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Döbeln Finanzierung der Schulsozialpädagogen in Döbeln in Gefahr
Region Döbeln Finanzierung der Schulsozialpädagogen in Döbeln in Gefahr
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23:40 21.01.2014
Isabell Tautorus gehört zu den vier sozialpädagogischen Fachkräften, die an Schulen der Döbelner Region tätig sind und deren Zukunft wegen einer ungeklärten Weiterfinanzierung des Projektes unsicher ist. Die Schüler der Schlossbergschule in Döbeln, wo Tautorus arbeitet, würden die junge Sozialpädagogin und ihre Angebote vermissen. Quelle: W. Sens

Es existieren in Mittelsachsen verschiedene Modelle der sozialpädagogischen Arbeit an Schulen und entsprechend unterschiedliche Finanzie- rungsvarianten. Im Altkreis Döbeln gibt es mit Marco Leutert einen klassischen Schulsozialarbeiter an der Holländer-Oberschule in Döbeln. In die Finanzierung seiner Stelle teilen sich Land, Kreis und Schulträger. Und es gibt die genannten sozialpädagogischen Fachkräfte, die am Gymnasium und an der Schlossbergschule Döbeln sowie an der Ober- und an der Förderschule in Roßwein vorrangig Einzelfallhilfe für Schüler leisten, die besondere Unterstützung jenseits des Fach-Unterrichts benötigen. Die vier jungen Sozialpädagogen sind beim Trägerverein Kindervereinigung Leipzig befristet angestellt. Ihre Stellen werden über das Projekt Kompetenzentwicklung für Schülerinnen und Schüler zu 100 Prozent mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) über die Sächsische Aufbaubank (SAB) gefördert. Allerdings befristet bis zum 31. Juli dieses Jahres.

Nach Informationen dieser Zeitung ist die SAB angehalten, über diesen Zeitpunkt hinaus zunächst keine ESF-Mittel für das Projekt auszureichen. Das könnte mit dem Wechsel der Förderperiode zusammenhängen. Damit droht eine Finanzierungslücke. "Wir haben ähnliches gehört. Deshalb gibt es in dieser Woche einen Gesprächstermin mit dem Landratsamt Mittelsachsen. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen", erklärte gestern der Geschäftsführer der Kindervereinigung Leipzig, Matthias Heinz. Über ein geplantes Gespräch mit der Kindervereinigung zur eventuellen Lösung des Problems informiert die mittelsächsische Kreisverwaltung nicht. Allerdings wird von ihr bestätigt, dass die weitere Förderung unklar ist. "Belastbare Informationen des Freistaates zum Fortgang der ESF-Projekte liegen der Landkreisverwaltung immer noch nicht vor", erklärt der zweite Beigeordnete des Landkreises, Dieter Steinert. Von der SAB selbst waren gestern keine Angaben zur Problematik zu bekommen.

"Ich arbeite jeden Tag mit meinen Schülern und hoffe, dass es nach dem Juli weitergeht. Wenn nicht, dann wäre das Wahnsinn, das Allerletzte. Vor allem für unsere Klienten in der Schule", sagt Anja Götze, die an der Oberschule Roßwein als sozialpädagogische Fachkraft tätig ist. Ihre Kollegin Isabell Tautorus von der Döbelner Schlossbergschule sieht es genauso: "Wir wollen gern weiter für die Schüler da sein. Aber je länger sich eine Entscheidung hinauszieht, umso schwieriger wird es für uns. Wir können nicht warten, bis wir am 31. Juli die Kündigung erhalten."

Alle, die sich mit der Materie auskennen, fordern seit Jahren mehr Kontinuität in der Schulsozialarbeit. Vergeblich. Die Projekte sind meist für einen kurzen Zeitraum von ein bis zwei Jahren angelegt, die Stellen entsprechend befristet. Dabei würde man gerade auf diesem Gebiet durch Nachhaltigkeit gewinnen. So ist ein richtiges Vertrauensverhältnis zwischen Schülern und Sozialpädagogen gerade aufgebaut und das Projekt schon wieder beendet.

Vor dem aktuellen Hintergrund klingt folgende Forderung der beiden SPD-Kreisräte Simone Raatz und Henning Homann fast utopisch: "Ziel muss es sein, allen Schülerinnen und Schülern in allen Schularten ein gutes Angebot an Schulsozialarbeit zu bieten." Bislang wird nach Recherchen der beiden Sozialdemokraten an etwa 70 Prozent der mittelsächsischen Schulen Sozialarbeit oder Kompetenzentwicklung angeboten. Das ist ihnen zu wenig. Raatz und Homann wollen, dass die Kreisverwaltung ein Konzept erarbeitet, wie künftig an allen Schulen im Landkreis Mittelsachsen Schulsozialarbeiterstellen geschaffen werden können. "Dafür könnten die Mittel genutzt werden, die durch die Einsparungen im Bereich Grundsicherung im Alter frei werden", schlägt Raatz vor. Der Bund übernimmt ab diesem Jahr diese Kosten zu 100, statt bislang nur zu 70 Prozent.

Der Landkreis sieht hingegen laut Beigeordneten Steinert für ein flächendeckendes Etablieren der Schulsozialarbeit den Freistaat in der Pflicht, "da dies über die Leistungen der Jugendhilfe hinausgeht". Ein entsprechendes Konzept "wäre folgerichtig in Zuständigkeit des Sächsischen Kultusministeriums zu erarbeiten und auch zu finanzieren". Die Entlastung des Kreishaushaltes durch die von Raatz genannte Einsparung (Grundsicherung im Alter) sollte nicht gleichzeitig mit neuen Konditionierungen und Festlegungen befrachtet werden, sagt Steinert, der auf die insgesamt steigenden Aufwendungen im Sozial- und Jugendbereich hinweist. Das hätte so auch der Deutsche Landkreistag gefordert.

Olaf Büchel

Anja Götze, Sozialpäd. Fachkraft

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