Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Große Unsicherheit nach Raub im Parkhaus
Region Döbeln Große Unsicherheit nach Raub im Parkhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:30 28.03.2014

[gallery:600-37609443P-1]

Viele Geschäftsinhaber haben für ihre Mitarbeiter Stellplätze im Parkhaus angemietet. Besonders die Mitarbeiterinnen sind nach dem Raubüberfall am helllichten Tag auf dem Frauenparkplatz auf Deck 3 verunsichert und wollen jetzt andernorts ihr Auto abstellen.

"Unsere Ermittler sind am Ball, um den Straftäter schnellstmöglich dingfest zu machen", sagt Kriminaloberkommissarin Petra Schreiter von der Polizeidirektion Chemnitz. Ob die Überwachungskameras an der Ein- und Ausfahrt des Parkhauses und die Kameras im Umfeld des Kassenautomaten ausgewertet wurden und ob andere Spuren verfolgt werden, teilt sie nicht mit. "Zuviel Täterwissen in der Öffentlichkeit könne es schwieriger machen, den Räuber zu überführen", so ihr Polizeikollege Frank Fischer. Der Ganove hatte am vergangenen Sonnabend, gegen 8.15 Uhr, auf dem dritten Parkdeck einer 40-jährigen Verkäuferin beim Aussteigen aus dem Auto aufgelauert. Er drückte sie zu Boden und gegen den Fahrstuhlschacht des Parkhauses, der sich direkt neben dem Frauenparkplatz befindet, und forderte Bargeld. Er riss der um Hilfe schreienden Frau den Autoschlüssel und die Parkkarte aus der Hand. Aus ihrer sicher am Körper umgehängten Handtasche übergab das Opfer ihre Geldbörse und nutzte diesen kurzen Moment zur Flucht. Der Täter verfolgte die um Hilfe schreiende Frau die Treppenanlage des Parkhauses hinunter. Etwas tiefer waren zwei Frauen im Gebäude, die mit Unverständnis auf die um Hilfe schreiende Frau reagiert haben sollen. Erst weiter unten half ein Mann dem Opfer und rief die Polizei. Der Täter verließ wahrscheinlich das erste Parkdeck zu Fuß über die Ausfahrt.

"Die Frau hat alles richtig gemacht. Man sollte in solchen Situationen nie den Helden spielen und die geforderten Dinge lieber herausgeben, um zu deeskalieren und größere Gewaltausbrüche beim Täter zu vermeiden", sagt Kriminaloberkommissarin Petra Schreiter. Wichtig sei, möglichst körperlich unversehrt zu bleiben. Denn alle materiellen Dinge seien ersetzbar. Gesundheit aber nicht. Zudem sollte versucht werden, sich alles genau einzuprägen, was den Täter beschreibt, Statur, Augen, Haarfarbe, sichtbare Tätowierungen, Kleidung. "Und vor allem ist bei nächster Gelegenheit sofort die Polizei zu alarmieren, damit unsere Kollegen die Chance haben, den Täter vielleicht noch um Umfeld zu stellen", so die Polizistin. Auf Raub als Verbrechenstatbestand steht übrigens eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr.

"In 20 Jahren seit Bestehen des Parkhauses ist dies der erste solche Fall", sagt Norbert Fichtner, der das Parkhaus an der Ritterstraße im Auftrag der Besitzgesellschaft Delta Management verwaltet. Vor einigen Jahren hatte es in den Nächten am Wochenende Probleme mit Jugendlichen gegeben, die schon mal zu Fuß mit dem Bierkasten ins Parkhaus kamen. Seit dieser Zeit gehen zwischen 20 und 6 Uhr die Rolltore herunter. "Ansonsten ist das Parkhaus natürlich ein relativ offenes Haus mit Kameras an der Ein- und Ausfahrt, am Kassenautomaten und an anderer Stelle. Das Parkhaus nach einem solchen Einzelfall verrammeln und jede Ecke mit Kameras ausstatten, ist sicher nicht machbar. Dann findet so etwas wahrscheinlich an einer anderen Stelle statt. Denn eigentlich ist unser Parkhaus fast nie menschenleer", meint der Parkhausverwalter. Über 348 Stellplätze verfügt das Döbelner Innenstadtparkhaus. 106 sind dauerhaft von Gewerbetreibenden, Banken und Behörden in der Innenstadt für ihre Mitarbeiter angemietet. Etwa 60 bis 80 Autos fahren tagtäglich als sogenannte Tages- und Stundenparker ins Parkhaus. Der Markttag am Mittwoch ist der am besten frequentierte Tag im Parkhaus.

Anwohner und Gewerbetreibende in der Döbelner Innenstadt machen sich Sorgen. "Besonders unsere Verkäuferinnen beschleicht früh und abends ein mulmiges Gefühl", so eine Geschäftsfrau. Viele Händler ordnen den Raubüberfall in einer Reihe mit Diebstählen und Einbrüchen in Geschäften ein, die als Form der Beschaffungskriminalität im Drogen- und speziell im Crystal-Millieu gelten. Einige kreidebleiche, rotäugige und oft wirr auftretende Leute, die offenbar in einer Wohnung in der Bäckerstraße ein- und ausgehen, machen den Anliegern speziell Sorgen. Menschen, die ein ernstes Drogenproblem haben, sind demnach kein Stadtrand-Phänomen, sondern auch ein Problem im Herzen der Stadt.

Thomas Sparrer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Weil er seine Frau verprügelte, muss der 44-jährige Döbelner René K. für neun Monate ins Gefängnis. Strafrichter René Stitterich verurteilte den gelernten Schlosser gestern wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu dieser Strafe.

27.03.2014

Katrin Becker ist den Tränen nahe. "Was hier abgeht, ist existenzbedrohend. Ich bin am Ende mit meinem Latein. Was soll ich noch machen?", sagt und fragt die Inhaberin des Lottogeschäftes am Obermarkt.

26.03.2014

Ab morgen wird es ernst in punkto neue Müllgebühren: Die Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen (EKM) versenden die Bescheide zur Vorauszahlung der Gebühren für 2014. Die Grundstückseigen- tümer und Wohnungsgesellschaften müssen zunächst sechs Entleerungen in der Behälterklasse 80 bis 240 Liter im Voraus bezahlen.

26.03.2014
Anzeige