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Döbeln Gasanschluss fürs Gewerbegebiet Ostrau: „Größte Investition seit Errichtung“
Region Döbeln Gasanschluss fürs Gewerbegebiet Ostrau: „Größte Investition seit Errichtung“
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15:40 08.04.2016
Ostraus Gewerbeverbandschef Bernd Sonntag ist froh, dass der Gasanschluss fürs Gewerbegebiet dieses Jahr kommt. Quelle: Sebastian Fink
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Ostrau

Ab Mai sollen im Gewerbegebiet die Bagger rollen. Dann bauen die Stadtwerke Döbeln bis September eine 600 Meter lange Gashochdruckleitung, um die Betriebe auf dem Areal an die Versorgung anzuschließen. Auch private Anwohner können dies nutzen. Notwendig geworden ist die Umstellung von Öl- auf Gasheizung wegen einer 15 Jahre alten Verordnung zum Trinkwasserschutz. Drei Trinkwasserbrunnen grenzen ans Gewerbegebiet und liegen nun zu nah. Bernd Sonntag (67), Vorsitzender des Ostrauer Gewerbeverbandes erklärt im Interview die Hintergründe.

Herr Sonntag, warum muss das Ostrauer Gewerbegebiet jetzt ans Gas?

Bernd Sonntag: Die Bestimmungen zum Trinkwasserschutz wurden durch die Untere Wasserbehörde 2001 neu festgelegt. Der Abstand von unterirdischen Öltanks zu Trinkwasserbrunnen wurde von 100 auf 150 Meter erhöht.

Aber warum geschieht der Wechsel erst jetzt?

Es hat keine der ansässigen Firmen, auch nicht die Gemeinde oder das Landratsamt zunächst auf die neue Verordnung reagiert. Erst mit der Kreisgebietsreform 2008 kam das Thema wieder auf und 2014 hat man dann konkret begonnen, es umzusetzen. Dabei muss ich sagen, haben die Gemeinde und der Gewerbeverband die Vorgehensweise des Landratsamtes zuerst sehr kritisiert.

Inwiefern?

Die kamen zu mir und sagten, wenn wir das nicht in den nächsten vier Wochen ändern, schließen wir das Gewerbegebiet zu. Da standen plötzlich elf Mann bei mir im Hof. Inzwischen hat sich das Verhältnis aber sehr zum Positiven entwickelt. Wir kommen gut miteinander klar.

Und wie läuft die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken?

Sehr gut. Wir hatten das Glück, dass die Ausschreibung der Gaskonzession letztes Jahr in der Gemeinde Ostrau eine sehr große Rolle gespielt hat. Am Ende haben die Stadtwerke uns und den Firmen Angebote unterbreitet, die wesentlich günstiger waren als die der Mitbewerber.

Sind alle 21 ansässigen Betriebe betroffen?

Alle, die Erdtanks haben, müssen diese ausgraben lassen. Dazu alle oberirdischen Tanks ab 3000 Litern Fassungsvermögen. Manche haben bereits einen Gastank oder einen kleineren überirdischen Öltank. Natürlich sind wir bestrebt, dass alle Firmen mit ans Netz gehen, aber wir können keinen zwingen.

Sicher ist die Umrüstung auch mit Kosten für die Firmen verbunden?

Sicher, da sind die Unterschiede aber sehr groß: Manche müssen nur ihren Brenner von Öl auf Gas umstellen, die sind dann vielleicht mit 3000 oder 4000 Euro dabei. Andere brauchen neue Öfen, Vorratsbehälter und mehr, da können es auch mal 40 000 Euro sein. Aber für die Firmen ist eine Förderung durch die Sächsische Aufbaubank möglich. Für Privatleute gibt es Kredite über die KfW.

Sind denn private Anwohner ebenfalls zum Wechsel verpflichtet?

Nein, denn deren oberirdische Tanks sind klein genug und dürfen stehen bleiben. Bisher haben sich sechs oder sieben Anwohner bereit erklärt, sich mit anzuschließen. Andere haben oft schon alternative Energien mit Erdwärme oder noch Restöl im Tank. Aber interessant wäre der Wechsel für alle Beteiligten. Die Straße wird aufgerissen, überall im Gewerbegebiet wird gebaut, das ist jetzt eine günstige Möglichkeit. Zudem bieten die Stadtwerke eine Vergünstigung für private Nutzer an: Bis Ende 2017 kostet der Anschluss pro Haus 799 Euro netto, danach 2800 Euro.

Wie werden die Bauarbeiten genau ablaufen?

Bei der Firma Teichert Nutzfahrzeuge geht die Hauptleitung entlang und wird rechts unter den Bürgersteig gelegt bis zur B 169. Für den Bau der Anschlüsse im Gewerbegebiet wurde allen Firmen zugesichert, dass sie trotz Baustelle immer erreichbar sind. Außerdem sollen die Baustellen jeweils schnell wieder geschlossen werden.

Was bedeutet der Anschluss ans Gasnetz für das Gewerbegebiet insgesamt?

Das ist die größte Investition für das Gewerbegebiet seit seiner Errichtung. Damit sind wir auf dem neuesten Stand. Das wäre vor der Erweiterung des Gasnetzes bis Ostrau gar nicht möglich gewesen.

Von Sebastian Fink

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