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Döbeln Für DJ Biggi Baier ist ein Stück Kulturgeschichte gestorben
Region Döbeln Für DJ Biggi Baier ist ein Stück Kulturgeschichte gestorben
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10:00 06.01.2016
Im Sommer vergangenen Jahres war die Welt noch in Ordnung und Achim Mentzel in bester Stimmung. Quelle: Sven Bartsch
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Waldheim

Im Sommer vergangenen Jahres begeisterte Entertainer Achim Menzel auf dem Stadtfest die Massen. Nun dürfte die Trauer an der Zschopau groß sein. Denn der beliebte- und beleibte Unterhalter starb am Sonntag völlig überraschend, wird nie mehr nach Waldheim kommen können. „Das trifft einen schon persönlich“, sagt der Waldheimer Gert „Biggi“ Baier. Als Inhaber von Biggis Disco „Boutique 76“ kannte er Achim von mehreren gemeinsamen Veranstaltungen und schätzte ihn. Zuletzt trafen sie sich auf dem Stadtfest in Waldheim Ende Juli, Anfang August vergangenen Jahres.

„Er war ein richtiger Entertainer und hat die Leute stimmungsvoll unterhalten“, sagt Gert Baier. Zum Stadtfest, so erzählt er, sprühte Achim Mentzel noch voller Optimismus. „Er stand mit beiden im Leben“, sagt der Waldheimer DJ. Starallüren waren Achim Mentzel fremd.

Nina ging – Achim blieb

„Gott sei Dank ist sie schlank wie eine Tanne“ – diesen Ohrwurm verbinden die meisten mit dem gebürtigen Berliner Mentzel. Der Nina-Hagen-Gassenhauer „Du hast den Farbfilm vergessen“ gehört aber auch zum Werk des Schlagersängers und Unterhalters. Er spielte damals in den 1970er Jahren gemeinsam mit Michael Fritzen in „Fritzens Dampferband“, zu der die schon damals schrille Nina Hagen stieß, die zur Punk-Ikone wurde, als sie die DDR verlassen hatte. Achim Mentzel blieb und erzielte seit 1979 Erfolge als Solokünstler.

Und dieser Erfolg dauerte bis nach der Wende und Wiedervereinigung an. Und bekam einen Schub, als sich der Komiker und Fernsehkritiker Oliver Kalkofe über Achim Mentzel und seine Fernseh-Sendung „Achims Hitparade“ lustig machte. Die Zielscheibe des Spottes nahm es mit Humor und revanchierte sich. Kalkofe und Mentzel verband seitdem Freundschaft. „Du hast so viele Menschen auf so viele unterschiedliche Arten zum Lachen gebracht, egal ob bewusst oder unbewusst“, schreibt Oliver Kalkofe in seinem Nachruf auf Achim Mentzel. „Tschüss, Achim... ich vermisse dich. Danke für deine Freundschaft.“

Ähnlich dürfte es Gert „Biggi“ Baier gehen. „Als die Nachricht von seinem Tod eintraf, habe ich mir die alten Platten herausgeholt und noch einmal seine Unterschrift auf dem Cover angeschaut“, sagt er.

Dorthin, wo ihn die Leute sehen wollten

Schallplatten hat Gert Baier gar viele. 1975 fing er als DJ an, zog als „Biggis Disco“ durchs Land. Biggi – zu diesem Spitznamen kam Gert Baier durch seine Freunde im Fußballverein. Weil er immer so schön übers Feld „gebiggert“ ist. Seine Frau heißt übrigens Birgit und hat den selben Spitznamen. 1976 lernte Gert Baier Holger Näther aus Döbeln kennen. Der war schon länger in der regionalen Unterhaltungsszene unterwegs und suchte damals gerade einen neuen Partner. „Boutique 76“ lautete nun der Name des Plattendreher-Duos, das sechs Jahre zusammen die Diskotheken und Tanzveranstaltungen beschallte und unter dem Gert Baier noch heute auftritt. Der 63-Jährige hat schon viele Künstler getroffen, die bereits in der DDR erfolgreich waren. Zum Beispiel „Electra“ und die „Stern Meißen Combo“.

Der Berliner Kabarett-Liedermacher Reinald Grebe dürfte da nicht dazuzählen. Aber den verbindet wiederum etwas mit Achim Mentzel. Und zwar folgende Liedzeile: „Im Adlon in Berlin ist Brad Pitt und der Washington-Denzel; im Autohaus in Schwedt singt Achim Mentzel, Brandenburg“, singt Grebe in seiner Antihymne auf das Bundesland Brandenburg.

„Ich gehe dahin, wo mich die Leute wollen – das hat Achim Mentzel mal zu mir gesagt“, erinnert sich Gert Baier. Und wenn die Leute in einer Bahnhofshalle waren, ging die Ulknudel und Stimmungskanone eben dorthin. Gleiches gilt für ein Autohaus in Schwedt, wie es Reinald Grebe besingt. Oder auch das Döbelner Volkshaus, wo Achim Mentzel zum Beispiel im April 2004 auftrat. Noch im November vergangenen Jahres unterhielt er zusammen mit den Original Jahnatalern Blasmusikanten die Gäste des Tages der offenen Tür in der Erntebrot-Bäckerei in Döbeln-Masten.

„Mit Achim Mentzel ist ein Stück Kulturgeschichte gestorben“, sagt der Waldheimer DJ Gert Baier über den unerwarteten Tod des Entertainers. Ein Stück Kulturgeschichte, das nun auch in der Region fehlen wird.

Von Dirk Wurzel

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