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Flasche nach Wachmann geworfen: Der Sägenmann aus dem KL 17 soll hinter Gitter

Justiz Flasche nach Wachmann geworfen: Der Sägenmann aus dem KL 17 soll hinter Gitter

Ein 43-Jähriger Döbelner erscheint nicht zu seiner Verhandlung am Landgericht Chemnitz, das daraufhin seine Berufung verwirft. Der Vorbestrafte ist der Justiz kein Unbekannter und stand auch wegen einer Sägen-Attacke im Döbelner Kleinstadtklub17 vor Gericht.

Ein 43-Jähriger Döbelner schwänzte seine Berufungsverhandlung am Landgericht Chemnitz und soll nun hinter Gitter.

Quelle: picture alliance / dpa

Döbeln/Chemnitz. Der KL-17-Raufbold soll ins Gefängnis. Die 3. Kleine Strafkammer des Landgerichtes Chemnitz hat jetzt die Berufung des 43-Jährigen gegen ein Urteil des Amtsgerichtes Döbeln verworfen. Das hatte ihn zwar auch wegen des Klappsägen-Auftrittes im Kleinstadtklub 17 verurteilt, aber hier gab es noch Bewährung. Die acht Monate Haft hatte die Strafrichterin des Amtsgerichtes Döbeln wegen anderer Straftaten verhängt: Beleidigung und versuchte gefährliche Körperverletzung. Demnach hat der Mann am 26. November 2016 vor dem Kaufland in Döbeln eine Glasflasche nach einem Security-Mitarbeiter geworfen und ihn mit den Worten „Kinderficker“ und „Arschloch“ beleidigt.

„Der Angeklagte ist nicht zur Verhandlung erschienen. Die Kammer hat daraufhin die Berufung gemäß Paragraf 329 Strafprozessordnung verworfen“, teilt Marika Lang, Richterin am Landgericht und dessen Pressesprecherin, auf Nachfrage der Döbelner Allgemeinen Zeitung mit, weshalb die Kammer unter Vorsitz von Richter Markus Zimmermann das Rechtsmittel verworfen hat. Die Entscheidung bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Döbelner jetzt einfährt. Er kann die sogenannte Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand beantragen. Das bedeutet: Gibt das Gericht dem statt, startet die Verhandlung erneut und führt eventuell zu dem Ergebnis, dass es bei einem Schuldspruch Bewährung oder vielleicht auch einen Freispruch gibt.

Exfreundin fühlte sich verfolgt

Das Urteil wegen des Klappsägen-Auftrittes im Kleinstadtklub ist ebenfalls noch nicht rechtskräftig. Möglicherweise schafft es sein Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas H. Fischer, in der Berufungsverhandlung zu erreichen, dass das Gericht dieses Verfahren einstellt. „Ne bis in idem“ – nicht zweimal in der selben Sache ist das Stichwort. Niemand darf wegen einer Tat doppelt bestraft werden, steht im Grundgesetz. Bereits vorm Amtsgericht vertrat Rechtsanwalt Fischer die Rechtsauffassung, sein Mandant habe im Herbst 2015 nicht mit einer Klappsäge herumgefuchtelt und dabei Leute verletzt, sondern mit einem Cuttermesser. Das gilt laut Waffengesetz als Einhandmesser, ohne guten Grund darf man es nicht mit sich herumschleppen. Rico H. hat wegen des Cuttermessers einen Bußgeldbescheid der Verwaltungsbehörde bekommen. Diesen hat er zusammen mit Thomas H. Fischer vorm Amtsgericht Döbeln angefochten und erreicht, dass das Gericht das Verfahren wegen dieser Ordnungswidrigkeit einstellt. Nun argumentierte der Anwalt, diese Entscheidung erstrecke sich auch auf die Tatvorwürfe zu den Vorfällen im KL 17 – die Strafklage sei verbraucht. Das Gericht möge das Verfahren per Prozessurteil einstellen.

Im Falle des 43-Jährigen hätte das womöglich funktionieren können, wenn man nicht an die Existenz der Säge glaubt. Sondern davon ausgeht, dass der Angeklagte mit dem Cuttermesser im KL 17 herumgefuchtelt hat und dabei den Gast verletzte, der geholfen hatte, den Stressmacher herauszudrängen. Denn das hatte, so sagte ein Angestellter als Zeuge aus, Sven Weißflog angeordnet. Die Exfreundin des Angeklagten arbeitete in dem Klub und ihre Arbeit litt, weil der Ex ihr offenbar nachstellte. Der gast sollte ein Auge auf den 43-Jährigen werfen und ihn rauswerfen, wenn er sich unmöglich benimmt.

Regelmäßig vor Gericht

Drei Zeugen hatten im Amtsgericht die Säge beschrieben, wenngleich auch in Nuancen unterschiedlich. Sie blieb jedoch unauffindbar, trotzdem die Polizei fast überall danach suchte, außer in der Freiberger Mulde. Denn ob der Döbelner das Teil dort nach seinem Auftritt im Klub versenkte, kam im Amtsgericht Prozess nicht zur Sprache. Ob gefunden oder nicht – für Strafrichterin Magdalena Richter stand damals fest, dass der 17 Mal vorbestrafte Döbelner mit der Säge Unheil anrichtete, wenngleich sich der Schaden in Grenzen hielt. Sie verurteilte den 43-Jährigen damals unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu elf Monaten Haft mit Bewährung. Und rund ein halbes Jahr später, im April 2017, wegen der Flaschen-Attacke vorm Kaufland zu acht Monaten Haft ohne Bewährung.

Von Dirk Wurzel

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