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Gerhard Sabow Döbeln: Jetzt nur noch den Titel angeln

Gerhard Sabow Döbeln: Jetzt nur noch den Titel angeln

Sicherlich - jeder Angler träumt davon, den ganz großen Fisch an Land zu ziehen. Wer jedoch die weltweit verbreitete Freizeitbeschäftigung als richtigen Sport betreibt, und das macht Gerhard Sabow, der hat noch ein anderes großes Ziel: einmal bei einer Angel-Weltmeisterschaft dabei sein.

Döbeln. Der Mann mit dem gemütlichen Gesichtsausdruck kann erzählen, bis einem die Ohren glühen - vorausgesetzt es geht ums Angeln. Dieser Sport bestimmt sein Leben seit Kindesbeinen. Will der Zuhörer auch ganz private Dinge von ihm wissen, ist der 62-Jährige nicht ganz so gesprächig. Da das eine aber letztlich mit dem anderen oft sehr eng verwoben ist, kommt Sabow nicht umhin, auch Persönliches zu verraten. Dabei entpuppt sich einer, der sich durch den einen oder anderen gesundheitlichen Tiefschlag nicht klein kriegen lässt, der nicht nur Fische am Haken, sondern die Natur und die Tierwelt mag, was Sport-Anglern häufig abgesprochen wird und der seine Erfahrungen bis heute gern an Jüngere weiter gibt. Dabei ist er alles andere als ein Freund von Anglerlatein.

"Ich angle nicht nur, um Fische herauszuholen. Es geht mir um die Natur, um die Tiere, die Pflanzen, um alles, was am Gewässer um einen herum kreucht und fleucht." Und so berichtet Sabow begeistert von ganz besonderen Erlebnissen. Zum Beispiel, wie an der Zschopau bei Meinsberg ein Hermelin ein Mäusenest ausräumt oder wie eine Ringelnatter Fische jagt. "Wir Angler wissen, wo sich in der Region noch Eisvögel aufhalten, die Ornithologen vermutlich nicht." Dass das Angeln in Sachsen nicht so populär ist, wie in anderen Bundesländern, ärgert den Döbelner ebenso, wie der Zwist, der zwischen Anglern und Naturschützern herrscht. Einerseits sei es bei Angelvergleichen mittlerweile sträflich, von Wettkämpfen zu sprechen - das Ganze wird jetzt Hegefischen genannt. Andererseits gebe es Bestimmungen, nach denen geangelte Fische nicht wieder zurück ins Wasser gegeben werden dürfen, obwohl diese putzmunter sind. Einerseits werde genau darauf geachtet, dass die Angler keine geschützten Fischarten an Land ziehen, andererseits dürfe der größte Feind der heimischen Fischwelt, der Kormoran, nahezu unbehelligt seinem Fangtrieb nachgehen. Dem ansonsten sehr ruhig und besonnen wirkenden Sabow schwillt da schon mal der Kamm: "Naturschutz ja, aber sinnvoll!"

Schon als Kind geht er mit dem Vater auf Fischpirsch. Damals noch im Nordwesten Deutschlands, denn Gerhard Sabow ist gebürtiger Bremer. Die Eltern siedeln in den Osten um, der Sohn muss mit, doch zum Glück wird auch in seiner neuen Heimat Zschopau geangelt. Schon bald ist er der jüngste Ortsgruppenchef des Deutschen Anglerverbandes (DAV) im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt. Genauso früh befasst er sich mit dem Zielangeln, dem so genannten Casting. "Die Technik für ein zielgenaues Angeln zu erlernen ist nach meiner Auffassung das A und O, um dieses Hobby richtig auszuüben", sagt Gerhard Sabow. Er selbst ist darin so perfekt, dass er auf die Sportschule Weißenfels geschickt wird, wo er die Übungsleiterstufe ablegt, um die Nationalmannschaft trainieren zu können.

Beruflich startet der junge Sabow im Zschopauer MZ-Motorenwerk als Maschinenschlosser. Durch seine Armeezeit bleibt er in Döbeln hängen, wobei es wohl eher heißen muss, durch seine Frau Petra, die er in der Stiefelstadt kennenlernt und bald heiratet. Womit ein heikles Thema angeschnitten ist: Angler und ihre Ehefrauen. Anfangs war das bei Sabows kein Problem, die Frau fand selbst Gefallen an dem Hobby. Irgendwann war dann aber Schluss. Es gab einen Auslöser, doch den behält der Mann lieber für sich. Heute gibt es eine Abmachung zwischen den beiden - wenn es in den Urlaub geht, dann ohne Angel. Er hält sich dran, und sie ist nicht böse, wenn er am Genfer See oder am Ufer der Seine in Paris Sportfreunden mal kurz zuschaut.

