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Döbeln Gericht widerruft Bewährung des mutmaßlichen Aladin-Mittäters – Phantom bleibt unerreichbar
Region Döbeln Gericht widerruft Bewährung des mutmaßlichen Aladin-Mittäters – Phantom bleibt unerreichbar
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Weil er für die deutsche Justiz nicht greifbar ist, hat das Amtsgericht Döbeln die Bewährung für Marwan H. per öffentlicher Zustellung – also durch Aushang im Gerichtsschaukasten – widerrufen. Quelle: privat
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Döbeln

Ein Aushang im Amtsgericht Döbeln erinnert an zwei spektakuläre Kriminalfälle in der Muldestadt: Eine gefährliche Körperverletzung im Asylbewerberheim und einen Mord. Den Bistro-Mord vom 1. November 2011 an der Breitscheidstraße. Beide Taten hängen zusammen. Marwan H., dem mutmaßlichen Mittäter von Ayman Eskan, ist offenbar die Bewährung für eine frühere Straftat widerrufen worden. Das lässt das Amtsgericht nun im Wege der öffentlichen Zustellung wissen, weil Marwan H. nicht greifbar ist. Es heißt, er hat sich in den Irak abgesetzt.

Zu einem Jahr Haft mit Bewährung hatte ihn das Schöffengericht des Amtsgerichtes Döbeln vor sieben (!) Jahren verurteilt, weil er zusammen mit Ayman E. und einem weiteren Mann im Jahr 2009 einen Libanesen im Döbelner Asylbewerberheim krankenhausreif geschlagen hatte, unter anderem mit einem Handfeger als Schlagwerkzeug. Angeblich hatte der Geschädigte Aymans Freundin belästigt. Spektakulär ist dieser Fall, weil die Berufungskammer des Landgerichts in Chemnitz in zweiter Instanz den Geschädigten nicht mehr als Zeugen hören konnte. Er war – offenbar bei der Montage einer Satellitenschüssel – aus dem Fenster gefallen und an den Verletzungen gestorben. Ob der Grund für den Zwist der Kurden Marwan und Ayman mit dem Libanesen tatsächlich die belästigte Freundin ist, oder ob der Libanese als Konkurrent im Drogengeschäft störte, ist nicht bekannt.

Einlassung entlang der Beweislinie

Ob mit oder ohne Bewährungswiderruf – sollte Marwan H. jemals wieder nach Deutschland einreisen und wird dabei erkannt, klicken eh die Handschellen. Er gilt als Mittäter des Mordes an Jamal M., dem Besitzer des Bistros „Aladin“ und des Autohandels „Daniel“. Laut seinem Kumpel Ayman E. soll Marwan sogar selbst geschossen haben. „Ich habe ihn zum Döner-Imbiss in der Rudolf-Breitscheid-Straße gefahren und dahinter auf dem großen Edeka-Parkplatz im Auto gewartet. Ich habe Pach, Pach, Pach gehört, aber zu dem Zeitpunkt nicht an Schüsse gedacht. Erst als Marwan wieder ins Auto einstieg und ich die Pistole in seinen Händen sah, bekam ich Panik. Ich sagte er soll das Ding wegmachen. Er verbarg die Waffe daraufhin in meiner Mütze“, schilderte Ayman E. in einem Gespräch mit der DAZ in der JVA Waldheim. In zwei tatgerichtlichen Prozesses hatte er stets seine Unschuld beteuert. Verurteilt hatte ihn zunächst die 1. Große Strafkammer des Landgerichtes Chemnitz zu fünf Jahren. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und ließ die 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Dresden die Sache neu verhandeln. Diese sprach Ayman E. des Mordes schuldig und verhängte eine lebenslange Freiheitsstrafe. In diese bezog sie die Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung im Döbelner Asylheim ein. Ayman E. bemühte sich um die Wiederaufnahme seines Falles. Das ist bei rechtskräftig abgeschlossenen Verfahren nicht so einfach. Es braucht neue, bisher unbekannte Tatsachen. Bei Ayman ist da zum einen seine nunmehrige Einlassung entlang der Beweislinie, die seinen Tatbeitrag in einem anderen, milderen Licht erscheinen lassen soll. Zum anderen der Versuch, den Hauptbelastungszeugen Achmed S. der Falschaussage in den beiden Prozessen zu überführen. Das wäre ein zwingender Grund für eine Wiederaufnahme. Aber die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen dazu eingestellt.

Sieht kein deutsches Gefängnis von innen

Wie zu erfahren war steht die Generalstaatsanwaltschaft Dresden dem Ansinnen einer Wiederaufnahme negativ gegenüber. Für Ayman E. bedeutet das: Er sitzt mindestens 15 Jahre seiner lebenslangen Haftstrafe ab, bevor er vorzeitig auf Bewährung freikommen kann. Marwan H. wird wohl nie ein deutsches Gefängnis von innen sehen, sei es wegen der widerrufenen Bewährung, sei es wegen einer möglichen Verurteilung wegen Mordes. Er wird wohl weiter als Phantom durch die Döbelner Kriminalgeschichte geistern.

Von Dirk Wurzel

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