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Fünf Jahre Freie Evangelische Werkschule Naundorf

Fünf Jahre Freie Evangelische Werkschule Naundorf

Alternatives Konzept, wechselnde Schulleiter und bescheidene räumliche Bedingungen - die Anfangsjahre der Freien Evangelischen Werkschule waren nicht einfach.

Naundorf.

 

Kürzlich feierte die Bildungseinrichtung ihr fünfjähriges Bestehen. OAZ sprach mit der Fördervereinsvorsitzenden und der Schulleiterin.

Frage: Die Schülerzahl wächst im kommenden Schuljahr auf rund 80 an, der erste Jahrgang absolviert Prüfungen nach dem sächsischen Lehrplan, die Gemeinde stellte zusätzliche Räume zur Verfügung. Wie sind sie mit diesen Bedingungen zufrieden?

Vereinsvorsitzende Uta Riese: Die Bedingungen sind vielschichtig. In einer wachsenden Schule, die 2007 mit neun Schülern begann, kommen jährlich Schüler, Eltern und Personal dazu, wie in einer wachsenden Familie. Jedes Mitglied muss aufgenommen und angenommen werden. Dabei ändert sich stets das Gemeinschaftsgefüge. Alle müssen sich neu orientieren. Dazu kommen Räume, die jedes Schuljahr begutachtet, gestaltet oder umfunktioniert wurden, bewegte Schule sozusagen. Erst vor kurzem haben Schüler einen Unterrichtsraum gestaltet. Zur gleichen Zeit zimmerte und lackierte eine andere Gruppe in der Holzwerkstatt Podeste, so dass wir nun einen Saal haben, in dem rund 80 Menschen Platz finden. Das Besondere: Es wurden keine Möbel gekauft, sondern alles ist Handarbeit der Schüler.

Bevor Ruth Möbius 2009 Schulleiterin wurde, wechselte die Leitung jährlich. Ist die Schule den Kinderschuhen entwachsen und kann kontinuierlich arbeiten?

Uta Riese: Als sich vor sieben Jahren der Werkschulverein gründete, entwickelte er ein Konzept für eine alternative reformpädagogische Schule. Konzepte und Praxiserfahrungen anderer freier Schulen wie der Apfelbaumschule Schweta und der Werkschule Meißen waren dabei hilfreich. Und dennoch, ein Konzept ist immer Theorie und Vision. Erst die Praxis zeigt, was umsetzbar ist. So haben wir auf unserem Weg wichtige Erfahrungen von Gelingen und Scheitern gemacht. Wir sollten diese Erfahrungen als kostbaren Teil unseres Weges verstehen und daraus neue Impulse und Sichtweisen für die nächsten Jahre gewinnen. Wir sind auf einem Weg der Wandlung.

Was heißt Wandlung?

Uta Riese: Eine der stärksten Wandlungen beruht auf der Erkenntnis, dass die Freiheit im selbstständigen Lernen nur bei wenigen Schülern ankam. Wir hatten vergessen, sie dort abzuholen, wo sie waren. So wurden in den letzten Monaten die Lernstrukturen kleinschrittiger gestaltet, die Hauptfächer Mathematik, Deutsch, Englisch bekamen festgelegte Zeiten am Vormittag, Seminare wurden eingeführt und altersübergreifende Angebote auf den Nachmittag reduziert.

Warum braucht es eine "andere Schule", und was zeichnet diese aus?

Schulleiterin Ruth Möbius: In der Arbeitswelt geht es künftig vor allem um soziale Kompetenzen und lebenslanges Lernen. Das erfordert ein Hinterfragen des Bewertungssystems. Durch Mischung von Seminaren und eigenständigem Arbeiten gibt es keinen Stundenausfall. So können sich Selbstständigkeit, Kreativität und Innovationsfreude entwickeln, auf die es künftig stärker ankommt. Den Rahmen dafür geben christliche Werte.

Am Ende des kommenden Schuljahres finden erstmals Prüfungen statt. Welche Möglichkeiten bieten sich Schülern mit erfolgreichem Abschluss?

