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Flotte Nadeln für Innenstadt gesucht: Döbeln soll kuschlig werden

Aktion Flotte Nadeln für Innenstadt gesucht: Döbeln soll kuschlig werden

Die Döbelner Innenstadt soll kuschlig und bunt werden. Das ist das Ziel einer jetzt startenden Aktion des Döbelner Stadtwerberinges. Die ersten Unterstützer greifen bereits zu Stricknadeln und Wolle, um Alltagsgegenstände einzustricken und so rund um die Einkaufsmeilen der Innenstadt einige farbige Akzente zu setzen.

Vorbild Leipzig: Auch hier dort wurde bereits zu Stricknadeln und Wolle gegriffen.

Quelle: Andreas Doering

Döbeln. Die Döbelner Innenstadt soll kuschlig und bunt werden. Das ist das Ziel einer jetzt startenden Aktion des Döbelner Stadtwerberinges. Die ersten Unterstützer greifen bereits zu Stricknadeln und Wolle, um Alltagsgegenstände einzustricken und so rund um die Einkaufsmeilen der Innenstadt einige farbige Akzente zu setzen.

Im Herbst des vergangenen Jahres hatte Marc Schwade, Geschäftsführer der Berliner Consilium GmbH, unter den Händlern der Innenstadt eine Aufbruchsstimmung erzeugen können. Zentrumstraining heißt das Angebot der Spezialisten. Damit wollen sie die Innenstadthändler fit machen. Denn trotz der Tatsache, dass es in Döbeln bei 150 Anbietern und Geschäften in 80 Waren- und Dienstleistungsgruppen an nichts fehlt, tobt nach Meinung der Händler nicht genug Leben vor und vor allem in den Geschäften. Das möchte Grit Neumann, Vorsitzende des Stadtwerberinges, gemeinsam mit den Berliner Fachleuten gern ändern. „Die Döbelner Innenstadt soll noch lebendiger werden und für die Kunden aus nah und fern mehr Zugkraft erhalten“, so Neumann. damals.

Zwischenzeitlich hatten sich die Mitglieder des Döbelner Stadtwerberinges glasklar dafür ausgesprochen, beim „Zentrumstraining“ mitzumachen. Da erste große Ziel lautete dabei auch die abwartenden Händler, die nicht Mitglieder des Stadtwerberinges sind, für das Zentrumsmarketing zu gewinnen. Aus den Reihen der Nichtmitglieder kam für das Zentrumstraining auch viel Zuspruch. Die Idee, Döbeln kuschlig zu machen, hatte beispielsweise Ines Conru vom Schreibwarengeschäft C&M am Niedermarkt. Sie stieß bei Stadtwerbering-Chefin Grit Neumann auf offene Ohren. Auch das Kurzwarengeschäft in der Großen Kirchgasse war begeistert und stellte zum Anschieben der Strick-Idee günstiges Strickgarn in größerer Menge bereit. Die ersten Verbündeten hat Grit Neumann in den sieben Handarbeitsfrauen von der Kreativ-Gruppe der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt gefunden. Beim Weihnachtsmarkt der Wohnungsgenossenschaft übergab die Vorsitzende des Stadtwerberinges den Frauen einen Karton mit Wolle.

„Wir haben uns am Montag zum ersten Mal nach der Weihnachtspause wieder getroffen und beraten jetzt unseren Schlachtplan, was wir für ein kuschliges Döbeln beitragen können“, sagt Andrea Wolf von der Kreativgruppe. Alle zwei Wochen treffen sie sich. Am übernächsten Montag soll dann schon eifrig gestrickt werden. Grit Neumann hat auch einige Ideen. „Vielleicht gelingt es ja den Schlegelbrunnen oder etwas anderes markantes einzustricken“, sagt sie. Sie selbst hat gerade ein altes Fahrrad in die Hände der Schülerin Linda König gegeben. Die hatte von der Aktion erfahren und sich bei der Vorsitzenden des Stadtwerberinges gemeldet.

Die Idee vom bunten Strickkleid für Döbelns Innenstadt sollen die Einzelhändler und Gewerbetreibenden jetzt an ihre Kunden weitertragen. Das Garn soll dazu an die interessierten Geschäfte verteilt werden. Mit diesem Anschub sollen möglichst viele ältere und jüngere Döbelner, am besten in Gruppen dazu angeregt werden, gemeinsam zu stricken. Ob sie einen Fahrradständer oder die Taubenfrau auf dem Schlegelbrunnen mit einem Strickkleid versorgen, ist eine reine Abstimmungsfrage. Auch die Farbe des Garns ist egal. Es darf bunt sein und es dürfen alle Wollreste aus dem Haushalt verwendet werden, stellt sich Grit Neumann vor. Vielleicht gibt es im Frühjahr sogar einen großen Stricktag in der Döbelner Innenstadt. Vieles sei denkbar.

