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Döbeln Für Waldheim Orgel to drive von Marcus Stahl
Region Döbeln Für Waldheim Orgel to drive von Marcus Stahl
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01:14 09.06.2018
Der erste Tag der Orgel in Waldheim (von links): Bine Katrine Bryndorf, Orgelprofessorin aus Kopenhagen, Orgelbauer Marcus Stahl und der Orgelsachverständige Reimund Böhmig-Weißgerber, beide Dresden. Quelle: Steffi Robak
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Waldheim

Für 60 000 Euro kaufen sich andere Leute ein schickes Auto. In Waldheim im Landkreis Mittelsachsen gibt es für das Geld Musik aus der Kiste, und die kann gefahren beziehungsweise getragen werden. Wer will das, und warum? Im Juni 2018 laufen zur Einweihung der Truhenorgel mehrere Konzerte.

Stahl-Orgel aus Eichenholz

Trotz der Bezeichnung „Stahl-Orgel“ ist das Instrument aus Holz. Es kommt aus der Dresdener Orgelbau-Werkstatt von Marcus Stahl. Kaum ist die Truhenorgel in Waldheim angelangt, muss sie beweisen, dass sie ihr Geld Wert ist.

Welche Klänge stecken in dieser Truhe? Orgelprofessorin Bine Katrine Bryndorf aus Kopenhagen bringt Kantor René Michael Röder und den Orgelsachverständigen Reimund Böhmig-Weißgerber zum Staunen - und den Orgelbauer Marcus Stahl zum Lächeln. Er weiß schließlich, was er gebaut hat.

Jeder soll etwas vom Instrument haben

Es gibt nicht allein einen Festgottesdienst zur Orgelweihe am Sonntag in der Stadtkirche. Zuvor werden Konzerte gespielt im Ratssaal, in der ehemalige Schlosskirche St. Otto, also Gefängniskirche, sowie in der katholische Kirche. Am Sonntag Nachmittag gibt es Jazz in der Friedhofskapelle.

Beweis für gelungenes Projekt

Eine Besonderheit des Truhenorgel-Projektes besteht darin, wie viele Beteiligte daran mitwirkten. Die 60 000 Euro hat niemand frei verfügbar, die müssen erst aufgebracht werden. Das Instrument ist der klingende Beweis dafür, dass dies gelingen kann. Nun wollen und sollen viele etwas davon haben.

Test mit Professorin aus Kopenhagen

Zuvor wird auf Herz und Niere, auf Register und Blasebalg getestet. Die Erste, die dem musikalischen Kraftpaket fachmännisch in die Tasten greift, kommt aus Kopenhagen. Bis zu Orgelprofessorin Bine Katrine Bryndorf spricht sich die Neuigkeit aus der Zschopaustadt herum. Zwischen zwei ihrer Konzerte, an der Dresdener Hofkirche und in Salzburg, macht sie in der Stadtkirche Station.

Bryndorf: Die Orgel macht neugierig

Waldheims Kantor René Michael Röder, zudem Orgelbauer Stahl sowie der Orgelsachverständige Reimund Böhmig-Weißgerber sind dabei. René Michael Röder ist sichtlich fasziniert von den vielfältigen Klangmöglichkeiten, welche die Frau aus der Truhe zaubert. Bryndorfs Resümee: „Die Orgel macht neugierig, fördert und fordert den Spielenden. Es entsteht ein Dialog zwischen den Beiden. Das gelingt ihr hervorragend.“

Einzelanfertigung unter strengen Prämissen

Das Instrument aus Stahls Werkstatt ist nicht irgendeine Truhenorgel. „Sie ist genau die, die zu uns passt“, sagt Röder. Die Einzelanfertigung stand unter extrem strengen Prämissen. Optisch soll sie sich gut in die Waldheimer Jugendstil-Friedhofskapelle einpassen, wo sie vorrangig gespielt wird. Transportabel muss das Instrument sein, demnach so klein und leicht wie möglich. Ein Tremolo in so einem kleinformatigen Instrument zu verbauen, ist jedoch unter Orgelbauern so etwas wie die Quadratur des Kreises.

