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Führung auf Burg Mildenstein: Woher das Blau der Europaflagge kommt

Leisnig Führung auf Burg Mildenstein: Woher das Blau der Europaflagge kommt

Das Himmelblau vom Mantel der Maria und ihre Krone mit den zwölf Sternen hat mehr mit der Europaflagge zu tun, als man denkt. Bei seinen Besserwisserführungen hatte der Museumspädagoge Michael Kreskowsky auf der Burg Mildenstein die Zuhörer und manchmal auch die Lacher auf seiner Seite.

Mit dem freiberuflichen Museumspädagogen Michael Kreskowsky (links) macht eine Führung auf der Burg Mildenstein eine Menge Spaß.

Quelle: Steffi Robak

Leisnig. „Wussten Sie, dass das Heilige Römische Reich von Leisnig aus regiert wurde?“ Kaum zu glauben. Wer so etwas erfahren will, muss nur einmal eine der Besserwisser-Führungen mit dem Museumspädagogen Michael Kreskowsky auf der Burg Mildenstein erleben. Zuletzt nahmen rund 60 Gäste dieses Angebot wahr.

Kaiser Heinrich III. schenkte im Jahr 1046 die Burgwardei Leisnig, eine Art Verwaltungsbezirk, zusammen mit weiteren Ländereien seiner Ehefrau Agnes von Poitou. Die beiden sind die Eltern von Heinrich IV., aus den Geschichtsbüchern bekannt geworden durch seinen Bußgang nach Canossa.

Kaiserburg im Machtgeflecht der Jahrhunderte

Hundert Jahre später wurde die Burg an den Herzog Friedrich III. von Schwaben verkauft, der als Kaiser Barbarossa in die Geschichte einging. Das alles und weitere Fakten, die die Burg Mildenstein in das politische Machtgeflecht vieler Jahrhunderte stellen, weiß Kreskowsky mit dem ihm eigenen Witz und kurzweilig zu erzählen. Deshalb gibt es für das sehr gemischte Publikum auch hin und wieder etwas zu lachen. Mit den zwei Schlaubergern aus der Gruppe wirft sich der Museumspädagoge auch bald die Bälle zu. Die anderen warten irgendwann schon richtig drauf.

Die Sachsen sind Franken und kommen aus Hessen

Als Kreskowsky fragt, ob denn alle in der Runde aus Sachsen kommen, melden sich zwei ältere Nürnberger Herren. Nein, sie seien Franken, worauf es Kreskowsky entfährt: „Auch das noch“, und die Antwort prompt lautet: „Der gleiche Spruch wie bei uns für die Sachsen.“ Auch dafür hat Kreskowsky ein historisches Detail im Ärmel: Dass nämlich das heutige Sachsen von den Franken besiedelt wurde, die aus dem heutigen Hessen ostwärts zogen, um dort sesshaft zu werden – in der Zeit der Besiedlungszüge in der Zeit um 1150. Zu Sachsen wurden die Ländereien jedoch erst 1423, mit dem Übergang des Titels an die meißnischen Landgrafen aus dem Hause der Wettiner. In heutigen mittelsächsischen Ortsnamen findet sich die Verbindung in die Vergangenheit wieder: Dort gibt es Frankfurt, hier Frankenberg, dort gibt es Marburg, hier Marbach...

Das Blau aus dem Marienmantel und zwölf Sterne aus der Krone

Zunächst führte Kreskowsky die etwa 15 Leute starke Gruppe aus der Kapelle in den daneben gelegenen ältesten Ausstellungsraum der Burg, dann in die Schwarzküche und den Keller. Auf diesem Streifzug ist zum Beispiel zu erfahren, dass sich das Blau der Europafahne im Himmelblau vom Mantel auf mittelalterlichen Darstellungen der Mutter Gottes wieder findet. Die zwölf Sterne tauchen ebenfalls bereits dort auf, in Marias mit zwölf Sternen versehener Krone.

Unglaublich: 14 Mann statt 13 am Abendmahlstisch

Anhand einer Statue macht Kreskowsky das deutlich und kommt von der Zwölf als Zahl der Vollkommenheit zur Unglückszahl 13, die Dornröschen fast das Leben gekostet hätte. Und dass schon deshalb nach dem letzten Abendmahl mit 13 Leuten am Tisch nichts Gutes habe kommen können. Aber halt – da sitzen bei einer Abendmahlsdarstellung auf einem Altarbild aus dem 16. Jahrhundert tatsächlich 14 statt 13 Menschen am Tisch... Auch dazu fällt dem Museumspädagogen etwas ein. Nach insgesamt drei Führungen für Besserwisser können die Teilnehmer auf jeden Fall behaupten, einiges mehr und auch besser zu wissen, als wenn sie die Burg ohne Michael Kreskowsky erkundet hätten.

Von Steffi Robak

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