Mit dem Döbelner Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer, der bei der Vorstellung des „Zentrumstrainings“ interessierter Zuhörer war, will Grit Neumann nächste Woche über die kuschelige Strickidee im Detail sprechen und klären, was aus städtischer und aus ordnungsrechtlicher Sicht möglich ist und was nicht. Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister fährt die Vorsitzende des Stadtwerberinges nächste Woche nach Bad Liebenwerda zum Erfahrungsaustausch. Dort hat die Berliner Consilium GmbH das Zentrumstraining bereits vor längerer Zeit angeschoben. Zwischenzeitlich hat sich daraus einiges entwickelt, das sich die Döbelner ansehen wollen.

Wer Lust und Ideen zu der Strickaktion „Döbeln wird kuschlig“ hat, kann sich jederzeit an die Chefin des Stadtwerberinges, Grit Neumann, in ihrem City-Haarstudio in der Stadthausstraße 5 wenden.

Urban Knitting: Graffiti war gestern - heute wird gestrickt

Urban Knitting heißt ein aktueller Trend nicht nur in der Münchner Kunstszene: Eine Strickguerilla strickt dabei Gegenstände in der Stadt bunt ein.

Was haben die rebellisch-anarchischen Graffitis eines Sprayers und die Strickkünste einer Großmutter gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Kombiniert aber ergeben sie einen neuen Trend in der Kunstszene: Yarn Bombing oder Urban Knitting. Urban Knitting kommt, wie sollte es auch anders sein, aus den USA. Dabei schmücken Strickguerilla-Aktivisten alle möglichen Gegenstände von Skulpturen über Bäume bis hin zu Regenrinnen mit Häkeleien oder Strickmustern und bringen so Farbe in den grauen Stadtalltag.

Urban Knitting irritiert und bringt Wärme in die Großstadt

„Als ob eine verrückt gewordene Oma durch die Stadt läuft und alles vollhäkelt“, beschreibt der Münchner Künstler Klaus Erich Dietl im Interview mit der Süddeutschen Zeitung das Urban Knitting. Er strickte schon Statuen und Ziegenhörner ein und verschönerte zusammen mit Flüchtlingen aus dem Nähprojekt Fadenlauf und Künstlern mit Migrationshintergrund zwei Telefonzellen – als Zeichen für interkulturelle Kommunikation.

Während Dietl die Vorbeikommenden irritieren und zum Nachdenken anregen will, verfolgen die Texanerin Magda Sayeg und ihr Strick-Kollektiv KnittaPlease ein anderes Ziel. Sie nutzen die Wolle, um wieder Wärme in den tristen öffentlichen Raum zu bringen. Schon im Jahr 2005 strickten sie Strommasten, Telefonzellen oder Straßenlampen bunt ein und gelten damit als Erfinder des Urban Knitting.

Yarn Bombing ist jedem zugänglich, billig, leicht zu erlernen und damit eine demokratische Kunst. Die gestickten, gestrickten oder gehäkelten Graffiti haben einen klaren Vorteil im Vergleich zu den gesprayten Vorbildern: Sie hinterlassen keine Spuren und erfüllen so den Tatbestand der Sachbeschädigung meistens nicht.

Stricken liegt im Trend

Stricken als Omabeschäftigung zu verurteilen, gehört der Vergangenheit an. In vielen Großstädten wie München gibt es regelmäßige Strickkränzchen, bei denen Strickinteressierte bei Kaffee zusammensitzen und Tipps und Tricks von einer Strickdesignerin lernen. Stricken macht Spaß, entspannt und ist Sport für die Finger. Deswegen greifen auch junge Menschen zu Stricknadeln.

Politisch geht es dagegen bei der Radical-Crafting-Bewegung zu. Junge Leute nutzen das Stricken als Möglichkeit, um gegen industriell gefertigte Massenware zu protestieren. Sie schließen sich zu Gruppen zusammen, treffen sich an öffentlichen Orten zum Stricken und stellen ihre Arbeiten ins Internet.

Auch in anderen Städten hat sich das Urban Knitting mittlerweile einen festen Platz in der Stadtkunst erobert. Damit ist nicht nur München eine umstrickte Stadt. Urban Knitting ist absolut im Trend – und jeder kann mitmachen. Stricknadel und Wolle geschnappt und los geht´s!

Quelle: http://www.wg-gesucht.de/artikel/urban-knitting-graffiti-war-gestern---heute-wird-gestrickt

Von Thomas Sparrer

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