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Gewagtes Opern-Experiment funktioniert wunderbar

Theater Döbeln Gewagtes Opern-Experiment funktioniert wunderbar

Einen außergewöhnlichen Opernabend bot das Mittelsächsische Theater am Sonnabend: Vincenzo Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ (besser bekannt als „Romeo und Julia“) gab es im italienischen Original in einer von Intendant Ralf-Peter Schulze organisierten dezenten halbszenischen Inszenierung. Das Publikum war begeistert..

Lindsay Funchal als Julia.

Quelle: Jörg Metzner

Döbeln. Einen außergewöhnlichen Opernabend bot das Mittelsächsische Theater am Sonnabend: Vincenzo Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ (besser bekannt als „Romeo und Julia“) gab es im italienischen Original in einer von Intendant Ralf-Peter Schulze organisierten dezenten halbszenischen Inszenierung. Die Aufführung, die hier höchstwahrscheinlich nur einmal zu sehen ist, wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Zu Recht, denn hinter der Produktion verbirgt sich ein durchaus gewagtes Experiment, das jedoch im Döbelner Theater an diesem Abend wunderbar funktionierte.

„Belcanto“ heißt jene Art des italienischen Gesangs, die am Anfang des 19. Jahrhundert von Männern wie Bellini oder Donizetti zur finalen Blüte geführt wurde. Der Terminus meint jedoch nicht nur den „schönen Gesang“ generell, sondern vor allem die Technik, die Sänger für die verzierungsreiche und quirlige Musik benötigen. Dass derlei eigentlich nur funktioniert, wenn die Werke in Originalsprache gesungen werden (denn jede Übersetzung verschiebt mit ihren sprachlichen Besonderheiten den Eigenklang), ist in der Welt des Musiktheaters längst ein Allgemeinplatz.

Gewöhnlich behelfen sich große Opernhäuser darum mit wörtlichen Übersetzungen in Übertiteln – die aber lenken bisweilen vom szenischen Geschehen ab. In Döbeln gibt es deshalb nur knappe Inhaltsangaben, die dann bisweilen zwei bis drei Minuten eingeblendet bleiben, und während dieser Zeit kann das Publikum wunderbar den Protagonisten zusehen und lauschen, wie sie die Geschichte des berühmtesten Liebespaares der Weltkultur auf der nur minimal gestalteten Bühne entfalten. So mutig diese freie Übertitelung auch ist – am Ende fragt man sich, warum andere Häuser noch nicht auf derlei Ideen gekommen sind.

Eine Überraschung birgt auch die Besetzung, denn anders als noch bei Wagner in der Vorwoche wird diesmal die italienische Spezialität komplett von hauseigenen Kräften serviert. Die Krone gebührt dabei dem Hauptpaar: Mezzosopranistin Barbora Fritscher braucht in der Hosenrolle des Romeo zwar szenisch einen Moment, ehe sie die adrenalingeschwängerte Jungmänner-Lässigkeit adäquat zeigt, stimmlich aber ist sie von Anbeginn an auf der Höhe und garniert ihre Rolle mit traumzarten Schmelz in der Stimme.

Kongenial im wirklichen Sinne (denn die Hauptdarsteller agieren sängerisch bis ins Detail als Einheit) ist Lindsay Funchal als Giulietta. Ist ihr Julchen szenisch auch von so viel Jungmädchen-Charme geprägt, dass man zum Finale befürchtet, sie könne mit der Pistole noch einen der herumstehenden Chorsänger verletzen, singt die Sopranistin ihr Publikum ein ums andere Mal in den Belcanto-Himmel. Koloraturen, silbrige Tongirlanden, immer wieder passende Beschleunigung und Verzögerung – Bellini hätte an diesem Paar wohl ebenso wie an der von Juheon Han geschickt geleiteten Philharmonie viel Freude gehabt.

Von Hagen Kunze

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