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Flüsse laufen fast trocken

Flüsse laufen fast trocken

Region Döbeln/Roßwein. Wie Jesus übers Wasser gehen? Auf den Flüssen der Region könnte das zurzeit funktionieren - natürlich nur scheinbar. Die Wasserstände von Freiberger Mulde, Striegis und Zschopau sind wegen der Trockenheit so niedrig, dass das Flussbett teilweise nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche liegt.

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Mehr Steine als Wasser: So wie hier die Freiberger Mulde an der großen Roßweiner Muldebrücke sehen die Flüsse der Region zurzeit an vielen Stellen aus. Die Geröllablagerungen erscheinen beim aktuellen Niedrigwasser noch gravierender.

Quelle: Olaf Büchel

An vielen Orten, so bei Gleisberg und Roßwein, wirken die durch Sedimentablagerungen entstanden Flussinseln noch größer als sonst. Selbst das Queren der Flüsse trockenen Fußes ist an einigen Stellen, wo besonders viele Steine liegen, möglich. Zum Vergleich: die Zschopau bei Kriebstein wies gestern Vormittag an der Pegelmess-Stelle eine Wassertiefe von 36 Zentimetern aus, der mittlere Wasserstand beträgt dort 76 Zentimeter. Am Mahlitzscher Muldepegel ist das Wasser einen halben Meter hoch, ein knapper Meter ist normal. Die Striegis in Niederstriegis ist mit 23 Zentimetern super flach, das Mittel liegt bei 50 Zentimetern.

 

Die Auswirkungen des Niedrigwassers auf das Ökosystem Fluss können enorm sein, so für die Tiere, die im Fluss leben - durch verengten Lebensraum, Trockenfallen einzelner Bereiche, Sauerstoffmangel oder hohe Wassertemperaturen. "Ein echtes Problem ist der zunehmende Bewuchs. Wenn die Flüsse viel weniger Wasser führen, als normal, dann nimmt das dort wachsende Kraut überhand", erklärt Axel Bobbe, Leiter des Betriebes Elbaue/Mulde/Untere Weiße Elster bei der Landestalsperrenverwaltung.

 

Wasserkraftanlagen abgeschaltet

 

Nachteile bringen die niedrigen Wasserstände auch für die Betreiber der Wasserkraftanlagen mit sich. Wegen geringer Durchflussmengen wird weniger Strom erzeugt oder die Anlagen sind ganz abgeschaltet. "Unsere Anlage in Technitz ist leider außer Betrieb", bestätigte gestern ein Mitarbeiter des Döbelner Unternehmens Wasserkraft-Anlagenbau Stein, das auch selbst Anlagen betreibt. "Einige große Wasserkraftwerke an den Unterläufen der Flüsse arbeiten noch mit geringer Leistung. Aber viele kleine an den Oberläufen sind schon seit Wochen abgeschaltet", schildert Angela Markert, Präsidentin des Verbandes der Wasserkraftwerksbetreiber in Sachsen. "Weil die vorgeschriebene Mindestwassermenge in den Flüssen nicht unterschritten werden darf, dürfen die Anlagenbetreiber bei den aktuellen Bedingungen kein Wasser mehr für die Turbinen abzweigen", erklärt Markert die Hintergründe.

 

Die Schlauchboottouren, die der Aktivreiseveranstalter Unger Outdoor Team auf der Mulde ab Klosterbuch anbietet, sind zurzeit noch alle möglich. Mit Blick auf vielleicht noch weiter sinkende Wasserstände sagt eine Mitarbeiterin: "Da bekommt der Begriff Fluss-Trecking noch mal eine ganz andere Bedeutung."

 

Sedimentberäumung planmäßig

 

Für die Baustellen der Landestalsperrenverwaltung, die wegen Flutschutzmaßnahmen an den Flüssen eingerichtet sind, ist die Trockenheit weder Fluch noch Segen. "Uns stört die geringe Wassertiefe nicht, sie ist aber auch kein großer Vorteil. Was problematisch sein kann, sind extreme Gewittergüsse, bei denen sich große Wassermengen in die Flüsse ergießen. Dann kann es sein, dass Baustellen geflutet werden müssen, wie schon mehrmals am Schlossbergwehr in Döbeln der Fall", sagt Betriebsleiter Axel Bobbe.

 

Dass notwendige Sedimentberäumungen wegen der aktuellen Situation vorgezogen werden, ist laut Bobbe nicht der Fall: "Da gibt es bestimmte Zeitfenster, die wegen der Schonzeit der Fische eingehalten werden müssen." Zudem gelte es Pläne und Absprachen einzuhalten, was die Entsorgung des Materials betrifft, das aus den Flüssen geholt wird. Normale Wasserstände würden der vorhandenen Technik keine Schwierigkeiten bereiten.

 

In Roßwein startet im September ein großangelegtes Ausbaggern der Mulde im Abschnitt zwischen Mühlen-Brücke und Glasschleife. Dort soll die Freiberger Mulde von tonnenweise angeschwemmtem und abgelagertem Material befreit werden. In einigen Bereichen ist auch die Sanierung der Uferbefestigung vorgesehen. Alles in allem liegen die Kosten für die Maßnahme laut Bobbe im siebenstelligen Bereich.

Olaf Büchel

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