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Fünf Meter unter dem Muldespiegel

Fünf Meter unter dem Muldespiegel

Am neuen Schlossbergwehr in Döbeln wird jetzt geflochten. Die Bauarbeiter der Meißner Firma Swietelsky haben aber keine Handarbeitsrunde für die Mittagspause gegründet.

Döbeln.

Hier werden ganztags in Schwerstarbeit von kernigen Männern riesige Eisenkäfige gebogen. Etwa fünf Meter unterhalb des Wasserspiegels der Mulde stehen die Männer zwischen eisernen Spundwänden in der riesigen Baugrube. Die ist mit 26 Metern etwa halb so breit, wie das gesamte Wehr. Allein 2,5 Meter dick wird der Betonboden des Beckens sein. Andere Eisenkörbe zeigen die Dimension der Betonständer an, zwischen denen einmal die erste von zwei 25 Meter breiten und tonnenschweren Klappen des neuen Wehres eingehangen wird. Aktuell sind die Eisenbieger mit den Flechtarbeiten am künftigen Tosbecken beschäftigt. Das wird gleich nach der Klappe des Wehres das schäumende Wasser aufnehmen und beruhigen.

 

"Das neue Schlossbergwehr wird tatsächlich eine der größten Wehranlagen in Sachsen", sagt Axel Bobbe, Leiter des Betriebes Elbaue/Mulde/Untere Weiße Elster bei der Landestalsperrenverwaltung. Im Frühjahr oder Spätsommer wird die erste Hälfte der riesigen Wehranlage betriebsfähig sein. Dann erst kann das Ausbaggern für die zweite Hälfte beginnen. Das verlängert zwar die Bauzeit und ist teurer. Doch aus Sicherheitsgründen muss so gebaut werden, denn die Baustelle für den künftigen Hochwasserschutz soll ja während der Bauzeit keine zusätzlichen Hochwassergefahren heraufbeschwören.

 

Deshalb gab die Landestalsperrenverwaltung gestern Vormittag den Bauleuten vorsorglich das Signal, die Baustelle im Flutgraben hinter dem Busbahnhof aufzuräumen. Denn am Morgen gab es eine Unwetterwarnung für Mittelsachsen wegen Sturm und anhaltender Niederschläge. In so einem Fall öffnen die Bauleute vorsorglich die beiden noch stehenden Klappen des alten Schlossbergwehres mit einem Bagger und geben den Erdwall davor auf. Steigt der Pegel der Mulde in dem Bereich auf die erste Warnstufe an, kann das Wasser zur Entlastung in den Flutgraben abfließen. Drei Mal gab es das seit Mai. Dämme und Fahrwege müssen danach für die Baustelle wieder neu hergerichtet werden. Das kostet Zeit. "Durch die Lockerungssprengungen der letzten Wochen am Beton des alten Schlossbergwehres haben wir gut eineinhalb Wochen Zeit wieder aufgeholt. Das hat gut geklappt", freut sich Bauherr Axel Bobbe.

 

Unterhalb des Schlossberges ist die neu entstandene kleine Insel und die zugehörige Mauer fertig. Auf dem Plateau wird einmal das Bedienerhaus des neuen Wehres stehen. Zudem entsteht der Standplatz für einen Kran, wenn eine der tonnenschweren Wehrklappen mal getauscht werden muss. Die neue Mauer um die kleine Insel ist von der Wappenhenschanlage aus gut zu sehen. Sie ist porphyrfarben und hat eine Natursteinstruktur. "Um den Beton so einzufärben, ihn dennoch wasserdicht und frostsicher hinzubekommen, haben wir mit der Bauhaus-Universität Weimar lange Versuchsreihen gemacht. Mit dem rot gefärbten, strukturierten Beton werden wir auch die Mauern im Flutgraben ansehnlich machen", sagt Bobbe.

 

Schon jetzt ist die neue Dimension des Flutgrabens hinterm Busbahnhof gut zu erkennen. Er wird zehn Meter breiter und erhält statt dem bisherigen Trapezprofil ein Rechteckprofil, um im Hochwasserfall deutlich mehr Muldewasser aufnehmen zu können. Aktuell wird ein dickes Bündel Glasfaserkabel der Telekom, das in Höhe der Gabelsberger-Straße unter der Mulde verlegt war, durch einen neuen und vor allem breiteren Düker unter dem Flussbett verlegt. Der Bau der Hochwasserschutzmauern bis zur Brücke Straße des Friedens ist der nächste Abschnitt.

 

Auch in den nächsten Wochen gibt es auf der Flutbaustelle einiges zu sehen. So werden riesige Bohrschablonen angeliefert, unter das Haus mit dem griechischen Restaurant Olympia werden Löcher gebohrt und mit dem Hochdruckinjektionsverfahren Beton unter das Fundament gespritzt, um es zu stabilisieren. So etwas wird entlang des breiteren Flutgrabens noch an einigen Häusern nötig. Erst dann kann die Stützmauer abgerissen werden und näher an das Haus rücken. Über die Wintermonate hat die Landestalsperrenverwaltung hier noch eine Spezialaufgabe an die Bauunternehmen vergeben. Die wegen der Flutgrabenverbreiterung wegfallende Biergartenterrasse des Olympia-Griechen soll bis zur Freiluftsaison 2015 hinter dem Haus neu errichtet werden.

 

Noch in diesem Jahr erhofft die Landestalsperrenverwaltung den Planfeststellungsbescheid für den Abriss und Neubau der Brücke Straße des Friedens. Der stünde dann 2015 an.

Thomas Sparrer

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