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Döbeln Firmenjubiläum: EGH feiert ein halbes Jahrhundert
Region Döbeln Firmenjubiläum: EGH feiert ein halbes Jahrhundert
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07:45 04.11.2018
EGH- Geschäftsführer Stephan Komp vor einem in der Firma gebauten Schaltschrank. Quelle: Lisa Schliep
Hartrha

Der Gründerzeitbau in der Leipziger Straße 10 trägt eine lange und wechselhafte Geschichte in sich. Seit 50 Jahren ist die heutige Elektrogesellschaft Hartha (EGH) ein Teil von ihr. Der Elektroanlagenbauer hat in dieser Zeit vor allem eines gelernt: einen langen Atem zu haben.

Stephan Komp ist seit 1991 Geschäftsführer des Unternehmens, damals lief die Firma noch unter dem Namen PGH Elektro. Er machte sie zur Elektrogesellschaft Hartha GmbH, deren Kerngeschäft damals wie heute Elektroinstallationen für Betriebe und Privatpersonen sind.

Harte Zeiten nach der Wende

Der 56-Jährige übernahm mit 28 Jahren die Firma und das in einer Zeit des Umbruchs; kurz nach der Wiedervereinigung. Gleich zu Beginn eine harte Bewährungsprobe, die er, wie er sagt, nur hat meistern können, „weil alle in seinem Team an einem Strang gezogen haben.“ Viele seiner Kunden waren von jetzt auf gleich verschwunden. Die hohen Zinsen verschreckten zudem auch potenzielle Investoren. Die Firma hielt sich mühevoll mit Montagearbeiten über Wasser, um den Totalausfall zu verhindern. „Auch wenn wir kämpfen mussten: In dieser Firma wurde noch nie jemand entlassen oder unpünktlich entlohnt. Egal wie hart die Zeiten waren“ , erzählt der Diplom-Ingenieur nicht ohne Stolz.

Der Hürden nicht genug

Auch das Jahr 1995 sollte unter keinem guten Stern stehen. Inmitten der Wirren deutscher Gesetzgebung fiel der Betrieb den Auswirkungen des zweiten Vermögensgesetzes zum Opfer und wurde kurzer Hand enteignet. Komp und seinen Gesellschafter blieb keine Wahl; sie mussten das Gelände, das sie vor Jahren bereits rechtmäßig erworben hatten, ein zweites Mal kaufen. Sonst wäre Schluss gewesen.

19 Jahre später blieb die Firma aufgrund von Unstimmigkeiten mit einem Kunden auf einer halben Million Euro sitzen, weshalb Komp Insolvenz anmeldete. Der bisher letzte große Knackpunkt. Aus diesem Prozess ging die heutige EGH hervor.

Der 56-Jährige hat in all dieser Zeit Ruhe bewiesen. Führungsstärke. Getreu dem Motto: Die Flinte nicht ins Korn werfen. „Ich kann wirklich sagen: Auch wenn die Situation ausweglos erscheint, es lohnt sich weiterzumachen. Einfach vertrauen in sich haben und die Gefahr annehmen, zu scheitern.“

Geeigneter Nachwuchs fehlt

Heute arbeiten 30 Leute in seinem Betrieb. Dank Stephan Komps Bemühungen viele von ihnen schon über Jahrzehnte. Ein Mitarbeiter hält sogar schon seit der Gründerzeit in den 1960er Jahren die Stange. Der Diplom-Ingenieur spricht häufig von Teamleistung - das ist ihm wichtig. „Jeden Meilenstein, jede Herausforderung haben wir zusammen gemeistert. Ich habe gute Leute.“ Was ihm allerdings Sorgen bereitet, ist der Nachwuchs. Seit 2007 herrscht Azubi-Flaute bei der EGH. „Das ist ein Problem der Handwerkerbranche, nicht speziell unseres“, erklärt Komp. Für ihn gibt es drei entscheidende Gründe dafür. Bezeichnend sei die generell geringe Akzeptanz für den Berufsstand - die fehlende Anerkennung. Außerdem vermisst er den Gründermut und das Traditionsbewusstsein bei vielen jungen Menschen. „Viele studieren bis Anfang 30 oder machen einen Bürojob. Aber sich einer Handwerkstradition zu verpflichten? Das wollen die wenigsten.“

Anlässlich des Firmengeburtstages gab es Ende Oktober einen Tag der offenen Tür. Viele Ehemalige kamen vorbei. Ihre Verbindung zum Unternehmen haben sie nie verloren. So einen Zusammenhalt wünscht sich Komp auch in Zukunft. Mit frischen Leuten, die Lust haben, Verantwortung zu übernehmen. Er bleibt optimistisch.

Von Lisa Schliep

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