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Döbeln Flüchtlingskinder erzählen Döbelner Schülern dramatische Geschichten
Region Döbeln Flüchtlingskinder erzählen Döbelner Schülern dramatische Geschichten
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00:18 04.02.2017
Ahmed berichtet von seiner Heimat Somalia (l.). Abdulrahman (m.) aus Äthiopien träumt von einer Welt ohne Hunger. Zahra (r.) aus Afghanistan schwärmt vom Leben ohne Krieg und Armut in Deutschland. Quelle: Foto: Sven Bartsch
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Döbeln

In der voll besetzten Aula des Lessing-Gymnasiums hätte man am Dienstag eine Stecknadel zu Boden fallen hören können. Angespannt lauschten die Schüler- und Kurssprecher sowie zahlreiche Gäste, wie Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer, den Geschichten von 24 Jungen und Mädchen der DAZ-Klasse am Gymnasium. Seit knapp einem Jahr gibt es diese Klasse, in der Flüchtlingskindern zwischen zehn und 16 Jahren Deutsch als Zweitsprache gelehrt wird. Sie haben im Spätherbst in einem Erzählprojekt des Deutschen Übersetzerfonds ihre Geschichten in ihrer Muttersprache und auf Deutsch aufgeschrieben. Übersetzer halfen den Kindern aus zwölf Nationen und mit elf verschiedenen Muttersprachen dabei. Bevor die Geschichten nun in einem Buch erscheinen, stellten die Kinder der DAZ-Klasse von Lehrer Andre Krauß am Dienstag-Nachmittag den Schülern am Lessing-Gymnasium ihre Erzählungen vor. Schüler, allen voran die Schülergruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ kümmern sich um die Integration der Flüchtlingskinder. „Wir haben gemeinsam gekocht, das Stadtmuseum und das Stadtbad besucht, Sport getrieben und viel Deutsch gelernt“, schildert Schulleiter Michael Höhme. Dass die Integration der Kinder nahezu problemlos verlief, führt der Schulleiter auf weltoffene und empathiefähige Schüler, engagierte Lehrer und viel Unterstützung, etwa von Seiten der Bildungsagentur, vom Schulträger Stadt Döbeln oder auch durch eine Spende vom Gut Haferkorn zurück.

Das Erzählprojekt „In zwei Sprachen zuhause“ kam dank einer ehemaligen Schülerin zustande. Die freischaffende Literaturübersetzerin Juliane Hummitzsch hatte 2002 ihr Abitur am Lessing-Gymnasium absolviert und brachte das Erzählprojekt an ihre alte Penne.

Der 14-jährige Yousef aus Syrien begrüßte die Zuhörer, bevor View (13) aus Thailand als erste ihre selbst erfundene Geschichte von einer einbeinigen Ente in noch ein wenig holprigem, aber bereits einigermaßen verständlichem Deutsch las. Für Maria Hummitzsch war das der richtige Einstieg: „Stellen sie sich vor, sie müssten diese Geschichte nach kaum einem halben Jahr Sprache lernen heute vor thailändischen Zuhörern vorlesen. Wie weit ist der Weg, bis man in zwei Sprachen zuhause ist“, fragte sie die Schüler, die ja alle zwei Fremdsprachen lernen. Dass Erzählprojekt in Deutsch und der Muttersprache der Kinder sollte ihnen die deutsche Sprache näher bringen und gleichzeitig die Achtung vor der eigenen Muttersprache zeigen.

Neben frei erfundenen Geschichten, wie der von der einbeinigen Ente, sind es vor allem autobiografische Erzählungen der Kinder, welche die Zuhörer fesselten. Ahmed stellt seine Heimat Somalia vor, die er vermisst. Die 16-jährige Raneem schwärmt vom Libanon. Abdulrahman (16) aus Äthiopien berichtet vom Hunger und Zahra aus Afghanistan vom Krieg, der Kinder davon abhält in die Schule zu gehen. Precious (16) aus Nigeria schrieb seine Geschichte von einem Blinden, der in einer Welt ohne Farben lebt, auf spanisch und trägt sie in fast perfektem Deutsch vor. Rani (10) berichtet von der schönen Zeit mit der Familie in der syrischen Heimat. Doch als die Bomber flogen, organisierte der Vater die Flucht aus der Heimat. „Drei Jahre lebten wir in Libyen, bis uns der Krieg dort einholte. Dann sind wir in die Todesboote nach Italien gestiegen, um dem Krieg zu entkommen. Ich danke Gott für unser neues Leben in Frieden, meinem Vater für den Mut und allen Menschen in Deutschland, die uns aufgenommen haben“, so die Zehnjährige.

Von Thomas Sparrer

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