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Döbeln Großweitzschener Grundschüler zieht es ins Zirkuszelt
Region Döbeln Großweitzschener Grundschüler zieht es ins Zirkuszelt
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00:20 12.08.2017
Üben für den großen Auftritt. Quelle: Gerhard Dörner
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Großweitzschen

„Messer, Gabel, Schere, Licht gehören in Kinderhände nicht“, heißt ein volkstümliches Sprichwort, das normalerweise auch an der Grundschule Großweitzschen beherzigt wird. Doch in dieser Woche dürfen die Schüler zumindest beim Licht eine Ausnahme machen. Denn der Projektcircus Sperlich aus Meltendorf bei Wittenberg ist zu Gast und studiert mit den 84 Grundschülern ein Programm ein, dass Eltern, Lehrer und Anwohner von den Bänken der Manege reißen soll. Dazu gehört auch eine Feuershow, bei der die Kinder zeigen, dass sie fakirähnliche Fähigkeiten besitzen: Die flache Hand an die brennende Fackel? Kein Problem für die Dritt- und Viertklässler. „Ist schön warm“, sagten sie am Dienstag nach dem ersten Probentag grinsend. Auch aufs Nagelbrett legen sie sich locker mit nacktem Oberkörper. Und eine drei Meter lange Madagaskarboa halten die Kinder zu zwölft ebenfalls problemlos – zumindest beim Üben ohne Schlange. „Das Tier holen wir nur zur Vorführung heraus. Dann wird es fünf Minuten gezeigt und wieder ins Terrarium gebracht, um so viel Stress wie möglich zu vermeiden“, erklärt Zirkusdirektor André Sperlich. Nach Kritik von Tierschützern und Schulämtern habe man sich in der Tierhaltung stark eingeschränkt. Schafe, Ziegen oder Pferde gibt es nicht mehr im Projektcircus. Stattdessen hat man neben der Schlange nur noch Hasen und Tauben dabei.

Letztere wiederum sind ebenfalls Bestandteil der Show, die morgen um 17 Uhr und am Sonnabend um 10 Uhr im Zelt auf dem Schulhof gezeigt wird. Bei den Proben hatten die Kinder schnell ihre Angst überwunden und ließen die weißen Edelfedern vorsichtig auf ihre Hände steigen. Dort bleiben sie dann auch ruhig sitzen, als die Kinder anfingen, zu tanzen.

Die ganze Woche verbringen die Kinder mit dem Zirkusprojekt, das nur alle vier Jahre an die Grundschule kommt, so dass jedes Kind in seiner Schulzeit dort einmal mitmachen kann. Der versäumte Unterricht der ersten Schulwoche wiegt dabei weniger schwer als die wertvollen Erfahrungen, die die Kinder bei den proben und Auftritten machen, meint Schulleiterin Anita Reppe. „Ich staune, was die Kinder sich trauen“, sagte sie bewundernd, während einige ihrer Schüler sich am Trapez und auf dem Drahtseil versuchten. Claudia Wätzig hat je ein Kind in der ersten und zweiten Klasse und ist als zusätzliche Aufsichtsperson bei den Proben dabei. „Sorgen macht man sich keine, sonst würden die Artisten das mit den Kindern nicht machen. Dagegen ist es spannend zu sehen, wie sie über sich hinaus wachsen“, freut sie sich.

André Sperlich und seine Familie haben aus dem im Jahr 2000 als normalen Zirkus gegründeten Unternehmen mit den Schulen eine ganz neue Geschäftsidee entwickelt, die allen Seiten hilft. Seit sie 2005 zum ersten Mal ein damals als einmalige Sache geplantes Schulprojekt durchgezogen haben, haben sie ihren Zirkus auf drei Teile erweitert. Jeder ist komplett ausgestattet pro Jahr an 40 Schulen bundesweit unterwegs, André Sperlichs Vater weilt derzeit an einer Schule in Radeberg, sein Bruder in Dresden. „Das ist Lernen mit anderen Mitteln. Das Sozialverhalten wird verbessert, auch weil der Klassenverband aufgelöst ist. Alle Altersgruppen arbeiten zusammen. Zudem wird das Selbstbewusstsein gestärkt, denn die Kinder stehen im Rampenlicht“, erklärt er. Von den sportlichen Fertigkeiten von Akrobaten, Jongleuren, Trapez- und Drahtseilkünstlern einmal ganz abgesehen. Am Montag wurden die Schüler in Gruppen eingeteilt – je nach Wünschen und Vorlieben. Manche treten auch als Clowns auf, andere zeigen eine Piraten-Zaubershow. Weil die Schülerzahl in Großweitzschen nicht ausreicht, sind auch noch die 50 Vorschüler aus den Kitas Großweitzschen, Mockritz und Westewitz dabei. Sie zeigen einen Schwarzlicht-Tüchertanz. Zehn Zirkusmitarbeiter trainieren mit den Kindern. Der Vertrag für 2021 ist schon geschlossen. Dann kommt der Zirkus für die nächste Grundschülergeneration zurück nach Großweitzschen.

Von Sebastian Fink

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