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Frank Niemann aus Ablass übt als Mönch das Schönschreiben

Kalligrafie Frank Niemann aus Ablass übt als Mönch das Schönschreiben

Wenn Frank Niemann aus Ablass bei Mügeln als mittelalterlicher Mönch zur Schreibfeder greift, dann ist er ganz in seinem Element: Die Kalligrafie, die Kunst des Schönschreibens, hat es ihm angetan. Der 56-Jährige hat sein Hobby längst zum Beruf gemacht: Er gestaltet Karten und Urkunden und gibt auch selbst Kurse.

Frank Niemann ist Experte in der Kunst der Kalligraphie.

Quelle: Dirk Hunger

Ablass. „Wenn jemand eine richtig schöne Handschrift hat, läuft es mir kalt über den Rücken und ich bekomme Gänsehaut“, sagt Frank Niemann. Ähnlich wie es den Menschen geht, wenn sie ein wunderschönes Musikstück hören. Doch bei dem 56-Jährigen ist es das Schreiben, das ihn fasziniert. Und dabei geht es ihm nicht nur um den Inhalt.

Diese Begeisterung für die schöne Schrift begann bei Frank Niemann bereits als Kind. Noch bevor er selbst in die Schule ging. Ein Freund, der bereits ein Jahr älter war als er und die erste Klasse besuchte, zeigte ihm seine Schulhefte. „Ich war fasziniert, wie die Worte geschrieben standen, auch wenn ich sie noch nicht verstehen konnte. Schreiben war das Schönste in meiner Schulzeit. Ich habe die Texte so oft neu übertragen, bis kein einziger Fehler mehr darin stand. Das hatte auch den Vorteil, dass ich für Prüfungen nicht zu lernen brauchte. Durch das ordentliche Abschreiben prägte ich mir alles viel besser ein. In meiner Schulzeit war ich auch immer für das Gestalten der Urkunden für die Sportwettkämpfe zuständig und musste die Wandzeitung kreativ umsetzen.“

Vom Nachrichtentechnik-Ingenieur zum Kalligrafen

Seit damals liebte er die Schrift. Kein Wunder, dass er seine Leidenschaft auch zum Beruf gemacht hat. Doch das mit einigen Umwegen. Denn erst baute er Radios und wurde Ingenieur für Nachrichtentechnik, später dann Immobilienmakler in Leipzig. Doch in seiner Freizeit hatte er weiterhin das Bedürfnis, zu schreiben. „Ich habe Schachpartien aufgeschrieben und nachgespielt. Außerdem hatte ich einige Zinnfiguren gesammelt, die ich auch selbst bemalte. Bei den kleinen Figuren war es wirklich filigrane Malerei“, so der Mann aus Ablass. Und Schreiben und filigranes Malen ließen sich dann sogar verbinden. Denn während eines verregneten Urlaubstags mit der Familie griff er zu einem Buch – Thema: Kalligrafie, die Kunst des Schönschreibens von Hand, mit Feder, Pinsel, Filzstift oder anderen Schreibwerkzeugen. Da fiel die Entscheidung. „Das machst du jetzt zielgerichtet“, sagte er zu sich. Seitdem beschäftigt er sich mit der Schrift.

Alles in Schönschrift

Alles in Schönschrift: Frank Niemann gestaltet unter anderem Grußkarten, Einladungen, Urkunden und Kalender.

Quelle: Dirk Hunger

Auch Schriftgeschichte gehört dazu. Und dabei hatte es ihm besonders die Buchmalerei im Mittelalter angetan sowie die alten Wappen und Urkunden. „Doch damals war das alles noch Freizeitbeschäftigung. Erst 2007 habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und meine eigene Firma gegründet.“ Dabei nutzt er nicht nur seine Hand, sondern arbeitet auch viel mit dem Computer. Besonders gefragt ist er, wenn es um Glückwunsch- oder Grußkarten, Einladungen, grafische Ausgestaltungen von Hochzeiten, Namenskalligrafie, Kalender mit eigenen Bildern und Urkunden geht.

Die Schränke in seinem Arbeitszimmer sind voll mit Büchern zum Thema Kalligrafie und Schrift. Pinsel, Federn und Stifte findet man hier in rauen Mengen. Zeichenpuppen „tanzen“ am Fenster und hier und da lehnt eine Staffelei an der Wand. Stapelweise bunte Blätter liegen geordnet aufeinander, beinahe wie in einem kleinen Fachgeschäft für Künstlermaterial. Einige dieser Materialien verkauft er auch. Da er selbst mit diesen Dingen arbeitet, kann er sie mit ruhigem Gewissen weiterempfehlen. Und das macht er auch. Meistens auf den Kunsthandwerker-Märkten, die er regelmäßig besucht.

