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Döbeln Lange Haftstrafe für Bluttat in Döbelner Disco
Region Döbeln Lange Haftstrafe für Bluttat in Döbelner Disco
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15:49 23.05.2018
Florinell P. hat im Staupitzbad einen Discobesucher mit dem Messer verletzt. Dafür hat er jetzt im Amtsgericht Chemnitz seine Strafe bekommen. Quelle: Harry Haertel
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Döbeln/Chemnitz

Er tobte in der Zelle auf dem Polizeirevier Döbeln. Spuckte Beamten ins Gesicht. Am 10. Oktober 2017 ist Florinell P. richtig ausgetickt. Zunächst trat er nach Polizisten, die ihn an der Albertstraße festgenommen hatten, weil er im Verdacht stand, die Fensterscheiben einer Wohnung im Erdgeschoss mit einem Baseballschläger eingeschlagen zu haben. In der Wohnung wohnte seine Ex-Freundin.

Freispruch für Fenster-Randale

Dieser Verdacht hat sich für das Schöffengericht des Amtsgerichtes Chemnitz aber nicht bestätigt. „Gesehen hat ihn niemand, wie er die Scheiben zerschlug“, begründete Richterin Gudrun Trautmann, die Vorsitzende des Schöffengericht, weshalb es den 25-Jährigen vom Tatvorwurf der Sachbeschädigung freisprach.

Ins Gesicht gerotzt

Dafür sah es das Gericht als erwiesen an, dass P. am 10. Oktober nach einem Oberkommissar trat, diesem Beamten später noch einen Kopfstoß versetzte. Auch dass er einen Hauptmeister in der Gewahrsamszelle anspuckte, steht für das Gericht fest. Als Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung (Spucken) ging das mit in das Urteil ein.

5000 Euro Schmerzensgeld

Drei Jahre und sechs Monate Haft verhängte das Gericht für eine ganze Litanei an Straftaten, von denen die schwersten die Messerattacken in den frühen Morgenstunden des 22. Januar 2017 in der Döbelner Disko Staupitzbad waren. Zweimal stach Florinell P. auf einen 23-Jährigen Döbelner ein, mit dem er zuvor einen verbalen Disput hatte. Der Geschädigte trug eine drei Zentimeter tiefe Stichwunde am Rücken und eine Schnittverletzung davon, leidet noch heute seelisch unter dem Angriff. Der zweite Geschädigte im Staupi war ein Sicherheitsmann. Ihn schnitt Florinell P., als er mit dem Messer nach ihm stieß und drohte ihm mit dem Tod. Den Angaben des Angeklagten, er habe nur raus gewollt und dem Mann von der Security dabei aus Versehen mit dem Messer erwischt, glaubte das Gericht nicht. Es sprach dem 23-Jährigen Geschädigten zudem 5000 Euro Schmerzensgeld zu. Der wollte eigentlich 11 000 Euro haben.

Trug die Acht über Nacht

„Er hat nachher zu einem Zeugen gesagt, wenn er den Geschädigten hätte umbringen wollen, hätte er in den Hals gestochen. Darum ist es eine gefährliche Körperverletzung und kein versuchter Totschlag“, bewertete Oberstaatsanwalt Jörg Rock den Messerangriff auf den 23-Jährigen im Staupi. Er forderte drei Jahre und zehn Monate Haft als Gesamtstrafe. Rechtsanwalt Thomas H. Fischer stellte als Verteidiger keinen konkreten Antrag. Er wies aber daraufhin, das auch der Geschädigte der Messerstecherei mit für den zunächst verbalen Streit verantwortlich gewesen sei und seinen Anteil daran heruntergespielt habe. Auch dass sein Mandant im Oktober 2017 in der Zelle des Polizeigewahrsams über Nacht die Hände auf den Rücken gefesselt hatte, sprach der Rechtsanwalt in seinem Schlussvortrag an: „Ich bekam erst am nächsten Morgen den Anruf von einer Kriminalpolizistin, dass er im Gewahrsam ist. Als ich ihn in der Zelle besuchte, war er sehr aufgebracht. Ich konnte ihn beruhigen und dafür sorgen, dass er was zu essen bekommt.“

Frauen geschlagen

Von seiner gewalttätigen Seite lernten auch Teilnehmer eines Weiterbildungskurses den Rumänen kennen. Hier schlug er eine Mitschülerin in den Räumen des Bildungsträgers in Döbeln. Richtig unfeine Worte sagte er zu einer anderen Ex-Freundin beleidigte sie rassistisch. Darum enthält die Gesamtstrafe auch die Rechtsfolgen für diese Straftaten (Beleidigung und Körperverletzung).

Voll schuldfähig

P. hatte angeben, Crystal zu nehmen. Trotzdem sah Psychiater Dr. Stephan Sutarski keinen Grund, an der Schuldfähigkeit des Angeklagten zu zweifeln. Vor Gericht hatte der Rumäne weitgehend geschwiegen. Lediglich zwei Ladendiebstähle hatte er gestanden.

Eine Reise durch das Strafgesetzbuch

Der 25-jährige Florinell P. kam mit seiner Mutter aus Rumänien. Sie hatte einen deutschen Mann kennengelernt. Bis zum Dezember 2016 führte er ein straffreies Leben. Dann begann er im November 2016, Leute zu schlagen. Innerhalb eines Jahres beging er dann mindestens ein Dutzend weiterer Straftaten. Für folgende Vergehen hat ihn jetzt das Amtsgericht Chemnitz unter anderem zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt:

Körperverletzungen im Weiterbildungsinstitut ASG Döbeln und sowie im Kaufland im November 2016: Florinell P. schlägt in den Räumen des Bildungsträgers eine 26-jährige Waldheimerin mit der Faust. Sie hatte ihn zuvor gebeten, sich nicht mit ihren Freunden anzulegen beziehungsweise ordentlich mit ihnen zu reden. Im Kaufland Döbeln schlägt er seine Ex-Freundin, schubst deren neuen Freund in ein Regal. Zweimal Körperverletzung.

