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Flutmauer in Rosenapotheke Döbeln

Flutmauer in Rosenapotheke Döbeln

Das Juni-Hochwasser und die Angst vor einer erneuten Flut in Döbelns Innenstadt führt zu teilweise beeindruckenden Ideen und Investitionen.

Döbeln.

 

 

 

 

Auf diese Alleinstellungsmerkmale hätte Stefan Leutert aber durchaus verzichten können. Denn die Hochwasserkatastrophe vom Juni hat ihn viele Nerven und viel Kraft gekostet. Ihm war schnell klar: Wenn er an diesem, ihm so ans Herz gewachsenen Standort seiner Apotheke jetzt fast von vorn anfängt, dann so, dass ihn ein künftiges Hochwasser nicht wieder komplett zerstört.

Beim Hochwasser vom Juni 2013 war Stefan Leutert versichert. Die Versicherung wird 75 Prozent des Schadens übernehmen. Ein Viertel muss der Apotheker selbst aufbringen. Die Endabrechnung mit der Versicherung läuft noch. Aber Abschläge wurden bereits bezahlt. Über die Schadensabwicklung kann sich Stefan Leutert nicht beschweren. Doch die Versicherung hat ihm bereits gekündigt. "Wenn ein nächstes Hochwasser kommt, stehe ich ohne Versicherung da", weiß er. Deshalb nahm er jetzt wesentlich mehr Kredite auf sich und baute die Rosenapotheke komplett um.

Das Herzstück der neuen "Rosenapotheke" steht über den Verkaufsräumen. Es ist ein computergesteuertes Regallager für Medikamente. In dem riesigen rot eingefassten Glaskasten stecken 17 000 Medikamentenpackungen. Scanner lesen die Verpackungsdaten. Computergesteuerte Hydraulikarme sortieren die Packungen in die Regalfächer. Das Computersystem merkt sich alle Daten von Haltbarkeit bis Wirkstoffmenge. Gibt der Kunde unten in der Apotheke sein Rezept ab, tippt es die Mitarbeiterin in den Computer ein. Der Automat holt es aus dem Regallager im Obergeschoss und legt die Verpackung mit Roboterhand auf ein Rutschensystem. Dort gleitet die Verpackung ins Erdgeschoss. Kleine Weichen steuern, dass sie an den richtigen Verkaufsplatz in der Apotheke kommt. Wichtigster Vorteil für Stefan Leutert: Alle Medikamente lagern künftig flutsicher hinter Glas im Obergeschoss. Überhaupt hat die obere Etage - zu der nun im Inneren eine breite Treppe führt - große Bedeutung. Hier sind auch das Labor und alle Sanitärräume für das Team der Rosenapotheke untergebracht. Zum Team gehören drei Pharmazie-Ingenieurinnen und drei Pharmazeutisch- Technische Assistentinnen (PTA), Stefan Leuterts Vater Frank sowie eine Reinigungskraft. Alle Abflüsse, durch die im Hochwasserfall Wasser eindringen könnte, wurden nach oben verlegt. Alle Waschbecken im Erdgeschoss sind mit Pumpen versehen über die das Abwasser erst nach oben und dann in den zentralen Abfluss geleitet wird.

Kaum erkennbar ist der Flutschutz im großen Kundenraum im Erdgeschoss. Hinter den Schaufenstern entstand eine 1,30 Meter hohe Flutmauer, die sich in die Ladeneinrichtung integriert. In den Eingangstüren aus Richtung Niedermarkt und aus Richtung Breite Straße sind kleine Schienen eingelassen. In die werden Spundwände geschoben, die Stefan Leutert beim Zentrum für Hochwasserschutz in Graz bestellt hat. Diese Teile kommen auch im Stadtbad zum Einsatz. Der Hersteller kommt mit dem Liefern kaum hinterher. Bei der Umsetzung von Stefan Leuterts Vorstellungen vom Flutschutz in seiner Apotheke half ihm der Architekt Maik Schroeder, mit Rat und Tat. In einem kleinen Räumchen neben Stefan Leuterts Büro im Erdgeschoss werden die Spundwände, Pumpen aber auch Gummistiefel und Wathose künftig griffbereit lagern. "Jetzt wo alles fertig ist, hoffe ich, dass ich es nie brauche. Falls doch, hält es hoffentlich und steigt nicht höher als 1,30 Meter", sagt der Apotheker. Bis zu dieser Höhe reichen die baulichen Schutzvorkehrungen. Die Angst bleibt.

Thomas Sparrer

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