Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Für den Waldheimer Rechtsanwalt Enrico Brand gibt es keinen Stillstand

Für den Waldheimer Rechtsanwalt Enrico Brand gibt es keinen Stillstand

Irgendwo zwischen einem Arbeitstier und einem Genussmenschen befindet sich das Wesen, das Enrico Brand verkörpert. Wo genau, das weiß er selbst nicht so richtig, denn vor allem die Arbeit zählt zu seinen Genüssen.

Voriger Artikel
Finanzamt Döbeln zieht nicht vor 2020 um
Nächster Artikel
Döbelner Pferdebahn erklingt bald in Amsterdam

Enrico Brand und die Ducati, mit der er private Rennen fährt, vor seinem Wohnhaus. Der Rechtsanwalt liebt das Tempo nicht nur bei seinen Freizeitvergnügen, sondern auch in der Arbeit. Mit Vollgas führt er sein Leben.

Quelle: Sven Bartsch

Waldheim. Mit seinen 40 Jahren hat er viel geschafft, um das ihn mancher beneidet. Er lebt mit seiner Familie in einem mediterran eingerichteten Haus, das ohne jeglichen Schnickschnack schlicht, zugleich aber auch elegant wirkt. In der Garage steht ein Lamborghini; an der Ostseeküste liegt sein Motorboot. Anders als in einem bekannten Fernseh-Werbespot prahlt er aber nicht: "Mein Haus, mein Auto, mein Schiff." Ganz im Gegenteil: Er spricht nicht selbst davon, sondern muss darauf angesprochen werden. Und dann sagt er, es wäre ihm lieber, so etwas würde nicht in der Zeitung stehen. "Ich will nicht protzen!"

Doch die Öffentlichkeit schaut auf den Durchstarter mit den stets gegelten Haaren. Nicht zuletzt, weil seine Frau Diana gerade eben für 730 000 Euro die schmucke Villa an der Zschopau gekauft hat, in der sich früher die Sparkasse befand. In ihr richtete sich Brand seine neue Kanzlei ein. Im Gegenzug schloss er die beiden alten Büros in Waldheim und Leisnig.

Woher der Reichtum der Brands? Gerede von illegalen Verbindungen zur Russen-Mafia macht die Runde. "Alles Blödsinn", kontert der Anwalt. "Wenn allein die Kooperation mit zwei russischen Anwaltschaften, die ich übrigens ganz offen in meinen Briefköpfen erwähne, zu merkwürdigen Gerüchten führt, möchte ich mir nicht ausmalen, was passiert, wenn ich ein Mandat in der Schweiz oder gar in Liechtenstein übernehme."

Der Wohlstand, erklärt Enrico Brand, wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. Sein Kinderzimmer war ein schmaler Schlauch in einer DDR-Plattenbauwohnung in Waldheim. Einfache Verhältnisse - "Ich war ein Einzelkind, aber kein verwöhntes."

Wenn der Waldheimer von seiner Schulzeit berichtet, dann erwähnt er nur ein Thema: "In der achten Klasse wollte die Staatssicherheit, dass ich andere Schüler beobachte. Das widerstrebte meinem Innersten." Schon die Appelle im FDJ-Hemd hasste er. "Ich durfte nicht einmal an einer Kette das Kreuz tragen, das mir meine Großmutter geschenkt hatte."

Sein Traum war eine Berufsausbildung mit Abitur zum Kraftfahrzeug-Schlosser. "Mit 14 Jahren schraubte ich schon an meinem S 50 herum, später baute ich eine ETZ zur Enduro um." Um den Beruf zu erlernen, so sagt er, hätte er aber in die SED eintreten müssen. Das kam für ihn nicht in Frage. So entschied er sich für eine andere Ausbildung mit Abi, und zwar die zum Werkzeugmacher. Nicht bei Elmo im nahen Hartha, sondern in Pirna, wo er den Werbern von Partei und Stasi zu entfliehen suchte.

Westlicher Lebensstil, wie er ihn auf Urlauben in Ungarn ansatzweise kennenlernte, faszinierte ihn. Als 1989 die Züge mit Ausreisewilligen an ihm vorbei durchs Elbtal fuhren, blieb er dennoch in der DDR. "Ich wollte die Lehre nicht mittendrin abbrechen." Studieren, das war sein Ziel. Doch schon reifte der Gedanke, dass er sich nicht in Richtung Ingenieur weiterentwickeln könnte. "Ich überlegte, ob Rechtsanwalt etwas für mich wäre."

Der Beruf des Richters kam für ihn nie in Frage, denn "ich wollte nicht vorn sitzen und entscheiden". Als Staatsanwalt andere anzuklagen, wäre auch nicht seins gewesen. "Das kam mir vor wie das Petzen, das die Stasi von mir verlangte." Aber sich auf die Seite eines Mandanten zu schlagen, mit ihm Schulter an Schulter zu kämpfen, das reizte ihn. Damals glaubte er, wer Recht habe, bekomme es auch. Dieses Ideal, so sagt er, lebe er bis heute, ohne Ansehen der Person.

Deshalb verteidigt er auch den 32-jährigen Iraker, der laut Anklage im November vergangenen Jahres den Döbelner Bistro-Besitzer und Autohändler Jamal Al Mortada erschossen haben soll. "Ich weiß nicht, ob er es war", bekennt Band. "Er sagt, er war es nicht. Und es gibt Dinge, die ihn in nicht geringem Ausmaß entlasten."

