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Döbeln Friedensrichter aus Leidenschaft: Klaus Ahlrichs schlichtet in Hartha
Region Döbeln Friedensrichter aus Leidenschaft: Klaus Ahlrichs schlichtet in Hartha
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00:18 05.03.2017
Klaus Ahlrichs schlichtet seit mehr als zehn Jahren Nachbarschaftsstreits in der Harthaer Region. Die Tendenz der zu schlichtenden Fälle ist steigend. Quelle: Foto: Sven Bartsch
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Hartha

Ein Friedensrichter in Hartha, der dürfte doch nicht all zu viel zu tun haben. Dass dem nicht so ist, beweist Klaus Ahlrichs seit seinem Amtsantritt im Jahr 2006. „Bisher gab es eigentlich keine Sprechstunde, zu der mal keiner gekommen ist“, erklärt der 73-Jährige. Einmal im Monat, immer am ersten Dienstag, ist Klaus Ahlrichs im Rathaus zugegen. Der kleine Sitzungssaal in der ersten Etage ist dann für ihn reserviert. Nur selten ist er tatsächlich nur eine Stunde, von 17 bis 18 Uhr, vor Ort. Oftmals bestellt er sich Bürger, die er betreut, schon eher hin. Im vergangenen Jahr hatte Klaus Ahlrichs fünf Fälle. „Das ist schon viel. Durchschnittlich sind es meistens zwischen zwei und drei“, erklärt er. In den ersten zwei Monaten des neuen Jahres bearbeitete der Harthaer Friedensrichter bereits sieben Fälle.

Bürgerrechtliche Fälle sind Hauptaufgabe

Überwiegend behandelt Klaus Ahlrichs bürgerrechtliche Fälle. Bestes Beispiel dafür sind immer noch die Nachbarschaftsstreitereien. Der Klassiker, den ein Friedensrichter auf dem Tisch hat. Dabei handelt es sich keineswegs um ein Klischee. „Meistens geht es um Bäume und Sträucher“, weiß Ahlrichs. Zuletzt behandelte er einen Fall, in dem sich ein Nachbar über vermeintliche Tauben-Exkremente an seiner Hauswand ärgerte. Oft kann Klaus Ahlrichs schlichten. Das ist dann der Fall, wenn zwei Parteien einen Vergleich eingehen. „Damit ein ordentlicher Umgang möglich ist, treffe ich mich im Vorfeld meistens mit beiden Seiten, um die Härte aus der Situation zu nehmen“, erklärt der 73-Jährige seine Herangehensweise.

Klaus Ahlrichs stammt ursprünglich aus Wuppertal, arbeitete dort in der Sozialrechtsstelle. Erfahrung im Umgang mit rechtlichen Sachverhalten brachte er damals also mit. Der Umzug in die Harthaer Region, genauer nach Seifersdorf, hatte private Gründe. Als er von der freien Stelle als Friedensrichter bei der Stadt hörte, bewarb er sich. Das war 2006. Seitdem hat er die Stelle inne. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist sehr gut. Schon unter Bürgermeister Gerald Herbst und jetzt auch mit Ronald Kunze. Auch mit den Kollegen vom Ordnungsamt gibt es einen regelmäßigen Austausch.“ Aller fünf Jahre wird die Friedensrichterstelle neuvergeben. Bisher gab es keine anderen Bewerber. Einen Nachfolger zu finden, erweist sich als schwierig. Noch ist Klaus Ahlrichs aber im Amt, und nach wie vor geht er mit Leidenschaft ans Werk. Ab und an muss er auch strafrechtliche Fälle verhandeln. Das ist aber selten der Fall.

Vergleiche sind vollstreckbar

Doch wie läuft ein solches Prozedere überhaupt ab? „Ein Bürger kommt mit seinem Anliegen zu mir. Meistens kann ich bereits im ersten Gespräch helfen, muntere beispielsweise die Leute dazu auf, noch einmal mit dem Streitpartner zu kommunizieren. Führt das nicht zur Schlichtung, kann der Bürger einen Antrag stellen“, erklärt Klaus Ahlrichs. Dann wird auch der Gegner zum Friedensrichter bestellt. „Das Erscheinen ist Pflicht, solange der Gegner auch aus Hartha kommt“, so Ahlrichs. Vorgespräche und schließlich das Treffen aller Beteiligten führt dann im besten Fall zu einer Schlichtung. „Solche Vergleiche sind schließlich auch vollstreckbar.“ Wenn Klaus Ahlrichs nicht helfen kann, es also zu keinem Vergleich kommt, muss der Friedensrichter den Fall abschließen – ohne Ergebnis. Dann bleibt den Bürgern im Zweifel nur noch der Weg zum Anwalt. „Deswegen nehmen viele Bürger die Möglichkeit, zu einem Friedensrichter zu gehen, wahr. Es ist um einiges günstiger als zu einem Anwalt oder vors Gericht zu gehen.“

Von Stephanie Helm

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