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Döbeln Foto-Reise durch ein Embargo-Land
Region Döbeln Foto-Reise durch ein Embargo-Land
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16:11 08.11.2018
Heinz Thieme und sein Name, geschrieben in arabischen Buchstaben. In Hartha berichtete er jüngst über den Iran. Quelle: Steffi Robak
Hartha

„Wüsste Herr Trump, welche Resonanz ein Vortrag über den Iran in Hartha hat, dem würde die Locke schwellen“. Das vermutet Heinz Thieme augenzwinkernd, bevor er seinen Fotovortrag „Iranische Impressionen“ in der Stadtbibliothek beginnt. Thieme spielt damit an auf das von den USA gegen das Land verhängte Embargo.

Reise durchs Land der Trump-Sanktionen

Zwei Tage zuvor traten die letzten von den USA verhängten Sanktionen in Kraft. Im Vortrag verwebt Thieme aktuelle Geschehnisse mit denen aus der Antike und der jüngsten Geschichte in einem Land, das er selbst bereiste, dessen Bewohner der Medizingerätetechniker in den vergangenen Jahrzehnten persönlich kennen lernte. Sein Fazit: Der Iran ist ein faszinierendes, vielfältiges Land mit sehr freundlichen, offenen Bewohnern.

Geier fressen die Leichname

Dass die Ursprünge des heutigen Iran auf die rund 6000 Jahre zurückliegenden Wurzeln des späteren Perserreiches zurück gehen, sei noch heute an historischen Stätten des Landes zu spüren. Beispiel dafür ist der Turm des Schweigens in der Stadt Yadz. Die Perser beziehungsweise Parsen, als Anhänger ihrer Religion Zaratustrier oder Zoroaster genannt, überließen im Rahmen von Himmelsbestattungen ihre Verstorbenen in diesen speziellen Türmen den Geiern.

Feuer ist heilig, Holz ist knapp

Die Erde darf mit den Leichnamen nicht verschmutzt werden. Dem Feuer dürfen sie ebenfalls nicht übergeben werden, da dieses als heilig verehrt wird. Der praktische Hintergrund dessen erschließt sich laut Thiemes Bericht aus dem heutigen Alltag im Iran: Holz ist dort selten. Große Wälder existieren nicht. Brennholz wird importiert, beispielsweise aus der benachbarten Türkei.

Nach verlorener Schlacht folgt Islam

Über Tausende Jahre seiner Existenz folgte das aus vielen verschiedenen Gruppierungen bestehende Volk der Perser eigenen kulturellen und religiösen Vorstellungen. Im siebenten Jahrhundert nach Christus, nach einer verlorenen Schlacht, wurde der Islam durchgesetzt. Auch dafür zeigt Heinz Thieme architektonische Beispiele. Nicht selten stehen moslemische Heiligtümer auf Mauern vor-islamischer religiöser Stätten.

Islamische Republik mit persischer Amtssprache

Neben dem von Moslems gesprochen Arabisch überlebte die persische Sprache, das Farsi, als eine Art Lingua Franca, mit der sich alle im Iran lebenden Gruppierungen verständigen. Es wird unter anderem auch im Afghanistan gesprochen, einst ebenfalls zum Persischen Reich gehörig. In der 1979 ausgerufenen Islamischen Republik Iran ist es Amtssprache.

Junger Moslem begrüßt Gäste in Farsi

Wie sich diese Sprache anhört, erfuhren die etwa 40 Besucher der Harthaer Stadtbibliothek direkt: Der 17-jährige Mohamed Karimi, der derzeit mit seiner Familie in Hartha lebt, begrüßte die Gäste in dieser Sprache. Geschrieben wird sie mit arabischen Buchstaben. Der junge Mann erklärt die arabischen Zahlen und schreibt Heinz Thiemes Namen auf.

Weiße Ehe: Heimlich Leben ohne Trauschein

Der Lebensalltag der Menschen im Iran ist islamisch geprägt. Konsequent müssen zum Beispiel als Touristen reisende Frauen Kopftuch tragen, sobald sie auf dem Flughafen das Flugzeug verlassen. Doch auch das ist Lebensalltag im Iran: Junge, moderne Frauen nutzen das Kopftuch weniger zum Verhüllen, sondern eher als eine Art Schmuck, der betont lässig ums modern frisierte Haar getragen wird. Auch die moslemische Ehe gehen Iraner zunehmend nicht mehr ein. Obwohl offiziell verboten, leben moderne Iraner die so genannte Weiße Ehe: Eine auch ohne Trauschein verbindliche Partnerschaft.

Von Steffi Robak

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