Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Gödelitz schlägt Brücken: Ost und West kommen auf dem Gut ins Gespräch
Region Döbeln Gödelitz schlägt Brücken: Ost und West kommen auf dem Gut ins Gespräch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:03 22.02.2016
Axel Schmidt-Gödelitz organisiert die „Urmutter der Biografiegespräche“.  Quelle: Natasha G. Allner
Anzeige
Gödelitz

 Der eiskalte Wind pfeift am Sonnabendvormittag über die Felder. Ein paar Regentropfen weichen den Boden auf. Es ist ungemütlich in der Döbelner Region. Richtig behaglich ist es hingegen auf dem Gut Gödelitz. Eine sorgfältig und edel gedeckte Tafel wartet bereits darauf, dass sich die Gäste von Axel Schmidt-Gödelitz an ihr in geselliger Runde stärken und vom Tag erholen. Zuvor gibt es jedoch Gesprächsbedarf – Gespräche, die eine Brücke zwischen Ost- und Westdeutschen schaffen sollen. „Wir wollen über die unterschiedlichen Lebensgeschichten ein gegenseitiges Verständnis dafür schaffen, wie der andere gelebt hat und was ihn geprägt hat. Dadurch wollen wir den Versuch unternehmen, Vorurteile abzubauen. Vorurteile wachsen auf dem Boden von Nichtwissen“, erklärt Schmidt-Gödelitz. Seiner Einladung sind am Wochenende zwei Frauen und vier Männer gefolgt. Normalerweise sitzen bei den sogenannten Biografierunden zehn Teilnehmer beisammen, doch die Grippe verschonte nicht jeden.

In der Runde sitzen ein Pfarrer und Direktor des Diakonisches Werks aus Hannover, eine Lehrerin aus Berlin und ein ehemaliger NVA-Offizier, der in Moskau studiert hat und heute in Dresden lebt. Dazu kommt ein Berliner Wirtschaftsingenieur, eine in Ostdeutschland geborene Lehrerin, die es nach der Wende nach Niedersachsen verschlug und ein heute im Osten lebender Physiker, dessen Forschertrieb und große Neugier ihn schließlich zum Journalismus brachten. Die Zusammensetzung zeigt, welche Strategie Schmidt-Gödelitz verfolgt. In den Biografierunden stoßen die verschiedensten Charaktere, Lebensläufe und Altersklassen aufeinander, die ihrem gegenüber im Gespräch eine neue Sicht auf eine ganz andere Welt eröffnen sollen. Das passiert unter Ausschluss der Öffentlichkeit in ganz intimer Atmosphäre – keine Aufzeichnung oder Mitschrift, die die Gödelitzer Gutsmauern verlassen könnte, wird angefertigt.

Das Konzept macht bereits seit 1992 Schule. Über 4000 Deutsche nahmen bis heute an der „Urmutter der Biografiegespräche“, wie Schmidt-Gödelitz sie nennt, teil. Mittlerweile wird sich jedoch nicht nur auf Gut Gödelitz ausgetauscht. In 20 deutschen Städten kommen in vergleichbaren Runden Türkischstämmige und Deutsche ins Gespräch. Im letzten Jahr öffneten sich die Runden auch für andere Ethnien, wie Schmidt-Gödelitz berichtet. Auf der anderen Seite der Erdkugel sitzen nordkoreanische Flüchtlinge im südlichen Teil der gespaltenen Nation und berichten von ihrem Leben.

Auf unserer Seite der Erdkugel – in Gödelitz – wird es wie gewohnt weitergehen. Acht Biografierunden soll es in diesem Jahr noch geben, wenn die Grippe nicht wieder um sich greift. Die Teilnehmer werden fast ausschließlich aufgrund Empfehlungen aus den vergangenen Runden eingeladen.

Von André Pitz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Wilden Mann in Ostrau wird immer noch gewerkelt. Nun wurde der Schornstein freigelegt und der Gastraum gemalert. Auch Bürgermeister Dirk Schilling hat mit angefasst und sich über die Arbeit der zahlreichen Freiwilligen gefreut.

22.02.2016

Um die Samenvielfalt in der Region zu erhalten, wird im Ökodorf Auterwitz schon seit einiger Zeit Saatgut getauscht. Dieses Jahr hat Claudia Eberlein die Organisation der traditionellen Veranstaltung übernommen. Neben Samen tauschten die Gäste auch wertvolle Erfahrungen aus.

22.02.2016

Lämmchen „Topflappen ist erst seit Donnerstag auf der Welt und schon der Star im Schafstall von Anke Vogel auf dem Kinderbauernhof Auterwitz. Das Kleine ist mit seinem gefleckten Fell äußerst selten und wird von Papa „Bockbock“ energisch verteidigt. Wer es dennoch besuchen kommen will, ist herzlich willkommen.

19.02.2016
Anzeige