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Flügelaltar Döbeln: wandlungsfähig, aber unverändert

Kirche Flügelaltar Döbeln: wandlungsfähig, aber unverändert

So oft gewandelt innerhalb so kurzer Zeit wie am Sonntagmittag sieht der Betrachter den großen Flügel-Altar in der St. Nicolaikirche Döbeln nur selten. Das hatte seinen Grund. Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde der Stadt feierte das 500-jährige Bestehen des spätgotischen Schnitzaltars.

Großes Staunen: Diplomrestaurator Wilfried Sitte erklärt den spätgotischen Döbelner Flügelaltar.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. So oft gewandelt innerhalb so kurzer Zeit wie am Sonntagmittag sieht der Betrachter den großen Flügel-Altar in der St. Nicolaikirche Döbeln nur selten. Das hatte seinen Grund. Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde der Stadt feierte das 500-jährige Bestehen des spätgotischen Schnitzaltars. Dessen Besonderheit ist neben seiner Größe die hohe Qualität der Skulpturen und Tafelmalerei, weiterhin die Tatsache, dass sich dieses Kunstwerk in einem halben Jahrtausend fast nicht verändert hat und natürlich seine Wandlungsfähigkeit. Als Wandelaltar mit zwei Flügelpaaren kann er über drei verschiedene Ansichten verfügen.

Zunächst hielt Pfarrer Stephan Siegmund für die Gemeinde einen Gottesdienst, in dem der Altar eine Rolle spielte und eine der Schnitzfiguren besonders bedacht wurde: Christopherus, der Schutzheilige aller Reisenden. Wie Pfarrer Siegmund nach dem Gottesdienst verriet, reist er selbst gern und ist viel unterwegs. „Da ist es wichtig, aber nicht selbstverständlich, dass man immer heil ankommt.“ Neben dem Vertrauen auf Christopherus helfe da auch, nicht wie ein wilder draufloszufahren, weiß der Pfarrer.

Eine heiße Suppe und ein Stück Brot überbrückten die Pause bis zu einem Vortrag über den Altar. Und weil der Diplomrestaurator Wilfried Sitte aus Hühndorf bei Dresden dabei den rund 50 Zuhörern alle drei Ansichten präsentierte, gab es besonders viel zu gucken und zu hören. Als die Festtagsseite mit den lebensgroßen Skulpturen im Mittelschrein zu sehen war, sagte Sitte: „Sie müssen sich vorstellen, dass es vor 500 Jahren in der Kirche eine andere Beleuchtung gab. Das Licht kam nicht von eintönig strahlenden Lampen, sondern von flackernden Kerzen. Dadurch veränderten sich an den geschnitzten Skulpturen ständig die Schattierungen. Im Mittelalter haben diese Figuren gelebt.“

Problematisch war, dass sich die Menschen nach dem Deutsch-Französischen Krieg darauf besannen, was für eine hohe und schützenswerte Kunst der Döbelner Altar birgt – alles andere als Nullachtfünfzehn. Doch die gut gemeinten umfangreichen Arbeiten mit Holzschutzmittel gegen Wurmbefall gingen nach hinten los. Öle dienten als Träger der Substanz. Die Hölzer des Altars wurden weich und schwer, sie verformten sich. Mit der Verwandlung war es vorbei. Erst bei der umfassenden Restaurierung 1999 bis 2002, bei der der Altar samt Gesprenge komplett abgebaut, von Altrestaurierungen befreit und mit gerichteten Flügeln wieder zusammengefügt wurde, gelang der große Wurf. Es ist laut Sitte dem Mut der Kirchgemeinde zu verdanken, dass sich der Altar heute in diesem Zustand befindet und an nächste Generationen übergeben werden kann. „Heute würde man so etwas finanziell nicht mehr stemmen wollen.“

Ganz glücklich ist Pfarrer Stephan Siegmund mit dem Altar trotzdem nicht. Ihm fehlt ein Bezug zur heutigen Zeit, zur jetzigen Generation, zum Inhalt des evangelisch-lutherischen Glaubens. „Christus ist ganz da oben, wenn man ihn sehen will, bekommt man eine Genickstarre.“ Deshalb gibt es Gedanken, etwas Neues zu schaffen. Vielleicht eine bewegliche Tafel mit einem Gemälde, die die Marientod-Szene im Altarunterbau verdecken, aber auch wieder freigeben könnte? Restaurator Wilfried Sitte: „Es legitim, sich mit der Idee zu befassen, ein neues Bild zu schaffen, das zum evangelischen Glauben passt. Das muss aber die gleiche hohe Qualität haben und ins Gesamtbild passen. Eine große Herausforderung, die die ganze Gemeinde mittragen muss.“

Von Olaf Büchel

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