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Freiberger Feuerwerk fliegt überall

Freiberger Feuerwerk fliegt überall

Ob in Döbeln, Leipzig, Borna oder Grimma - überall knallt es am Sonnabend. Etliche der Raketen, Böller und bengalischen Feuer kommen aus Freiberg.

Freiberg.

 

 

 

 

Wenn es nahe der Freiberger Bahnhofsvorstadt rummst und donnert, gehen die Bewohner nicht in Deckung sondern blicken zum Himmel. Denn meistens haben die Explosionsgeräusche einen einfachen Grund, der zudem ein wenig kostenlosen Augenschmaus bedeutet: Die am Stadtrand gelegene Weco-Feuerwerksfabrik testet ihre neuen Produkte in Sachen Höhenfeuerwerk. Das ist Profi-Pyrotechnik, deren Bomben der Feuerwerker aus Rohren gen Himmel schießt, wobei eine Lunte abbrennt, die dann oben am Himmel eine Zerlege-Ladung zündet, die dem Betrachter jene farbenfrohen Muster an den Nachthimmel zaubert.

Das Gros des Umsatzes macht die Weko Feuerwerksfabrik aber mit Pyrotechnik für Privatleute. Das gesamte Jahresgeschäft erstreckt sich auf zweieinhalb Tage also genauso lange, wie der Gesetzgeber den Verkauf erlaubt. "Jährlich verlassen 25 Millionen Raketen unsere Werke in Freiberg, Kiel und Eitdorf bei Köln", sagt Frank Pillau, Prokurist des Weco-Standortes Freiberg. Rund 100 Millionen Euro Umsatz macht die Weco-Gruppe, davon entfallen etwa 25 Millionen Euro auf den Standort Freiberg. Den Spruch vom Bombengeschäft will Frank Pillau lieber nicht hören. Zu negativ besetzt ist das Wort Bombe. "Wir bringen Lebensfreude an den Himmel", sagt er und relativiert die jährlichen Angaben, wieviel Millionen die Deutschen pro Jahr für die Knallerei ausgeben. "Wenn man das durch die Einwohnerzahl teilt, kommt eine Zahl raus, die um die zwei Euro liegt."

Weco ist die einzige Firma, die noch in Deutschland herstellt. Im mittelsächsischen Freiberg läuft die Produktion in kleinen Werkhallen, die auf 50 Hektar Firmengelände vereinzelt stehen. Das ist aus Sicherheitsgründen so. "Die Maschinen für die Feuerwerkskörperproduktion stehen in relativ kleinen Räumen. Diese haben eine sogenannte Ausblasewand", sagt Frank Pillau. Die Ausblasewand ist gewissermaßen die Sollbruchstelle einer solchen Fertigungsstätte. Sollte mal ein Unfall passieren und etwas detonieren, sprengt die Explosionsenergie nur diese Wand und nicht das gesamte Gebäude. Außerdem regeln die Sicherheitsvorschrifen, wieviele Personen sich dort aufhalten dürfen und welche Menge schwarzpulverhaltiger Zutaten dort maximal vorrätig sein darf. Frank Pillau zeigt die anhand der Raketenfertigung. In einem kleinen Raum presst die Maschine das Pulver in den Raketenmotor und setzt die Bömbchen und damit das Bauteil ein, welches die bunten Effekte an den Himmel zaubert. In einem weiteren Zimmer bringt eine andere Maschine die Stäbe an die Raketen. Getrennt sind diese beiden Räume von einer starken Mauer. Deutlich sichtbar: Die Leichtbauwand mit der Eingangstür fungiert als Sollbruchstelle.

Zurzeit ruht aber die Produktion und die Mitarbeiter unterziehen die Fertigungstechnik einer gründlichen Reinigung. Andere stellen die Lieferungen zusammen, die dann deutschlandweit bei großen und kleinen Einzelhändlern in den Regalen liegen. Die Claims sind dabei firmenintern abgesteckt: Freiberg beliefert in ganz Deutschland bestimmte Baumärkte und große Diskount-Märkte im Osten. Hier heißen die Weco-Produkte dann so, wie der Diskounter seine Handelsmarke nennt. "Wir bringen konzernweit 5000 Lastzüge auf die Straße", sagt Frank Pillau. Wenn bei den Lieferungen irgendwo die Säge klemmt, weiß die Firmenzentrale in Eitdorf das und geschwind wird per Mausklick eine Ladung umdisponiert.

Im Briefkopf der Freiberger Weco-Fabrik steht "Pulvermühlenweg" als Adresse aber Schwarzpulver stellt hier keiner mehr her. Das war zu den Hoch-Zeiten des Bergbaus der Fall, weil die Bergleute mit diesem Sprengmittel die Stolln vorantrieben. Bis schließlich das Dynamit seinen Siegeszug antrat. Weco bezieht das Pulver für seine Produkte aus Slowenien. Wobei Pulver nicht gleich Pulver ist, sondern es für jede Anwendung eine spezielle Sorte gibt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dirk Wurzel

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