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Freier Blick wird zum Hinterhof

Freier Blick wird zum Hinterhof

Trügerische Ruhe: Zwar prüft die Landesdirektion Chemnitz zwar gerade die Einwände zur neuen Muldebrücke zwischen Schillerstraße und Sörmitzer Straße. Doch in den Reihen der Anlieger brodelt es gewaltig.

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Mitten auf der künftigen elf Meter breiten Trasse der neuen Brücke steht Peter Hege. Links die alte Eiche wird um den ausladenden Ast gekappt. Rechts sein Haus mit der seitlichen Terrasse. Hier soll die Brücke in Augenhöhe unmittelbar vorbeigehen.

Quelle: W. Sens

Irrwitzig mutet an: Die meisten Wohnhäuser an der Schillerstraße bekommen keinen Lärmschutz.

 

Bei der Auslegung der Pläne im Döbelner Rathaus konnten alle von dem Projekt betroffenen Bürger Einsicht nehmen und sich anschließend bis 20. Februar dazu schriftlich äußern. "25 bis 30 Bürger haben sich die Pläne angesehen. Nach meinen Informationen haben wohl zehn Bürger danach ihre Stellungnahmen schriftlich abgegeben", sagt dazu Döbelns Baudezernent Thomas Hanns. Die Stellungnahmen und Hinweise der Beteiligten werten jetzt die Fachleute eines Ingenieurbüros für die Landesdirektion Chemnitz aus, die das Verfahren führt. Die Bürger bekommen Antwort auf ihre Stellungnahmen. In der Regel gibt es dann einen Erörterungstermin mit ihnen. Dort entscheidet sich, ob auf der Grundlage der aktuellen Planungen weiter gearbeitet werden kann oder ob die Einwände so gravierend sind, dass die Pläne verändert werden müssen.

 

"Unser Ziel war es, 2013 mit dem Planfeststellungsverfahren deutlich voranzukommen. Wenn wir 2014 Baurecht für die Brücke hätten, könnten die Anträge auf Förderung gestellt werden und wenn das Geld fließt, könnte der Bau starten", umreißt der Baudezernent den Zeitplan.

 

Wenn es nach Peter Hege ginge, gäbe es keine Brücke. "Das ist sicher auch für Außenstehende nachvollziehbar, denn wir sind als Anlieger unmittelbar betroffen. Wir werden von der neuen Brücke in unserem Grundstück eingemauert", sagt er. In etwa 14Metern Entfernung führt die neue Trasse am Haus der Familie an der Uferstraße 18 vorbei. Etwa 1,30 Meter über der Terrasse der vierköpfigen Familie rollen dann die Autos auf der Brückenrampe vorbei. Ob Heges die geschätzten 7000 Fahrzeuge am Tag sehen werden, ist noch offen. Denn zur Straßenhöhe kommt noch eine 2,50 Meter hohe möglicherweise transparente Lärmschutzwand obendrauf. "Aus unserem freien Blick wird ein Hinterhof", befürchtet Peter Hege.

 

Zwei Mal hat er sich im Rathaus hingesetzt und die Aktenordner mit den Plänen durchgearbeitet. Danach brachte er seine Stellungnahme zu Papier. "Wir werden sehen, was in der Abwägung aus unseren Einsprüchen wird und danach entscheiden, ob wir klagen. Dabei werden wir sicher nicht die Einzigen sein", befürchtet er. Unabhängig von der persönlichen Betroffenheit hält Peter Hege die Straße ohnehin für unnötig. "Das wird eine Trasse ins Nichts. Statt einer Verkehrslösung wird es nur eine halbe Sache", findet er. Die Sörmitzer Straße sei gar nicht für die Verkehrsbelastung ausgelegt und am Dresdner Platz wird alles wieder zusammengeführt. "Ein großer Wurf zur Verkehrsentlastung ist das nicht. Man entlastet die bisherigen Verkehrsadern nur wenig, belastet andere beruhigte Bereiche und muss auf der Sörmitzer Seite schon über Verbote und Schikanen nachdenken, um den Schleichverkehr einzudämmen. Das ist wenig überzeugend und macht in unserem Viertel mehr kaputt, als es der Allgemeinheit nützt" findet Hege.

 

Das sieht auch Sabine Plaschnick so. Sie und ihr Mann besitzen die Häuser an der Schillerstraße 28 und 29 mit 19 Wohnungen und über 30 Bewohnern. "Als Vermieter haben wir Angst, dass mit dem Straßen- und Brückenprojekt in dem funktionierenden Wohngebiet Leerstand produziert wird, der auf unsere Kosten geht. Viele ältere Menschen ohne eigenes Auto haben das zentrumsnahe Wohngebiet für sich entdeckt. Und jetzt bekommen sie eine Straße mit 7000 Fahrzeugen am Tag vor die Tür", so die Vermieterin. Neben diesen Problemen stimmt ihrer Meinung nach das Verhältnis zwischen den Kosten des Projektes und der damit zu erreichenden Verkehrsentlastung überhaupt nicht.

 

Und noch etwas sorgt bei den Vermietern in dem Teil der Schillerstraße für Unmut: Wenn aus der verkehrsberuhigten Einbahnstraße durch den Brückenbau eine zweispurige Durchgangsstraße wird, spielen diese Häuser im Planfeststellungsverfahren, etwa bei Lärmschutzmaßnahmen keine Rolle und können auch nicht mit Geld für Lärmschutzfenster rechnen. "Das ist irrwitzig und völlig daneben", sagt Hausbesitzer Frank Plaschnik.

 

Das Bundesbaugesetzbuch berücksichtigt im Verfahren nur, wo wirklich gebaut wird. In dem Fall beginnt der Betrachtungsbereich erst nach der Einmündung der Gabelsberger Straße. Das bestätigt Baudezernent Thomas Hanns: "Es wird in dem Bereich der Schillerstraße nicht gebaut, sondern es werden reine verkehrsorganisatorische Maßnahmen ergriffen. Bis zur Fertigstellung des Busbahnhofes Anfang der 90-er Jahre befand sich der zentrale Busbahnhof in dem Wohngebiet mit Ein- und Ausstiegen, Standkasse und viel Verkehr. Dann wurde das Gebiet verkehrsberuhigt und nun fahren möglicherweise wieder etwas mehr Autos auf der Schillerstraße."

 

Insgesamt hält er die Pläne für eine gute Lösung für Döbeln. Jede Phase der Planung sei für die Bürger transparent gewesen. "Ich stehe dahinter. Denn die neue Brücke ergänzt das innerstädtische Verkehrskonzept und sie ist auch als Havariestrecke für unsere jetzige einzige Trasse über Oberbrücke und Kleine Kirchgasse von außerordentlicher Bedeutung", so Thomas Hanns.

 

Thomas Sparrer

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