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Döbeln Fünf Jahre Haft: Prozess um Folter in Döbelns Drogenszene geht mit Urteil zu Ende
Region Döbeln Fünf Jahre Haft: Prozess um Folter in Döbelns Drogenszene geht mit Urteil zu Ende
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Das Landgericht Chemnitz verurteilte den 26-Jährigen Angeklagten zu fünf Jahren Haft und ordnete an, ihn in einer Entziehungsanstalt unterzubringen. Quelle: dpa
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Döbeln/Chemnitz

Der Folterer von Döbeln soll für fünf Jahre ins Gefängnis. So lautet das Urteil für Daniel K. im Landgericht Chemnitz. Die 6. Große Strafkammer ordnete außerdem an, den 26-Jährigen zusätzlich in einer Entziehungsanstalt unterzubringen. Der ehemalige Sicherheitsmann hat Angehörige der Döbelner Drogenszene übel misshandelt und auch beraubt. Die Kammer sprach ihn am Mittwoch unter anderem der schweren räuberischen Erpressung, gefährlichen Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung schuldig. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung können das Urteil mit der Revision anfechten, es ist nicht rechtskräftig.

„Wir haben als Große Strafkammer oft mit Gewaltdelikten zu tun. Ich muss aber schon viele Jahre in der Zeit zurückgehen, wo ich solche Taten als Verfahrensgegenstand hatte“, sagte Richter Kay-Uwe Sander, Vorsitzender des 6. Großen Strafkammer, als er deren Urteil begründete. K. hat Crystal-Junkies in die Hand gebohrt, sie mit der stumpfen Seite einer Axt geschlagen, mit Elektroschockern traktiert, mit Lötkolben verbrannt und mit dem Fahrradschloss gewürgt. In einem Fall hat laut Gericht lediglich die Androhung der Gewalt ausgereicht, damit der Geschädigte sein Portemonnaie mit 20 Euro herausgab. In einem anderen Fall brachte K. einen anderen Geschädigten mit Gewalt dazu, ihm für 20 Euro Crystal zu besorgen.

Auf Crystal böse drauf

„Wir reden hier nicht über Großstädte wie Berlin, sondern über Döbeln, wo durch Betäubungsmittelkonsum eine Struktur entstanden ist, die parallel zur Lebenswelt der normalen Menschen existiert“, stellte Richter Kay-Uwe Sander fest.

Es ist kein Unmensch oder Monster, den die Kammer am Mittwoch verurteilte. Kein Sadist, keiner, der psychisch jenseits von Gut und Böse ist. Maßgeblich verantwortlich für die barbarischen Taten – der Vorsitzende nannte sie erneut „Folter“ – war der Crystalkonsum des Angeklagten. Das hatte der forensische Psychiater Dr. Thomas Kasten als Sachverständiger in seinem Gutachten herausgearbeitet. Das Gericht folgte dem und ordnete darum die Unterbringung in der Entziehungsanstalt an. „Das ist notwendig, wenn jemand den Hang hat, Drogen beziehungsweise Alkohol im Übermaß zu konsumieren und dadurch sozial gefährdet und sozial gefährlich ist. Sie begehen unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol schwere Straftaten“, sagte der Kammervorsitzende. Als positiv wertete das Gericht Daniel K.´s Geständnis. Ebenso, dass er einen Täter-Opfer-Ausgleich betrieben und die Geschädigten um Verzeihung gebeten hat. Zu seinen Lasten würdigte die Kammer das Ausmaß und den hohen Grad an Brutalität. „Sie müssen sich das mal vorstellen: Sie kommen nicht weg und jemand fängt an, sie mit diesen fürchterlichen Gegenständen, wie heißen Lötkolben, zu traktieren“, führte Richter Sander Daniel K. vor Augen.

Erst Knast, dann Therapie

Eine angeblich schwere Kindheit gilt als stereotypes Erklärungsmuster und Entschuldigung für alle möglichen Straftaten. Daniel K. hatte aber in der Tat eine Kindheit, die sehr belastend für ihn gewesen sein muss. Er musste Exzesse und Gewalt miterleben, bedingt durch die Alkoholkrankheit des Vaters. Er lebte in Angst und Furcht. Die Familie, wie etwa seine Geschwister, halten nun trotz seiner schlimmen Taten zu ihm, geben Halt und Hilfe. Das komme nicht allzu häufig vor, sagte Richter Sander. Fünf Jahre Haft sind bei Daniel K. relativ. Zunächst soll er nach Willen des Gerichtes sechs Monate Haft absitzen und dann für mindestens zwei Jahre in die Drogentherapie wechseln. Wenn er das durchsteht, könnte er nach erfolgreicher Behandlung wieder ein freier Mann sein. Die Zeit im Entzug wird normalerweise auf die Haftstrafe angerechnet. Mit sieben Monaten Untersuchung- und sechs Monaten Strafhaft wäre dann schon über ein Jahr weg. Plus zwei Jahre Entzug macht drei Jahre und vier Monate. Das sind zwei Drittel von fünf Jahren und die Zeitspanne ist rum, nach der man vorzeitig aus der Haft entlassen werden kann. Erst Knast, dann Therapie – der Sinn hinter der Reihenfolge ist, dass erfolgreich therapierte Straftäter nicht erst wieder ins Gefängnis mit seiner Subkultur zurückkehren, wo es auch Drogen und schlechten Einfluss gibt.

Von Dirk Wurzel

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