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Freifunk Mittelsachsen bringt kostenloses WLAN in die Region

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Ein Waldheimer Verein will in den Gemeinden der Region freies WLAN für alle anbieten. Dafür setzen die Freifunker auf einfach einzurichtende Geräte und die Mithilfe interessierter Bürger. In der Zschopaustadt funktioniert das bereits gut. Jetzt soll auch der Ausbau in Hartha vorangetrieben werden.

David Nölte (links) und Dominic Ernst (rechts) stehen ander Spitze von Freifunk Mittelsachsen und träumen von einem flächendeckenden WLAN für alle.
 

Quelle: André Pitz

Waldheim/Hartha.  Flächendeckendes, kostenloses und freies WLAN für jedermann – auf dem Papier klingt das nach völlig abseitiger Utopie. In der Döbelner Region arbeitet jedoch ein frisch gegründeter Verein daran, genau diesen Zustand langsam Realität werden zu lassen. Freifunk Mittelsachsen nennt sich die Truppe um den Vereinsvorsitzenden David Nölte und seinen Stellvertreter Dominic Ernst aus Waldheim. „Einmal IT immer IT“, scherzt der 32-jährige Nölte, der als Fachinformatiker für eine Spedition tätig ist. Auch bei Ernst legt der Beruf eine gewisse Begeisterung für das Internet nahe. der 24-Jährige arbeitet als Netzwerktechniker.

„Der Grundgedanke ist es, ein unabhängiges, stadtweites und mittlerweile auch städteübergreifendes WLAN-Netz aufzubauen – auch, um Internet an Plätzen zur Verfügung zu stellen, wo es anderweitig gar nicht möglich ist“, erklärt Nölte. „Wir möchten damit zum Beispiel auch sozial benachteiligten Menschen einfachen und kostenfreien Zugang zum Internet ermöglichen.“

In Waldheim bereits große Teile des Obermarktes versorgt

Dass das funktioniert, stellen die Freifunker schon seit einiger Zeit in Waldheim unter Beweis. Mittlerweile versorgen über 80 sogenannte Knoten unter anderem große Teile des Obermarkts und an der Hauptstraße entlang mit dem Freifunk-Netz. Einklinken kann sich jeder mit einem WLAN-fähigen Gerät – sei es das Smartphone, der Laptop oder sogar die Spielekonsole. Wie das technisch funktioniert? Freifunk Mittelsachsen bietet eine kostenlose Software an, die sich jedermann problemlos auf seinem privaten Router installieren kann. Dadurch verbindet sich das Gerät mit den anderen auf Freifunk-Software laufenden Apparaten in Reichweite und beginnt, als Teil des öffentlichen Netzes zu senden.

Wer möchte, kann einen Teil seiner eigenen Internetleitung zur Verfügung stellen, was der Gesamtkapazität des Netzes zugute kommt. Damit steht und fällt das Projekt mit dem Engagement von interessierten Mithelfern. „Wir können das Internet ja nicht neuerfinden und müssen irgendwo auch einen Anschluss bekommen“, sagt Dominic Ernst. Mit diesem Angebot rennen die Freifunker offenbar offene Türen ein, hinter denen zum Beispiel Gastronomen sitzen. Dazu gehört auch Ralf Fischer vom Flemmingener Hof in Hartha: „Wir wollen unseren Gästen gerne vernünftiges WLAN anbieten.“ Jetzt verteilen in seinem Hotel sechs über die verschiedenen Etagen verstreuten Knoten das Freifunk-Netz.

„Zudem stehen wir damit rechtlich auch noch auf der sicheren Seite“, erklärt der Hotelmanager. Die Daten werden nämlich verschlüsselt, wandern dann weiter auf die im Hintergrund werkelnden Server von Freifunk Mittelsachsen und werden erst dort ins tatsächliche Internet entlassen. Aufgezeichnet wird davon nichts. Damit greift die in Deutschland nach wie vor bestehende Störerhaftung für den jeweiligen Knotenbetreiber nicht. „In anderen Ländern ist das längst gang und gäbe. Nur in Deutschland gestaltet sich das leider immer noch schwierig“, meint Fischer mit Blick auf die Störerhaftung.

Neue Knoten sind in Hartha im Anmarsch

Freifunk funktioniert für ihn. „Das ist eine schöne Geschichte, weil sie für unsere Gäste unentgeltlich ist. Im Frühjahr wollen wir auch draußen ein Gerät für unseren Garten aufstellen. Für mich ist es selbstverständlich, dass unsere Gäste freien Zugang zum Internet haben.“ Das hat mittlerweile in der Froschstadt die Runde gemacht. „Neue Knoten in Hartha sind im Anmarsch. Unter anderem haben wir die Zusage von der Gaststätte Gambrinus bekommen“ verkündet David Nölte. „Unser Ziel ist es außerdem, bis zum nächsten Stockcar-Rennen die Strecke ans Freifunk-Netz anzubinden.“

Wer selbst am Projekt mitwirken möchte, kann direkt losgelegt. Investiert werden muss im schlimmsten Fall lediglich in einen kompatibelen Router. Der Rest kostet den Nutzer nichts. Wem das technische Verständnis fehlt, kann sich Hilfe beim Verein holen. „Die Hilfestellung bieten wir auch Mitgliedsunabhängig an. Man muss nicht Mitglied bei uns sein, um mitmachen zu können“, hält der Vorsitzende David Nölte fest. Trotzdem bauen die Freifunker auch weiterhin in Eigenregie aus. Demnächst soll es eine direkte Funkverbindung zwischen den Freifunk-Netzen in Hartha und Waldheim geben, die beide zu einem WLAN verschmelzen lassen. Szenario: In Hartha fällt die gesamte Internetanbindung aus. Trotzdem kann über die Freifunk-Verbindung weiter gesurft werden, da die aus Waldheim mit einer funktionierenden Internetleitung versorgt wird. Das gehört auch dazu, wenn David Nölte und Dominic ernst von einem „offenen, freien und unabhängigen Netz“ sprechen.

Weitere Informationen zum Projekt und Anleitungen stehen auf der Vereinsseite www.freifunk-mittelsachsen.de

Von André Pitz

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