Beleidigung auf dem Lidl-Parkplatz: Am 25. November 2016 bezeichnet der Rumäne auf dem Lidl-Parkplatz eine andere Ex-Freundin mit einem ganz üblen rassistischen Schimpfwort. Beleidigung

Drei Ladendiebstähle im Dezember 2016 im Aldi, Edeka und Netto in Döbeln: Zur Beute im Wert von insgesamt knapp unter 20 Euro gehörten zum Beispiel Hirtenkäse, Mozzarella, Überraschungseier, Energy-Drinks. Zum ersten Mal klaute P. im Döbelner Netto am 6. Dezember 2016 vier Dosen eines Energy-Drinks. Die beute gab er dem Ladendetektiv heraus – drohte ihm aber mit den Hells Angels. Der Ladenhüter verzichtete auf die Personalien. Dreimal Diebstahl, einmal Nötigung

Tatkomplex Staupitzbad, 22. Januar 2017: Gegen 3.15 Uhr sticht er einen Diskobesucher nach einem verbalen Disput Mit dem Messer in den Rücken. Die Stichwunde ist drei Zentimeter tief und fünf Zentimeter lang. Zudem schneidet er den 23-jährigen Geschädigten mit dem Messer. Als die Security eingreift, verletzt Florinell P. einen Sicherheitsmann mit dem Messer und droht dann, alle umzubringen. Zweimal gefährlicher Körperverletzung und einmal Bedrohung.

Nach dem Messer-Vorfall kommt P. zum ersten Mal in Untersuchungshaft, wird später wieder entlassen und begeht dann folgende Straftaten:

Angriffe auf Polizisten am 10. Oktober 2017: Polizeieinsatz an der Albertstraße in Döbeln, hier soll P. mit dem Baseball-Schläger gewütet haben. Zunächst zeigt er sich kooperativ, geht mit erhobenen Händen auf die Beamten zu. Später sei seine Stimmung gekippt, er habe sich zunehmend aggressiver aufgeführt, sagen die Polizisten als Zeugen vor Gericht. Sie fesseln ihm die Hände auf dem Rücken und bringen ihn in den Streifenwagen. Als P. im Auto ist, tritt er einen Polizeioberkommissar gegen die Brust. Als ihn dieser später im Revier in die Zelle führt, versetzt ihm der 25-Jährige einen Kopfstoß. Als später ein Polizeihauptmeister zu P. in die Zelle kommt, spuckt dieser dem Beamten ins Gesicht. Der Polizist bekommt auch einige üble Ausdrücke zu hören. Das ist dem Mann mehr oder weniger egal. Aber das Anspucken nimmt er Florinell P. übel. Zweimal Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung, einmal Beleidigung.

Nach diesen Vorfällen erließ die Ermittlungsrichterin am Amtsgericht Chemnitz erneut einen Haftbefehl gegen den Rumänen. Seit Oktober 2017 sitzt er in Untersuchungshaft. Bis das Urteil rechtskräftig ist, dauert die Untersuchungshaft fort. Sollte das Urteil so rechtskräftig werden, schließt sich Strafhaft an. Die könnte Florinell P. in Waldheim verbüßen. Er gilt als Ersttäter und hat über zwei Jahre Freiheitsstrafe bekommen. Derzeit liegt er im Haftkrankenhaus Leipzig, lässt seine Depressionen behandeln. diw

Seit Ende März verhandelte das Schöffengericht am Amtsgericht Chemnitz die Anklagen gegen Florinell P. Der Prozess war da bereits im zweiten Anlauf gestartet. Weil das Gericht einen Psychiater als Sachverständigen hinzuziehen musste, hatte es die Hauptverhandlung ausgesetzt, wie es Rechtsanwalt Thomas H. Fischer der DAZ erklärte. Aber bereits im Oktober startete das Gericht den ersten Anlauf, die Angelegenheit verhandeln. Es musste im März jedoch neu beginnen, da es den Prozess im Oktober nicht innerhalb der Frist von drei Wochen hätte fortsetzen können, die die Strafprozessordnung vorschreibt. Innerhalb dieser Zeitspanne hätte es Dr. Sutarski nicht geschafft, den Rumänen zu untersuchen.

Prozess stand auf Kippe

Am Dienstag ging nun ein umfangreicher Prozess zu Ende. Fast 20 Zeugen haben ausgesagt. Das Gericht hörte sie an mehreren Verhandlungstagen. Manche erschienen nicht gleich. Da war die Polizei gefragt. Zudem ist eine Schöffin hochschwanger. Hätte sich die Verhandlung weiter verzögert, wäre die ehrenamtliche Richterin womöglich ausgefallen. Dann hätte das Gericht die Hauptverhandlung erneut aussetzen müssen. Diese hätte dann wieder ganz von vorne begonnen. Die Verteidigung hatte das in der Hand. Aber Rechtsanwalt Fischer stimmte zu, die Aussage einer Zeugin zu verlesen, die nicht bei Gericht erschienen war. Hätte der Anwalt auf sie bestanden, wäre der Prozess womöglich geplatzt.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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