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Döbeln Fehlende Ausstattung: Harthaer Feuerwehr kritisiert ihre Arbeitsbedingungen
Region Döbeln Fehlende Ausstattung: Harthaer Feuerwehr kritisiert ihre Arbeitsbedingungen
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00:44 21.04.2018
Sparte nicht mit Kritik: Gemeindewehrleiter René Greif. Quelle: Manuel Niemann
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Hartha

„So viele Kritikpunkte – sehr viele – habe ich in anderen Wehren nicht zu hören bekommen“, sagte Ralf Polster, Vorstandsmitglied des Kreisfeuerwehrverband Mittelsachsen. Den Unmut, den die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Hartha zuvor formuliert hatten, nahm er zur Kenntnis, um in den nächsten Sätzen Bastelbögen, Malhefte und Hüpfburgen zur Mitgliederneuwerbung oder die neue Internetseite des Verbands anzupreisen.

Kameraden beklagen fehlende Ausstattung

Zwar waren am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung der Ortswehren der Gemeinde auch Nachwuchssorgen ein Thema, aber nicht das bestimmende. Während Gemeindewehrleiter René Greif und die Leiter der Ortswehren Gersdorf und Wendishain auf das Einsatzjahr 2017 zurück blickten, wurde offenkund: Die Kameraden kämpfen nicht nur gegen Sturmschäden oder Strohfeimbrände. Auch die Ausstattung bereitet den Ehrenamtlichen zunehmend Probleme: Sei es, diese zu beschaffen oder weil neue Technik nicht so funktioniert, wie angedacht. So sei der Digitalfunk, den die Wehr als letzte im Landkreis bekam, störanfällig und komplex: „Einschalten und Lossprechen geht nicht mehr.“

Sparte nicht mit Kritik: Gemeindewehrleiter René Greif. Quelle: Manuel Niemann

Ortskenntnis lässt sich nicht ersetzen

Auch das digitale Alarmierungsnetz, seit August 2017 unter der Regie der integrierten Rettungsleitstelle Chemnitz, sah Greif kritisch: „Technik und Digitalisierung können gesundem Menschenverstand und Ortskenntnis nicht das Wasser reichen“, sagte er und schloss sich Kritik aus Grimma an. Zwanghafte Zentralisierung führe aus nicht zu mehr Effektivität.

Mängelliste ist auch in Gersdorf lang

Neben diesem Druck arbeiten die zu wenigen Helfer auch mit Handycaps: „Für unseren Einsatz für das gesellschaftliche Wohl und die Schadensabwehr wird uns von vielen Seiten gedankt. Aber will von denen jemand wissen unter welchen Bedingungen wir arbeiten? Ich denke nicht“, zweifelte Greif. Da hatten die Kameraden in Gersdorf bereits berichtet, dass sie aus einem 2,4 Grad kaltem Gerätehaus ohne Heizung, ohne Toiletten oder einer Waschmöglichkeit ausrücken. Dass neben Personal Schutzkleidung fehlt oder die Aufwandsentschädigung für die Gerätewarte noch aussteht.

Auch Wendishain mit Abstrichen bei Ausrüstung

Ähnlich der Tenor aus Wendishain: Zwar sei das Helfen in Not oberstes Gebot, aber auch für die Ausrüstung gebe es gesetzliche Vorgaben. Dass die Ehrenamtlichen zum Teil mit defekten Handschuhen, Stiefeln oder Jacken in den Einsatz müssten, sei ein Unding. Hauptwehrleiter Greif fügte dieser Mängelliste noch das DDR-Fahrzeug hinzu, das aufgrund klammer Kasse immer noch im Bestand sei. Seine Kritik traf daher auch die Praxis der Fördermittelvergabe: Wenn der Kommune die notwendigen Eigenanteile fehlten, gingen die Kameraden leer aus.

Dank und Verständnis von der Stadt

Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos), neben drei Stadträten anwesend, nahm dies als berechtigt an, verwies aber darauf, dass die Kommune hier an ihre Grenzen gelange. Im Namen des Stadtrats und der -verwaltung dankte er den Kameraden in der Hartharena: „In der Zeit, wo Sturm war, war ich auch draußen. Ich hätte die Gefahr nicht einschätzen können“, zollte er seinen Respekt.

Von Manuel Niemann

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