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Döbeln „Genialsozial“: Harthas Oberschüler zeigen Herz und Muskeln
Region Döbeln „Genialsozial“: Harthas Oberschüler zeigen Herz und Muskeln
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16:54 29.06.2018
Vorsicht: Jonas (links) und Toni sicherten Spiegel für den Versand. Quelle: Fotos: Manuel Niemann
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Hartha

Im Gewerbegebiet im Südwesten der Stadt: In einer großen Produktionshalle dröhnen die Maschinen. Im hinteren Bereich stehen in Blickweite der anderen Angestellten die Schüler Jonas und Toni. Die 13-Jährigen sind in ihre Arbeit vertieft. An diesem Tag helfen sie in der Firma Stemke GmbH Kunststoff & Form mit: Sie haben ihren eigenen Arbeitsplatz bekommen, an dem sie Autospiegel verpacken. Diese wurden in der Firma teilmontiert und werden nun versendet.

Arbeiten für einen Tag

Das Unternehmen, das Kunststoffteile im Spritzgussverfahren herstellt, ist einer der Arbeitgeber, die sich am Projekt „genialsozial“ beteiligen. Am Dienstag fand der landesweite Aktionstag zum 14. Mal in Sachsen statt. Schüler drücken an diesem Tag nicht die Schulbank, sondern arbeiten für einen Tag in Geschäften, Unternehmen oder auch in Vereinen.

50 Prozent der Spenden fließen in globale Projekte

Das von ihnen erwirtschaftete Geld wird dann zu 50 Prozent an globale Projekte gespendet. In Ghana hilft es etwa, das Recycling von Plastik, in Tibet, die medizinische Versorgung im Hochgebirge zu verbessern. In Mosambik unterstützt das Projekt Bauern und Bäuerinnen gegen Großkonzerne. Sie erhalten Besitzurkunden, die ihr Land sichern. Auf den Philippinen hingegen setzt sich „genialsozial global“ für die Sicherung von Trinkwasser ein.

Oberschüler entscheiden noch über den Rest

30 Prozent des Lohns können von den Schulen individuell an soziale Einrichtungen vor Ort gespendet werden. Wohin das von der Pestalozzi-Oberschule gemeinschaftlich erarbeitete Geld gehen wird, ist noch offen. „Die Schüler entscheiden noch gemeinsam, welchem sozialen Projekt sie die Spenden übergeben“, sagte Schulleiterin Kerstin Wilde auf Anfrage der DAZ.

Neue Erfahrungen statt Unterricht

Jonas und Toni gehen in die 7. Klasse der Pestalozzi-Oberschule. Sie haben bereits mehrfach an der Aktion teilgenommen. Im letzten Jahr halfen sie im Kindergarten und in der Schule aus. Beide sagen, sie freuen sich, einmal keine Schule zu haben und stattdessen neue Erfahrungen sammeln zu können.

Sozialer Aspekt auch für Firmen wichtig

Katja Stemke, Jonas’ Mutter, aber auch für Einkauf, Buchhaltung und Personal in dem Familienunternehmen zuständig, fügt hinzu: „Unsere Firma sieht in der Aktion vor allem den sozialen Aspekt. Durch das an diesem Tag verdiente Geld, welches nicht in die eigene Tasche wandert, sondern gespendet wird, wächst in den Kindern das Bewusstsein heran, auch an andere Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht wie uns.“

Ursprung der Aktion liegt in Norwegen

Dies war auch die Intention des ursprünglichen Aktionstages, welcher als Operasjon Dagsverk („Aktion Tageslohn“) 1964 erstmals in Norwegen stattfand. Bei der Jahreshauptversammlung des norwegischen Gymnasiastenverbands hatte damals ein Redner gefordert, dass die Jugend ihren Blick mehr auf die Welt richten solle.

Vorlesebereit: Laura (links) und Luise halfen für „genialsozial“ in der Stadtbibliothek aus. Quelle: Manuel Niemann

Stadtbibliothek hat Helfer

An einem anderen Arbeitsplatz sind am Aktionstag Laura und Luise zugange: Sie gehen beide in die 8. Oberschulklasse und helfen an diesem Nachmittag in der Stadtbibliothek Hartha. Dort läuft aktuell der Buchsommer, der Jugendliche für’s Lesen begeistern soll. Dafür sortieren Laura und Luise Bücher ein und haben lustige Geschichten mitgebracht, welche sie kleineren Kindern vorlesen wollen.

Helfen ist einfach

„Ich finde ’genialsozial’ ziemlich cool, weil ich mich dabei engagieren kann“, sagt Laura. Luise stimmt ihr zu: „Man wünscht sich immer zu helfen und hier geht das“. Auch Bibliothekarin Sophia Wolfram hat das Konzept überzeugt: „Wir freuen uns sehr, dass die beiden da sind. Sie zeigen Interesse daran, binden sich vielfältig ein und sind uns eine große Hilfe.“

30 000 Schüler machen mit

Inzwischen beteiligen sich über 30 000 Schüler an rund 275 Bildungseinrichtungen an der Aktion. Die wird auch im nächsten Jahr fortgesetzt.

Von Lilly Kunze

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