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Döbeln Folter in Döbelns Drogenszene: Angeklagter räumt nun alle Tatvorwürfe ein und zeigt Reue
Region Döbeln Folter in Döbelns Drogenszene: Angeklagter räumt nun alle Tatvorwürfe ein und zeigt Reue
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Am Landgericht Chemnitz hat der 26-jährige Angeklagte alle Tatvorwürfe eingeräumt, die auch der Staatsanwalt als Folter bezeichnete. Quelle: dpa
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Chemnitz/Döbeln

Mit zwei Überraschungen ist der Prozess gegen Daniel K. am Landgericht Chemnitz in den Endspurt gegangen. Nummer eins: Der Angeklagte hat alle angeklagten Tatvorwürfe eingeräumt. Am ersten Prozesstag hatte er diese teilweise gestanden aber auch vieles bestritten. Nummer zwei: Rechtsanwalt Sven Kuhne, der den 26-Jährigen verteidigt, hat in seinem Schlussvortrag beantragt, seinen Mandanten zusätzlich zur Haftstrafe auch in einer Entziehungsanstalt unterzubringen. Normalerweise tun Verteidiger das gerade nicht, sondern fürchten diese Maßregel der Besserung und Sicherung und versuchen sie für ihre Mandanten zu vermeiden. Denn sie kann für den dazu Verurteilten härter sein, als das Gefängnis. Und wer sie von sich aus beendet, hat seine Chance verwirkt, vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden, sitzt seine Strafe also vollständig ab.

Durch Drogen vermindert schuldfähig

„Wir haben in Abgründe menschlichen Verhaltens geschaut“, sagte Staatsanwalt Ulf Reichel zu dem, was an zwei Verhandlungstagen zur Sprache kam. „Das Maß der Gewalt und die Erniedrigung der Geschädigten ist außergewöhnlich. Es fiel hier bereits der Begriff Folter und anders kann man es nicht anders bezeichnen“, sagte der Anklagevertreter. Er beantragte, den Angeklagten unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu einer Gesamtstrafe von fünf Jahren und drei Monaten Haft zu verurteilen. Der Staatsanwalt ging davon aus, dass Daniel K. wegen seines Drogenkonsums vermindert schuldfähig war, als er die Taten begangen hat.

Daniel K. hatte die Taten komplett eingeräumt, als ihm die 6. Große Strafkammer für dieses Geständnis nach einem Rechtsgespräch mit seinem Verteidiger und dem Staatsanwalt eine Strafe von fünf bis fünfeineinhalb Jahren Haft zugesichert hatte. Demnach hat er drei Männer, allesamt Angehörige der Döbelner Drogenszene, übel misshandelt: sie festgebunden, sich Quarzsandschuhe übergezogen und die Geschädigten so verprügelt, sie mit dem Lötkolben verbrannt und mit dem Elektroschocker traktiert. In einem Fall soll er dabei von einem 20-jährigen Opfer verlangt haben, sein Mobiltelefon und seinen Tabletcomputer herauszugeben, was als räuberische Erpressung angeklagt war. „Das habe ich gemacht, damit er nicht die Polizei rufen kann. Er hat es auf den Tisch gelegt und Frau W. hat die Geräte an sich genommen“, sagte Daniel K. Das führte dazu, dass die Strafkammer den rechtlichen Hinweis gab, hier lediglich eine Nötigung anzunehmen. Denn für die schwerer zu bestrafende räuberische Erpressung braucht es die Absicht des Täters, die Sachen sich oder einem Dritten zuzueignen, die er sich mit Gewalt oder deren Androhung hat herausgeben lassen.

Üble Hetze auf Facebook

„Sein Geständnis mag kurz gewesen sein, aber man kann es gar nicht hoch genug würdigen“, sagte Rechtsanwalt Kuhne. „Aufgrund seiner Drogenproblematik hat er die Taten begangen. Nun ist er therapiewillig“, sagte Sven Kuhne und beantragte, Daniel K. zu fünf Jahren Haft und der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt zu verurteilen. Das Gericht und der Staatsanwalt standen dem skeptisch gegenüber. Der forensische Psychiater Dr. Thomas Kasten hatte den Angeklagten begutachtet und festgestellt, dass Daniel K. nicht geisteskrank ist aber durch den Drogenkonsum bei seinen Taten nicht voll schuldfähig war. Der Sachverständige sagte auch, dass die Voraussetzungen für eine solche Unterbringung vorlägen.

„Ich kann nur sagen, dass mir die Sache leid tut und dass das nicht wieder vorkommen wird, wenn ich alles hinter mir habe“, sagte Daniel K. in seinem letzten Wort als Angeklagter. Die Geschädigten hatte er bereits um Verzeihung gebeten. Mit zweien hatte er sich im Täter-Opfer-Ausgleich über ein Schmerzensgeld geeinigt.

Daniel K. und seine Familie sehen sich gerade einer üblen Hetzkampagne auf einer rechten Facebookseite ausgesetzt, die sich sonst vornehmlich gegen Ausländer richtet. Mittlerweile ermittle deswegen die Polizei, hat Rechtsanwalt Kuhne erfahren.

Das Urteil will die 6. Große Strafkammer demnächst verkünden.

Kommentar: Urteil zum Glück Sache des Gerichtes

Die Taten, die Daniel K. gestanden hat, sind menschenverachtend. Das ist ihm mittlerweile wohl auch selbst klar. Es stellt sich die Frage, was ihn dazu getrieben hat. Ein junger Mann, nicht blöde, der eine ganze Zeit lang arbeiten gegangen ist und selbst für seinen Lebensunterhalt gesorgt hat, gleitet vollends in die Drogenszene und den Crystal-Rausch ab. Begeht Straftaten, als dessen Opfer man sich nicht mal seine schlimmsten Feinde wünscht. Das Crystal wird einen großen Anteil an diesen Taten haben.

Aber dies zu beurteilen, ist nun Sache des Gerichtes. Es ist zum Glück keine Angelegenheit von irgendwelchen rechten Hetzern, hierzu Urteile in einem juristischen Sinn zu fällen. Das obliegt in einem Rechtsstaat Menschen, die dafür die nötige Qualifikation haben: Zwei erfolgreich abgelegte juristische Staatsexamen und die nötige Berufserfahrung. Das ist gut so. Dirk Wurzel

Von Dirk Wurzel

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