Uta Riese: Das Zeugnis ist gleichwertig dem Zeugnis der Mittleren Reife an einer staatlichen Schule. Diese Gleichstellung erhielten wir mit der Anerkennung als Ersatzschule im Jahr 2010. Die Jungen und Mädchen können sich um einen Ausbildungsplatz oder an einer weiterführenden Schule, Gymnasium oder Fachschule, bewerben. Etwa ein Drittel des ersten Absolventenjahrgangs wird voraussichtlich den zuletzt genannten Weg gehen.

Welchen Stellenwert nimmt die Berufsorientierung in der Werkschule ein?

Uta Riese: Wie unser Name schon sagt, ist das eine wesentliche Ausrichtung unserer Schule: Die Verbindung zwischen Theorie und Praxis, dem Erwerben von Wissen und dessen Umsetzung. Ihr erstes Praktikum haben die Schüler in der 7. Klasse. Ein besonderer Akzent der jährlichen Praktika liegt im Kennenlernen und Ausprobieren verschiedener Bereiche, handwerklich, sozial, wirtschaftlich. Viele Unternehmer der Region konnten wir als Anlaufstelle für die Betriebspraktika gewinnen, manche außerdem als Sponsoren.

Wer gehört noch zu den Partnern?

Uta Riese: Wichtigste Partner sind die Jugendlichen. Sie sind wie ein Barometer, für Sonne und Regen, Hochdruck oder Tiefdruck. Es geht nicht darum, es allen Recht zu machen, dafür sind wir zu unterschiedlich. Aber es geht darum, jeden Einzelnen in den Blick zu bekommen, zu stärken und zu motivieren, aber auch um der Gemeinschaft Willen klare Grenzen zu setzen. Die soziale Kompetenz ist ein wichtiges Merkmal unserer Schule und führt viele Familien zu uns. Da bin ich gleich bei den Eltern, ohne deren Unterstützung und Zusammenarbeit alles nicht machbar wäre. Ich bin dankbar für alle Eltern, die sich engagieren, die mit uns hoffen und wünschen, die sich einmischen und bereit sind, Wandlungen zu tragen. Nicht minder wichtig sind der Schulträger, die Evangelische Schulstiftung, die Kirchgemeinden in der gesamten Region, der Gemeinderat, der Heimatverein und die Öffentlichkeit hier in Naundorf.

Weshalb ist der Werkschulverein nicht zugleich Schulträger, wie es etwa bei der Apfelbaumschule der Fall ist?

Uta Riese: Das hat vor allem finanzielle Gründe. Wir haben es versucht, sind jedoch mit unserem Finanzkonzept bei der Bildungsagentur nicht durchgekommen. Das notwendige Personal, um alle Fächer einer Mittelschule abzudecken und die perspektivische Schülerzahl für sechs Klassen waren dafür einfach eine Nummer zu groß für unseren kleinen Verein. Inzwischen sehe ich viele Vorteile darin, dass unser Schulprojekt auf drei Säulen steht, dem Verein, der Schulleitung und dem Träger, der Evangelischen gemeinnützigen Gesellschaft für Bildungs- und Sozialprojekte in Grimma.

Das monatliche Schulgeld ist ein Unterschied zu staatlichen Schulen...

Uta Riese: ...und ist dennoch nicht der Hauptgrund, weshalb Eltern überlegen, ob sie ihrem Kind den Schulbesuch ermöglichen. Da wir nicht nur für gutbetuchte Familien da sein wollen, versuchen wir, auf verschiedenen Ebenen finanzschwächere Familien zu stützen. Ein größeres Problem sind die Entfernungen. Wir haben Schüler und Interessenten aus Leisnig, Döbeln, Grimma, Wurzen und Riesa, für die der Schulweg nur durch ein Taxi oder das private Engagement der Eltern und Großeltern zu bewältigen ist.

Was wünschen Sie der Werkschule für die kommenden fünf Jahre?

Uta Riese: Immer neuen Mut, um aus Prozessen und Krisen zu lernen, sich zu entwickeln, Umwege zuzulassen, den Blick zu weiten, nicht stehen zu bleiben, denn festgefahrene Systeme haben wir genug. Interview: Christian Kunze

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