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Florierendes Crystal-Geschäft: Döbelner Dealerin soll ins Gefängnis

Prozess am Amtsgericht Florierendes Crystal-Geschäft: Döbelner Dealerin soll ins Gefängnis

Obwohl sie drei Kinder hat, soll eine 31-Jährige Döbelnerin ins Gefängnis. Sie hat nach Ansicht des Schöffengerichtes ausgiebig mit Crystal gehandelt. Für das Gericht gab es keine Möglichkeit, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.

Eine 31-Jährige Döbelnerin hat nach Ansicht des Schöffengerichtes gewerblich mit Crystal gedealt. Dafür soll sie jetzt ins Gefängnis.

Quelle: dpa

Döbeln. Hat eine 31-jährige Döbelnerin schwunghaft mit Crystal gehandelt? Auf diese Frage hat das Schöffengericht am Amtsgericht Döbeln jetzt in erster Instanz eine Antwort gefunden und die Frau des gewerbsmäßigen Drogenhandels und des Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge schuldig gesprochen. Dafür soll die 31-Jährige für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis. Sie hatte nach Auffassung des Gerichtes fünf Mal ein halbes Gramm Crystal verkauft und zudem rund zwölf Gramm Crystal besessen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Selbststeller bringt Verfahren ins Rollen

„Sie haben gesagt, kein Crystal mehr zu konsumieren, haben es aber noch im Haus. Das ergibt für uns keinen Sinn“, sagte Richterin Karin Fahlberg, die Vorsitzende des Schöffengerichtes, als sie dessen Urteil begründete. „Für uns war klar, dass Sie gewerbsmäßig gehandelt haben“, so Richterin Fahlberg weiter. Anders als Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich, der die junge Frau verteidigte, glaubte das Gericht dem Hauptbelastungszeugen. „Er hatte keinen Grund, Sie vors Loch zu schieben“, so die Richterin.

Der Mann hatte sich selbst der Polizei gestellt und dabei sich und regionale Drogendealer belastet – darunter auch die 31-Jährige. „Er hat dreimal ausgesagt – bei der Polizei, in seinem eigenen Strafverfahren und jetzt hier gegen meine Mandantin. Drei Aussagen, die sehr unterschiedlich sind. Er war zudem derjenige, der meine Mandantin belasten konnte, ohne Probleme für seine körperliche Unversehrtheit fürchten zu müssen“, sagte Rechtsanwalt Göddenhenrich und beantragte, die Döbelnerin von den Tatvorwürfen des gewerbsmäßigen Handeltreibens freizusprechen. Am Drogenfund in der Wohnung gab es aus seiner Sicht jedoch nichts zu rütteln. Die Polizei hatte nach einem Tipp des Hauptbelastungszeugen knapp zwölf Gramm Crystal gefunden. Wirkstoffgehalt: 5,32 Gramm Methamphetaminbase. Bei fünf Gramm hört die geringe Menge auf. Wer mehr hat, macht sich eines Verbrechens (Mindeststrafe ein Jahr Haft) schuldig. Martin Göddenhenrich forderte für seine Mandantin daher eine Strafe von einem Jahr mit Bewährung, denn sie stand das erste Mal wegen Drogendelikten vor Gericht.

Kinder in der Drogenhöhle?

„Bei Haftstrafen von über einem Jahr müssen wir prüfen, ob es besondere Umstände in der Tat und der Person gibt, um die Vollstreckung zur Bewährung auszusetzen. Wo wir das bei Ihnen finden sollen, weiß ich nicht“, sagte Richterin Fahlberg, als die Entscheidung des Schöffengerichtes begründete, die Döbelnerin einzusperren. Mit der siebten Klasse ohne Abschluss aus der Schule raus, eine Lehre abgebrochen, dauerarbeitslos. Drei Kinder, der Vater ein Obdachloser. Und in der Wohnung Drogen. „Die Kinder leben in einem Zuhause, wo die Drogen offen herumliegen. Und sie sitzen hier und vermitteln den Eindruck: Ich habe das alles im Griff, alles easy“, sagte Richterin Fahlberg.

Ein wichtiges Indiz für einen gewerbsmäßigen Drogenhandel fiel in der Hauptverhandlung hinten runter. Am ersten Prozesstag hatte ein Kriminalbeamter ausgesagt, die 31-Jährige habe bei der Wohnungsdurchsuchung zu ihm gesagt, sie verkaufe Crystal, weil sie kein Hartz IV mehr bekäme. Vor Gericht sagte der Kommissar, die 31-Jährige hätte das vor ihrer Vernehmung als Beschuldigte gesagt. Dann wäre sie noch nicht über ihre Rechte belehrt gewesen. Das Gericht dürfte die Aussage daher nicht verwerten. In den Akten steht jedoch, dass der Satz erst in der Vernehmung gefallen sei, somit nach der Belehrung. Martin Göddenhenrich wäre ein schlechter Strafverteidiger, hätte er nicht beantragt, diese Aussage nicht als Beweis gelten zu lassen, sie einem Verwertungsverbot zu unterziehen. Da das Gericht die strittige Bemerkung in den Akten gar nicht zum Gegenstand der Beweisaufnahme machte, brauchte es auch nicht über den Antrag des Verteidigers entscheiden. Allerdings ließ sich allein mit der Angabe „Drogen verkaufen weil kein Hartz IV mehr“, kein Schuldspruch wegen des „gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln“ begründen. Aber das leitete das Gericht sowieso aus anderen Indizien her.

Zucker statt Crystal

In einem Punkt sprach das Gericht die Frau frei. Als sie die Polizei festnahm, um sie zur Zeugenaussage ans Landgericht Chemnitz zu bringen, hatte sie etwa zwei Gramm einer kristallinen Substanz dabei. Per Strafbefehl hatte sie dafür bereits eine Verurteilung wegen Drogenvergehen kassiert. Vor Gericht sagte sie, dass das Pulver Streckmittel sei. Das hat das gerichtlich angeordnete Gutachten jetzt bestätigt. Bei der Substanz handelte es sich um Sacharose, also Zucker. Am Landgericht musste die 31-Jährige gegen Frank M. aussagen, den die erste Große Strafkammer wegen Drogenverbrechen bereits zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt hat. Auch er war durch die Aussage des Selbststellers aufgeflogen. Frank M. steht aktuell wegen Freiheitsberaubung und schweren Raubes vor Gericht.

Von Dirk Wurzel

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