Wenig Register, starker Klang

Stahl sagt augenzwinkernd: „Die eigentliche Herausforderung an dem Auftrag war René Röder. Bei den vielen Leuten, die er für das Projekt mobilisiert hat, war meine Ehrfurcht groß, der Aufgabe gerecht zu werden.“ Weißgerber, bekennender Liebhaber großer Orgeln, zeigt sich von Stahls Orgel beeindruckt: „Unglaublich, was mit den wenigen Registern machbar ist – teils mehr, als mit einem großen Instrument. Die sinnvolle Konstruktion ersetzt die Größe.“

Mehr als zwei Jahre Vorbereitung

Dass es in Waldheim eine Truhenorgel geben soll, darauf einigen sich der Vorstand der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde und Kantor Röder vor etwa zwei Jahren. Um alles andere wird von Beginn an gerungen, also um eine Lösung, die alle Beteiligten zufrieden stellt. Es geht beispielsweise um den Standort – es soll von Anfang an nicht allein die Stadtkirche sein - und es geht um die Kosten von 60 000 Euro.

Für einen bestimmten Raum konzipiert

Es sind durchaus günstigere Instrumente dieser Art zu haben. Doch Röder will eine Orgel, die musikalisch bestimmte Dinge kann und zusätzlich in verschiedenen Räumen einsetzbar ist. Doch eine Orgel ist auch immer für einen bestimmten Raum konzipiert. So kommt es, dass ein sehr kundenspezifisches Instrument in Auftrag gegeben wird.

Besucher singen Heidenröslein spontan mit

Stahl sagt: „Es war sehr ambitioniert, was die kleine Orgel alles können sollte.“ Ein konkreter Moment habe ihn besonders berührt: Bei einem Kirchenbesuch vom Waldheimer Senioren-Singekreis habe er „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ gespielt, und die Zuhörer sangen spontan mit.„Die Orgel lädt zum Singen ein. Da hatte ich die Gewissheit, das Richtige getan zu haben.“

Reminiszenz an erste Orgel der Gefängnis-Kirche

Wie andere Räume außerhalb der Stadtkirche mit der Orgel mitspielen, wird diese Woche getestet. Wer mag, kann dabei sein. Röder verrät: Das Instrument ist eine Reminiszenz an die erste Orgel der Schlosskirche St. Otto, heute Gefängniskirche.

Stilistischer Rückgriff auf Johann Lange

Gebaut 1595 vom Orgelbauer Johann Lange aus Kamenz und nur etwa 150 Jahre in Gebrauch, wurde sie längst ersetzt. Heute gibt es in der für Sport, Veranstaltungen und Gottesdienste genutzten Kirche gar keine Orgel. Von Johann Lange, Begründer des Orgelbaus in Sachsen, existiert heute kein einziges Instrument mehr.

Von Tonaufnahme bis Trauerfeier

Deshalb soll die neue Waldheimer Truhenorgel an die Lange´sche Orgelbauweise anknüpfen. Somit entsteht ein Renaissance-Instrument, stilistisch eine Rückkehr in die Zeit vor rund 400 Jahren. Der Tradition, in Waldheim alte Musik zu pflegen, kommt dies entgegen. So soll die Truhenorgel für Tonaufnahmen Verwendung finden, zudem bei Konzerten und musikalischen Trauerfeiern in der Friedhofskapelle.

Viertel der Kosten aus Spenden gedeckt

Der Kreis der von Röder Aktivierten ist weit größer. Auch das macht das Instrument besonders. Die evangelische Kirchgemeinde sowie die Landeskirche, die Stadt Waldheim, die katholische Kirchgemeinde, auch das Friedhofsamt Waldheim finanzieren mit, wobei der größte Anteil vom Friedhofsamt kommt. Haupteinsatzort wird die Kapelle. Zu einem Viertel decken Spenden die Kosten.

Rückenhalt aus Freundeskreis Kirchenmusik

„Organisatorisch war das alleine nicht zu schultern“, gesteht Röder. Die Mitglieder vom Waldheimer Freundeskreis Kirchenmusik hätten ihm den Rücken gestärkt. Bei den monatlichen Treffen ist neben anderen kirchenmusikalischen Belangen immer auch das Orgelprojekt auf der Tagesordnung. Röder: „Nicht zuletzt ist der Freundeskreis ein Bindeglied zum Kirchvorstand, der personell im Freundeskreis vertreten ist.“ Dieses Jahr schloss er sich als Arbeitsgemeinschaft dem Waldheimer Heimatverein an.

Von Steffi Robak

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