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Gerhard Weber eröffnet am Freitag Ausstellung in Harthaer Bibliothek

Gerhard Weber eröffnet am Freitag Ausstellung in Harthaer Bibliothek

Wie sieht das Leben der Menschen auf dem Land nach der Wende aus? Welche neue Orientierung haben sie gefunden? Fragen wie diese stellte sich Gerhard Weber vor 20 Jahren und besuchte 450 Dörfer im mittel- und westsächsischen Raum, unter anderem um Grimma, Borna, Wurzen - und auch um Döbeln.

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Von 1991 bis 2011 schaffte Gerhard Weber eine sozialdokumentarische Fotoreihe. Darunter sind auch Portraits von Menschen aus Hartha und Umgebung.

Quelle: K.Schultz

Hartha/Döbeln/Grimma. Seine Antworten hielt Weber in schwarz-weiß Fotografien fest. Eine Auswahl davon ist ab Freitag in Hartha zu sehen.

 

Den Hund auf seinem Schoß hält er eng umschlungen. An seiner Kleidung erkennt man das er nicht viel hat. Dennoch lächelt der alte Mann zufrieden. Das Bild (siehe Foto, unten) ist eines von rund 50, die ab Freitag in der Galerie der Harthaer Bibliothek zu sehen seien werden. Von 1991 an hat Gerhard Weber Menschen auf dem Land portraitiert. "Mich interessiert, wie die Menschen ihr Leben nach der Wende eingerichtet haben", erklärt der 72-Jährige. Außerdem war es ihm wichtig mit seinen Fotos Leuten eine Chance zu geben, gesehen zu werden, die sonst wenig präsent sind in den Medien, wie er findet. Insgesamt 450 Dörfer im mittel- und westsächsischen Raum suchte der Grimmaer für seine sozialdokumentarische Fotoreihe auf.

Typische Fotografen-Aufforderungen wie "Bitte recht freundlich" kann Gerhard Weber nicht leiden. "Jemand guckt, wie er gucken will", sagt Weber. "Einen freundlichen Menschen erkennt man auch, wenn er nicht lacht", setzt er nach. Gerhard Weber ist es wichtig, so wenig wie möglich in eine Situation einzugreifen. "Ich will in das Wesen der Dinge eindringen, in die Seele der Menschen", sagt er. Für mehr Dynamik hat Weber oft das Hochformat gewählt. Das alle Bilder schwarz-weiß sind, empfindet er nicht als Verfälschung. Im Gegenteil: "Buntheit würde nur vom Inhalt ablenken", sagt der Künstler. Die strikte Reduktion der Farbe bewirkt zudem, dass alle Bilder einheitlich wirken. Gemeinsam bei allen Aufnahmen ist außerdem, dass die Personen den Betrachter direkt anblicken. "Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte", erinnert der gebürtige Berliner. Und genau das sollen seine oftmals detailreichen Portraits leisten: für sich sprechen.

Festgehalten auf den Aufnahmen vor allem alte Menschen, die sich ins Private zurückgezogen haben und etwa ihrer Arbeit im Garten nachgehen. "Und ganz junge Menschen, die auf dem Land neu anfangen. Ein Haus bauen zum Beispiel", berichtet Weber. Die mittlere Generation, die der Arbeit wegen weggegangen ist, fehle. Ein Thema, das gerade verstärkt ins mediale Interesse gerückt wird, hat Gerhard Weber bereits in den letzten zwanzig Jahren beobachten können: Altersarmut. In den Jahren, in denen er mit der Kamera durch Dörfer Sachsens zog, habe sich diese verstärkt. Dennoch: "So richtig bedrückend war keiner der Menschen, denen ich begegnet bin." Dass es so etwas in einem reichen Land wie Deutschland gibt, findet er dennoch erschreckend.

In den letzten zwei, drei Jahren ist es für den langjährige Pressefotografen schwieriger geworden, Menschen zu finden, die sich ablichten lassen wollen. Auch deswegen, weil er sich verstärkt für das Private interessiert. "Nicht jeder will einen in seine vier Wände lassen", sagt Brigitte Weber, die ihrem Mann beim Rahmen und Aufhängen der Bilder Anfang der Woche half. Zugelassene Blicke in das Leben hinter der Tür zeigen etwa das Krankenbett im Wohnzimmer, wie im Fall eines Landbewohners in Ebersbach, das 2010 entstand (siehe Foto, mittig).

"Ich bin fasziniert von der Wärme und Würde der Menschen, die seine Bilder ausstrahlen ", sagt Bibliothekarin Andrea Zenker. Bereits drei Ausstellungen hat sie von Weber besucht und ihn schließlich eingeladen nach Hartha zu kommen. Die Ausstellung "LebensZeiten. Mitten im Land" ist die dritte und letzte, die in diesem Jahr in der Galerie zu sehen sein wird. Bis Ende September haben Besucher Gelegenheit, sich vom Leben auf dem Land und seinen Bewohnern "erzählen" zu lassen. Wer nicht nur die Bilder für sich sprechen lassen will, hat am Freitag Gelegenheit mit dem Künstler selbst ins Gespräch zu kommen. Um 19 Uhr wird die Schau in der Stadtbibliothek eröffnet. Danach können die Werke kostenlos zu den Öffnungszeiten der Bibliothek besucht werden.

Um als Fotograf leben zu können, hat Gerhard Weber unter anderem Prospekte für den Tourismusverband in Waldheim erstellt. Inzwischen, als Rentner, geht er nur noch seinem dokumentarischem Interesse nach. "Die Altersarmut wird mich weiterhin beschäftigen", sagt er, ohne zu lächeln.

Katharina Schultz

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