Ist es aber nicht gerade das, was oft an Rechtsanwälten kritisiert wird? Sie würden jemanden heraus boxen, der vielleicht schuldig ist. "Mit der Vereidigung zum Anwalt habe ich mich dem Grundsatz unterworfen, dass jeder das Recht auf Verteidigung hat", erläutert Brand und gesteht: "Privat bin ich nicht streitlustig. Aber im Beruf ziehe ich mein Programm durch." Dann steht er zu seinem Mandanten, selbst wenn der etwas auf dem Kerbholz haben sollte. "Mir ist es lieber, ich weiß, wie etwas gelaufen ist. Dann kann ich eine Strategie entwickeln und im Prozess besser reagieren, wenn unvorhergesehene Fakten auftauchen."

Das Recht auf Verteidigung stößt bei ihm auf nur eine Grenze und zwar wenn es um Sexualdelikte an Kindern geht. "Wer so einen Trieb hat, kann nicht resozialisiert werden", meint er. Sensibilisiert ist er, weil er zwei Töchter im Alter von neun und 13 Jahren hat, deren Schutz ihm alles bedeutet.

Soeben kommen sie aus der Schule und lassen ihn von ihrem Eis lecken. Brand ist eine Familienmensch; seine Frau arbeitet als Buchhalterin in der Kanzlei mit. Kennengelernt hatte er sie 1991, dem Jahr, als er sein Jura-Studium in Leipzig begann. BaföG erhielt er nicht; die Eltern konnten monatlich nur umgerechnet rund 250 Euro für ihn lockermachen. Zwar gaben sie ihm sonntags Fresspakete mit, aber den Rest der Verpflegung, Miete, Sprit und Freizeitvergnügen musste er mit den knappen Finanzen bestreiten. So arbeitete er vom ersten Studientag an in Kanzleien mit, um sich etwas dazu zu verdienen. Vor allem aber lernte er hinzu.

Er begegnete dem Landtagsabgeordneten Wolfgang Pfeifer, wurde sein Referendar und in der Folge Vorsitzender der Jungen Union im Kreis Döbeln. Durch Pfeifer lernte er die Leisniger Kanzlei Fischer-Nordmann & Partner kennen, die er später, während ihrer Insolvenz, abwickelte und in der er sich 1999 selbst niederließ. Zuvor hatte er zwischen dem ersten und zweiten Staatsexamen bei den Staatsanwaltschaften in Meißen und Riesa, in der Baurechtskammer Dresden und als Verwaltungsrechtler im Regierungspräsidium Dresden gearbeitet. Alles Bestandteile seiner Ausbildung, die ihn fit machten.

"Es muss immer vorwärts gehen. Für mich ist Stillstand gleichbedeutend mit Rückschritt", beschreibt Brand seinen Tatendrang. "Meine Frau sagt schon, ich sei ein Workaholic. Ich arbeite nun einmal gern und viel, auch an Wochenenden. Dass man dafür einen entsprechenden Lohn erhält, finde ich legitim."

Als Zivilrechtler begann er seine Selbstständigkeit. Dann übernahm er 2000 die Verteidigung eines Angeklagten im Niederranschützer Rockermordprozess. Seitdem hat er immer wieder auch Strafrechtssachen auf dem Tisch. Seine Mandanten kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus der Türkei, Tschechien und von Gran Canaria.

Der Job nimmt ihn gefangen. Er sagt zwar, dass er auch "La Dolce Vita", das süße Leben, mag. Seine Urgroßmutter war Italienerin, vielleicht verbringt er deshalb den Urlaub gern im Mittelmeerraum. Aber dort sitzt er vor und nach dem Baden am Notebook; und am Strand darf das Handy nicht fehlen, um den Kontakt zur Kanzlei zu halten. "Ich könnte mich nicht zwei Wochen nur ausruhen. Da würde ich mich unwohl fühlen." Zumindest die schicken Anzüge, in denen er normalerweise zu sehen ist, legt er nach dem Feierabend ab. Daheim trägt er Jeans, T-Shirt, Flip-Flops.

Freizeit bedeutet für ihn nicht Verzicht auf Tempo, zum Beispiel wenn er auf dem Wakeboard übers Wasser jagt. "So schnell wie ich arbeite, so schnell fahre ich gern Auto", bekennt er. Auf 324 Kilometer pro Stunde hat er den Lamborghini schon gebracht. Derart durchtreten kann er nur auf Rennstrecken, wo er auch gern seine Ducati 748 RS aufdreht. In Most und auf dem Lausitzring beteiligt er sich an privaten Läufen. Überbleibsel seines Jugendtraums, Kraftfahrzeug-Schlosser zu werden. Und eine andere Seite seines Lebens, das er mit Vollgas auf der linken Spur führt. Frank Pfeifer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Döbeln
Döbeln in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Mittelsachsen

Fläche: 91,64 km²

Einwohner: 24.157 Einwohner (Dezember 2016)

Bevölkerungsdichte: 264 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04720

Ortsvorwahlen: 03431

Stadtverwaltung: Obermarkt 1, 04720 Döbeln

Ein Spaziergang durch die Region Döbeln
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

Was beschäftigt die Menschen in den kleinen Orten zwischen Döbeln, Waldheim und Hartha? Wir besuchen jene kleinen Dörfer, denen normalerweise wenig Beachtung geschenkt wird, geben einen Einblick in die Geschichte des Ortes und sprechen mit den Bewohnern über früher und heute. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

12.12.2017 - 08:02 Uhr

Fußballer des SV Tresenwald Machern veanstalten wieder ihr traditionelles Hallenturnier für Nachwuchsmannschaften.

mehr