Doch nicht nur dort kann man sein Handwerk bewundern. Er bietet auch verschiedene Kurse an. Alle 14 Tage und zum Teil bereits seit sechs Jahren. Hier ist er meistens in Mittweida, Staucha oder im Kloster Buch und er ist über die Entwicklung sehr zufrieden. „Jeder, der sich kreativ betätigen möchte, würde in der Kalligrafie etwas Passendes finden“, sagt er. Denn der Kalligraf lehrt nicht nur die Schrift, sondern auch das Gestalten. Hier gibt es unzählige Methoden. Unter anderem mit Schulklassen wird das Schreiben mit Federhalter und Feder geübt. Er selbst steht dann als Zisterzienser-Mönch vor ihnen. Er trägt eine weiße Kutte und die Farbkleckse verraten, dass er einen Schreiber-Mönch darstellt. Ein vorgegebener Text wird in Schönschrift nachgemalt. Das Schriftstück bekommen die Kinder dann mit nach Hause. Hier gibt es Schüler, die viel Talent an den Tag legen.

Andere eher weniger. „Ich kann oft nicht hinsehen, wenn Menschen ihr Schreibgerät falsch halten. Viele schreiben dann nach links geneigt. Das sehe ich als Verbrechen an der Schrift. Das Problem ist nur, dass kaum echtes Interesse an der Schrift besteht. Schreiben ist ein Handwerk. Das merke ich in den Kursen. Bei der Kalligrafie benutzt man Schreibgeräte mit einer breiten Feder. So entstehen breite und schmale Striche. Die Schönheit entsteht dadurch, dass die Proportionen zwischen Schriftgröße und Strichstärke stimmen“, erklärt der Experte und zeigt, wie man den Stift aufsetzt, in welchem Winkel man schreibt. Dabei wird schnell klar, dass dies nichts ist, was man eben mal schnell lernt.

Großes Sortiment

Großes Sortiment: Frank Niemann hat verschiedenste Schreibgeräte.

Quelle: Dirk Hunger

Es ist eine Kunst, für die man auch Geduld und Ruhe benötigt. „Ein Jahr ist nichts, wenn man es wirklich richtig lernen will. Es ist wie in der ersten Klasse. Doch hier setzt man an, ab, an und wieder ab. Allein für das kleine m benötigt man neun Schreibbewegungen. Früher, im Mittelalter, gab es nur die Buchschrift. Doch auch ein Schmied musste mal einen Lieferschein ausstellen. So entwickelte sich die Schreibschrift aus dem Bedürfnis heraus, einfach schneller schreiben zu können“, erklärt Frank Niemann. Doch sein Motto ist nach wie vor: Schöne Schrift wird langsam erzeugt.

Schon in der Schule hat er verschiedene Schreibarten ausprobiert. Er veränderte die Spitze des Füllers, um klein und breit schreiben zu können. Doch nicht nur die Schrift, sondern auch Bilder gehören in seiner Tätigkeit dazu. Besonders fasziniert ist er dabei von der ottonischen Buchmalerei. Grund dafür ist, dass diese ein wenig in Verbindung mit seiner Heimatstadt Quedlinburg steht.

Zwischen Kloster-Skriptorium und Stadtbibliothek

Auch jetzt sagt Frank Niemann noch, dass er das Schreiben üben muss. „Das ist, wie beim Spielen im Orchester. Wenn ich zwei Wochen nicht geschrieben habe, merkt man das sofort.“ Und das macht er. Denn er hat ein Ziel. Er möchte im Kloster Buch die im Skriptorium hängenden Wandtafeln gerne aktualisieren, eine Abbildung schaffen, die dem Original nahe kommt, und diese dann zum Thema Schriftgeschichte ausstellen.

Hobby der anderen Art

Hobby der anderen Art: Frank Niemann verkleidet sich gern als Mönch.

Quelle: privat

„Das ist nicht nur ein eigener Wunsch, sonder ich möchte auch, dass die Leute die Hieroglyphen sehen und etwas dabei lernen.“ Schon bald sind aber erst einmal wieder die Urkunden für die Jugendweiheteilnehmer an der Reihe. Eine langwierige Aufgabe, müssen doch die Gestaltung und die Namen auch passen.

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Von Kristin Engel

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