternehmen auch offiziell auf dem Schirm von Döbelns Gewerbetreibenden und den Nachbarn. Kanal-Türpe Umwelt behandelt in der großen Halle, die dem Vorbesitzer Clariant abgekauft wurde, besondere Abwässer. „Wir eliminieren Fremdstoffe aus Abwasser, das kontaminiert ist mit Öl, Benzin, Farben oder Emulsionen“, erklärt der technische Leiter Andreas Anger. Zu den Kunden gehören Tankstellen, Speditionen, Werkstätten, maschinenverarbeitende Industrie, Waschanlagen, Teppichbodenhersteller und Farbenwerke aus ganz Sachsen.

Nur drei bis vier andere Firmen können das so wie Türpes in Döbeln. Vorher stand eine weniger moderne Anlage zum gleichen zweck in Grimma, wo nun nur noch ein Zwischenlager besteht. Dort gab es keinen direkten Kanalanschluss, so dass die gereinigten Abwässer immer direkt zu Kläranlagen transportiert werden mussten. Zudem wurde der Platz auf dem Betriebsgelände in Döben bei Grimma zu eng.

Daher ging Andrea Türpe-Gil vor mittlerweile vier Jahren auf Standortsuche – und wurde in Döbeln fündig. „Wir haben sehr viele Kunden und Entsorgungsfirmen im Raum Dresden. Daher haben wir angefangen zwischen Grimma und Dresden zu suchen“, berichtet die Geschäftsführerin. Die Bedingungen: eine große Halle, Büroräume und die Nähe zur Autobahn sowie Platz zum Erweitern. Die Firma Clariant bietet das richtige Paket von Preis und Lage.

Dann musste nur noch die Betriebsgenehmigung her. Die hatte es allerdings in sich. „Wir sind eine Störfallanlage und werden behandelt wie ein Atomkraftwerk“, sagt Türpe-Gil. „Daher werden wir nach Emissionsschutz, Abfall- und Wasserrecht geprüft.“ Rund ein Jahr dauert es bis zur Genehmigung. Ein spezieller Boden nach Wasser-Haushaltsgesetz, der im Notfall auslaufende Flüssigkeiten auffangen kann, muss in die Halle eingebaut werden, dann kommen die Behälter für die Abwässer. Rund 14 000 Kubikmeter werden in Döbeln physikalisch und chemisch gereinigt und landen so vorbehandelt im Netz des Abwasserzweckverbandes Döbeln-Jahnatal.

Kleine Problem hatte es beim Umzug nur namenstechnisch gegeben. „Wir nennen unseren Standort Döben schon nur noch Grimma. Da sind einige Pakete, die für Döbeln bestimmt waren, in Döben gelandet und umgekehrt“, erzählt Andrea Türpe-Gil und muss lachen.

Das tat sie gestern mit der Sonne um die Wette. Dutzende Gäste kamen zu einem Empfang auf das Firmengelände, darunter Vertreter der Stadtverwaltung, des Landratsamtes, der Oewa und der Stadtwerke sowie Geschäftspartner aus der Region. Die vier festen Mitarbeiter am Standort ließen eine Steinplatte mit Gravur anfertigen, die an den Betriebsstart am 27. Juni 2016 erinnern und neben dem neuen Kugelahorn angebracht werden soll. Dass es das Unternehmen, welches in Familientradition schon seit drei Generationen existiert (s. Hintergrund rechts), noch lange am Döbelner Standort geben wird, ist seit kurzem wahrscheinlicher: Seit zwei Jahren arbeitet Andreas Türpe-Gils Schwiegersohn Wolfgang Kolb im Unternehmen mit, seit vergangenem Jahr auch Tochter Jessica.

Von Sebastian Fink

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