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Döbeln Fußmattenfeuer in Hartha wird zum Gerichtsfall: Anklage lautet auf versuchte Brandstiftung
Region Döbeln Fußmattenfeuer in Hartha wird zum Gerichtsfall: Anklage lautet auf versuchte Brandstiftung
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Ein Fußmattenfeuer bringt zwei junge Harthaer auf die Anklagebank. Quelle: Wolfgang Sens (LVZ/DAZ)
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Hartha/Döbeln

Ein Fußmattenfeuer beschäftigt seit Donnerstag das Schöffengericht des Amtsgerichts Döbeln. Haben zwei junge Harthaer im Dezember vergangenen Jahres gegen Mitternacht den Abstreicher vor der Wohnung eines Bekannten angezündet und damit zumindest billigend in Kauf genommen, dass das Wohngebäude mit 23 Mitparteien richtig Feuer fängt? Die Staatsanwaltschaft meint ja und hat die beiden Männer der versuchten schweren Brandstiftung angeklagt, ein Verbrechen aus der Kategorie gemeingefährliche Straftaten des Strafgesetzbuchs. Mindeststrafe: Ein Jahr Haft. Liegt nur ein Versuch vor, ist eine mildere Strafe drin.

Fingerabdrücke auf Grillanzünderflasche

„Die Haustür stand offen, wir sind rein. Wir haben bei unserem Bekannten geklingelt und geklopft, er hat nicht geöffnet. Im Haus stand die Spiritusflasche. Damit haben wir die Fußmatte eingesprüht und dann versucht anzuzünden. Aber gebrannt hat es nicht, als wir weg sind“, sagte einer der beiden Angeklagten, ein 27-Jähriger Harthaer. Zuvor habe er auf dem Weihnachtsmarkt ziemlich durcheinander getrunken. Sein mutmaßlicher Mittäter, 31 Jahre alt, ließ sich ganz ähnlich ein. Er hatte die Flasche mit dem Brandbeschleuniger in der Hand. Das belegt das Spurengutachten. Seine Fingerabdrücke sind auf dem Gebinde, das flüssigen Grillanzünder enthielt. Also Leute“, setzte Richterin Karin Fahlberg, die Vorsitzende des Schöffengerichtes, zum dritten Mal an, als sie den beiden Männern die Rechtslage vor Augen führte. Sagte, dass das Gesetz mindestens ein Jahr Haft für schwere Brandstiftung vorsieht, bei der auch immer der Versuch strafbar ist, dass sich eine geständige Einlassung aber auf das Strafmaß auswirke. Fairerweise sagte die Vorsitzende auch, dass niemand irgendwas gestehen müsse. Richterin Fahlberg zeigte zudem das Foto von der angekokelten Fußmatte. Es steht objektiv fest, dass diese gebrannt hat.

Die Verteidigerinnen, Rechtsanwältin Grit Wetzing und ihre Kollegin Mandy Schützel, gingen wortgewaltig dazwischen. „Sie müssen meinem Mandanten nicht Angst machen“, sagte Mandy Schützel, die den 32-Jährigen verteidigte. Die Advokatinnen sollten später noch Beweisanträge stellen, einen Brandsachverständigen zu hören. Beweisthema ist, dass die Fußmatte nicht gebrannt habe, als die beiden das Haus verlassen haben. Das bedeutet, dass die Verteidigerinnen dem 19-jährigen Zeugen nicht glauben. Rechtsanwältin Schützel fragte ihn ganz ungeniert, ob er den Abstreicher selbst angezündet habe und bekam ein „Nein“ zur Antwort. Der junge Mann berichtete, dass er auf das Klingeln und Klopfen nicht reagiert habe. Als er aus dem Fenster sah, habe er die beiden Angeklagten weggehen sehen. Und etwas vor der Türe knistern gehört sowie durch den Türschlitz einen Feuerschein wahrgenommen. „Die Fußmatte brannte. Bis zu 50 Zentimeter hoch waren die Flammen. Ich habe zunächst Wasser aus einem Glas drüber geschüttet, aber das reichte nicht“, sagte er. Also zog er den brennenden Abstreicher ins nahe gelegene Bad, bugsierte ihn in die Dusche, drehte das Wasser auf und löschte auf diese Weise. An dieser Darstellung zweifeln die Verteidigerinnen ebenfalls, weil es dafür keine Spuren gebe.

Facebook-Nachrichten nach Fußmattenfeuer

Der Zeuge zeigte kein großes Interesse an der Strafverfolgung. „Sie haben sich beide bei mir entschuldigt und mir 150 Euro Schadenersatz gegeben“, sagte er. Größere Schäden am Haus und an der Wohnungstür habe es aber nicht gegeben. Mit einem Putzeinsatz seien die verrußte Tür wieder sauber geworden. Gleich am nächsten Tag schrieben sich die beiden Angeklagten und der 19-Jährige auf Facebook Nachrichten über das Feuer. Die mutmaßlichen Fußmattenzündler bedankten sich zudem, dass der Zeuge die Anzeige zurückgezogen hatte. Das ging aus dem Chat-Verkehr hervor, den die Vorsitzende in die öffentliche Hauptverhandlung einführte, mit ihren Schöffen, Staatsanwältin Angelika Rickert und den Verteidigerinnen in Augenschein nahm.

Anzeige zurückziehen nutzt aber bei Offizialdelikten wie schwerer Brandstiftung herzlich wenig, die ja zudem noch ein Verbrechen ist. Wenn die Polizei davon erfährt, muss sie ermitteln. Kann sie Tatverdächtige ausfindig machen – so wie im vorliegenden Fall – leitet sie die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft weiter. Diese wiederum muss Anklage erheben, wenn die Beweise aus Sicht der Anklagebehörde ausreichen, um den oder die Angeschuldigten zu überführen. Hat das Gericht dann die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet, heißen die Angeschuldigten Angeklagte und das Gericht würdigt öffentlich und unabhängig alle Beweise, ent- und belastende gleichermaßen.

Den Prozess gegen die beiden angeklagten Harthaer setzt das Schöffengericht demnächst fort und wird sich dann auch zu den Beweisanträgen der Verteidigerinnen positionieren.

Von Dirk Wurzel

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