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Geplante Asyl-Unterkunft spaltet Döbeln

Hunderte Protestteilnehmer Geplante Asyl-Unterkunft spaltet Döbeln

In einer Woche sollen 400 Asylbewerber in die ehemalige Autolivhalle an der Eichbergstraße einziehen. Das Thema spaltet die Stadt schon jetzt. Das zeigte sich am Sonntagabend offen.

300 bis 400 Leute waren gestern Abend dem Aufruf der NPD zur Demonstration gegen die Erstaufnahmeeinrichtung in Döbeln gefolgt.

Quelle: Thomas Sparrer

Döbeln. Als etwa 100 Leute des Willkommensbündnisses in der Weststadt für Weltoffenheit und Solidarität demonstrierten, kurz darauf aber 300 bis 400 Flüchtlingsgegner an einer Kundgebung auf dem Obermarkt und anschließender Demonstrantration durch die Döbelner Innenstadt teilnahmen. Zu dieser hatte der NPD-Ortsverband Döbeln aufgerufen.

"Ich bin genervt davon, das für mich Selbstverständliche erklären zu müssen, Gerüchten, Falschmeldungen, Fakes und Lügen zu widerstehen gegenüber Mitmenschen aus meiner nächsten Umgebung, die ich doch gar nicht mehr erreichen kann, weil sie davon verunsichert wurden und deren Ängste gewissenlos kräftig geschürt wurden", sagte Berno Ploß auf der Kundgebung des Bündnisses Willkommen in Döbeln. Er regte an, sich in diesem Bündnis zu engagieren, tätig zu werden, statt zu reden.

Um die Nazi-Veranstaltung nicht unkommentiert im Raum stehen zu lassen, hatte das Döbelner Willkommensbündnis zur Demo aufgerufen und 100 Menschen mobilisiert. Sie zogen von der geplanten Unterkunft durch die Weststadt.

Um die Nazi-Veranstaltung nicht unkommentiert im Raum stehen zu lassen, hatte das Döbelner Willkommensbündnis zur Demo aufgerufen und 100 Menschen mobilisiert. Sie zogen von der geplanten Unterkunft durch die Weststadt.

Quelle: Dirk Wurzel

Bereits vorhandene Ängste schürte Redner Jens Bauer auf der NPD-Demo auf dem Obermarkt. Er forderte um Deutschland einen Zaun zu bauen. Deutschland müsse eine Festung werden. Integration sei nicht möglich. Es sei vielmehr 20 nach zwölf, um die katastrophale Asylpolitik zu beenden und endlich Schadensbegrenzung zu betreiben. Anschließend setzte sich vom Obermarkt aus ein Fackelzug der Asylgegner durch die Stadt in Bewegung. Augenscheinlich waren auch sehr viele Döbelner darunter, die man eigentlich nicht mit den Neonazis in Verbindung bringen würde.

Döbelns Ordnungsamtsleiter Jürgen Müller und Ulrich Herzog von der Versammlungsbehörde des Landkreises schätzten etwa 300 bis 400 Teilnehmer des Marsches der Asylgegner. Im Anschluss bot die NPD weitere Redner wie ihren Ex-Landtagsabgeordneten Arne Schimmer und den Döbelner NPD-Stadtrat Stefan Trautmann auf. Da hatten sich die Reihen der Teilnehmer der Nazi-Demo schon spürbar gelichtet.

Das geplante Erstaufnahmelager in Döbeln beschäftigt jetzt auch die mittelsächsische Bundestagsabgeordnete Simone Raatz (SPD). Sie fordert eine bessere Information der Döbelner. "Es ist wichtig, dass auch die Döbelner einbezogen werden, um zu erfahren, wann die ersten Flüchtlinge tatsächlich in dieser neuen Einrichtung eintreffen und welche Hilfe die Stadt erhält, um die große Herausforderung der Integration der Flüchtlinge auch weiterhin gerecht werden zu können." Außerdem stellt sich Simone Raatz vor die vielen ehrenamtlichen Helfer der Willkommensbündnisse. "Doch auch sie brauchen die Unterstützung, um die Angebote an Sprachkursen oder Kinderbetreuung auch bei einer wachsenden Zahl an Flüchtlingen aufrecht halten zu können. Neben Döbeln gibt es viele weitere Orte wie Roßwein, Hainichen, Mittweida, Leisnig oder Freiberg, in denen sich vorbildliche, ehrenamtliche Willkommensinitiativen gegründet haben. Diese Beispiele zeigen, dass die Mehrheit der Mittelsachsen mitfühlend und solidarisch ist, auf einem festen Wertefundament steht und damit ein deutliches Zeichen gegen diejenigen setzt, die Ängste schüren und mit Demonstrationen, Beleidigungen und Beschimpfungen versuchen, Rassismus alltagsfähig zu machen."

Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) berichtete vor den Teilnehmern der Demo in der Weststadt, wie kurzfristig er über das Erstaufnahmelager erfahren hatte. Die Halle ist aus seiner Sicht als Notunterkunft "ideal - ideal im Vergleich zu dem, wie die Menschen sonst untergebracht wären."

Dirk Wurzel und Thomas Sparrer

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