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Gras per Post bringt jungen Waldheimer vors Gericht

Justiz Gras per Post bringt jungen Waldheimer vors Gericht

Zuviel Gras brachte ihn die Bredouille. Den Hausarrest der Eltern hat schon er abgesessen. Die Strafe des Gerichtes fiel nun glimpflich aus.

Zuviel Marihuana brachte jüngst einen jungen Waldheimer auf die Anklagebank des Jugendgerichtes. Er hatte sich die getrockneten Blüten der Cannabis-Staude per Post schicken lassen. Allerdings fing der Zoll das Paket ab.

Quelle: dpa

Waldheim/Döbeln. Ein junger Waldheimer hatte sich Marihuana aus Kannada schicken lassen, etwa 120 Gramm. In dem Gras waren knapp elf Gramm des Rauschwirkstoffs Tetrahydrocannabinol drin, was dreieinhalb Gramm über der Grenze zur geringen Mengen liegt, die der Gesetzgeber bei dieser Droge auf 7,5 Gramm festgelegt hat. Der Zoll verhinderte, dass das Gras letztlich nach Waldheim kam.

Ein Jugendschöffengericht des Amtsgerichtes Döbeln sprach den jungen Mann nun der unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge schuldig und verwarnte ihn. Außerdem soll er zehn Termine bei der Suchtberatung wahrnehmen und 200 Stunden gemeinnützig arbeiten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Eltern verhängen Hausarrest

Glimpflich ist das, weil bei diesem Verbrechen der Strafrahmen bei zwei Jahren Haft beginnt, wenn es Erwachsene begehen. Der Angeklagte ist zwischen 18 und 21 Jahre alt, gilt juristisch als Heranwachsender. Das Gericht musste prüfen, ob es ihn als Jugendlichen einstufen kann, der in die Segnungen des Jugendstrafrechts kommt, oder ihn als Erwachsenen ansehen muss, den die volle Härte des Gesetzes trifft.

„Es ist eigentlich nicht üblich, einen Über-18-Jährigen mit Hausarrest zu bestrafen“, sagte das Gericht zur Begründung, weshalb es das Jugendstrafrecht angewendet hat.

Mit Hausarrest und weiteren Verboten hatten die Eltern ihren Sohn belegt, als er ihnen erklärt hatte, weshalb der Zoll angerückt war und das Haus durchsuchte. „Die wussten ja von nichts“, sagte der Schüler, der auch im Prozess reinen Tisch machte und haarklein erzählte, wie und weshalb er sich das Gras schicken ließ. Bestellt habe er es sich demnach im dunklen Teil des Internets, dem sogenannten Darknet. Dort gibt es neben Drogen auch Waffen und andere illegale Dinge. „Ich wollte das Marihuana verkaufen und mir damit einen Nebenverdienst erschließen“, sagte der junge Mann, der auch Drogenkäufe zugab, die nicht angeklagt waren. „Ich bin dem Zoll dankbar, dass er das Paket abgefangen hat. Wer weiß, in welchen Teufelskreis ich geraten wäre, wenn ich nicht aufgeflogen wäre.“ Gleich nachdem die Ermittlungen liefen hat er sich zur Suchtberatung begeben und mit dem kiffen aufgehört. „Seitdem haben sich meine schulischen Leistungen verbessert“, so der Waldheimer.

Kein Kavaliersdelikt

Das Jugendschöffengericht bescheinigte dem Grasbesteller ein hohes Maß an krimineller Energie: „Anstatt einfach nach Tschechien zu fahren und zu schauen, was dort so gibt, haben Sie sich in die Tiefen des Internets begeben. Es führte dem jungen Mann auch vor Augen, was es bedeutet hätte, wenn das Gericht das Erwachsenstrafrecht angewendet hätte und was auf ihn zukommen kann, wenn er noch mal mit einer solchen Straftat auffällt und nicht mehr in die Segnungen des Jugendstrafrechts mit seinem Erziehungsgedanken kommt: Mindestens zwei Jahre Haft. „Da können Sie sich ausmalen, wie lange Sie in den Strafvollzug einziehen. Dagegen ist Hausarrest harmlos.“

Wobei diese Argumentation den sogenannten minder schweren Fall außer acht lässt, bei dem die Strafe milder ausfallen kann und Bewährung möglich ist.

Von Dirk Wurzel

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