Durch den Umzug nach Döbeln arbeitet er bei DBM, später in ­einem Tischlereibetrieb und zuletzt bei Typofol. Die drei Kinder Martin, Stefan und Johanna kommen zur Welt, inzwischen gibt es vier Enkel, von denen zwei regelmäßig mit angeln gehen, wenn sie beim Opa sind. Sabow frönt seinem Hobby nicht nur in der Betriebs-Angelsportgruppe und dann im 1. Anglerverein Döbeln, er gibt sein Wissen und Können auch in einer Arbeitsgemeinschaft im damaligen Pionierhaus weiter, wo er außerdem junge Schiffs- und Flugmodellbauer anleitet. Zudem ist er 17 Jahre lang bei der Betriebs- und freiwilligen Feuerwehr aktiv.

Nach der Wende kauft die Familie ein Haus in der Döbelner Borngasse. Ein Raum im Erdgeschoss ist heute das Reich des Vollblutanglers Sabow. Equipment im Wert eines Mittelklassewagens hegt er dort wie seinen Augapfel. Dazu gehören unter anderem über 20 Angelruten, bis zu 13 Meter lang, rund 20 Rollen, ein paar tausend Haken und ein paar hundert Schwimmer. Die Kleinteile sind fein säuberlich in Schachteln und Kisten verpackt. Ein Handgriff und das Gesuchte ist gefunden, was für die Akkuratesse des Mannes spricht. "Der Angler verbringt die meiste Zeit seines Hobbys ohnehin für die Vorbereitung, das vermuten die meisten nur nicht." Da müssen die Ausrüstungsgegenstände gewartet und die Köder vorbereitet werden. Zu letzterem gehören nicht nur Würmer oder Insekten, auch verschiedene Erden oder spezielle Lockstoffe, die schon mal nach Vanille oder Spekulatius duften und auf die die Schuppentiere total abfahren. Das richtige Ködern ist enorm wichtig: "Im Prinzip veralbern wir damit die Fische."

Gerhard Sabow ist seit einigen Jahren stark an Zucker erkrankt. Fünfmal Spritzen am Tag und Medikamente - mittlerweile hat er sich daran gewöhnt. Wenn er gerade draußen am Fluss oder am See ist, dann gibt er sich die Injektion unter freiem Himmel. Als er 2007 nach einem Unfall am Sprunggelenk operiert wird und ein Jahr nicht angeln kann, bleibt er trotzdem seinem Hobby treu. "Bei der Reha in Bad Schandau hatte ich meine Hakenbindemaschine mit. Während andere Kreuzworträtsel lösten, habe ich Haken fürs Angeln vorbereitet."

Bleibt - das muss sein - die Frage nach seinem bislang größten Fisch. Es ist ein Hecht, 1,07 Meter lang, gefangen in der Zschopau im Töpelwinkel, ausgerechnet im Wendeherbst 1989. Sabow ist es bislang nicht gelungen, das zu toppen, doch er ist nicht traurig darüber. Trotz des "Veralberns" der Fische entscheide letztlich die Natur. "Voriges Jahr bei Fischendorf hatte ich einen Großen an der Angel, der war weit über einen Meter lang. Er hatte seine Chance zu entkommen und hat sie genutzt", sieht es Gerhard Sabow sportlich.

Damit schließt sich der Kreis. Beim sächsischen Hege-Angeln im Vorjahr belegt der Döbelner den dritten Platz. So nimmt er bald darauf am DAV-Hegefischen aller Bundesländer teil, wird Vierter und qualifiziert sich mit vier Saarländern für die Weltmeisterschaft in diesem Sommer. Natürlich wird es am Fluss Una in Bosnien-Herzegowina darum gehen, möglichst viele und vor allem große Fische herauszuholen. Die Chance auf einen Pokal bewertet Sabow mit fifty fifty: "Du musst den Kopf frei haben, also die Familie und den Verband hinter dir, du musst dich gut vorbereiten und selbst daran glauben, dass du es schaffst."

Olaf Büchel

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