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Großweitzschens Milliarden-Ding: Geldfund unterm Kriegerdenkmal

Scheine heute wertlos Großweitzschens Milliarden-Ding: Geldfund unterm Kriegerdenkmal

Restaurator Joachim Weigel hat schon viel gesehen. Aber so einen Glaszylinder voller Geldscheine im Wert von mehreren Milliarden Reichsmark, ist ihm auch noch nicht unter gekommen. Leider ist das Inflationsgeld aus den 1920er Jahren, das er im Dach des Großweitzschener Kriegerdenkmals fand, heute nichts mehr wert.

Joachim Weigel restauriert derzeit das Kriegerdenkmal an der Kirche Großweitzschen. Mit dem 500 Millionen-Mark-Schein kann er nichts mehr anfangen.

Quelle: Gerhard Dörner

Großweitzschen. Joachim Weigel hat viel Humor. Der Chemnitzer Restaurator, der schon überall in Sachsen Baudenkmäler wieder hergerichtet hat, sagt immer, wenn er auf sein Befinden angesprochen wird: „Mir geht es gut, ich bin sogar steinreich“, und lacht ob des Scherzes eines Steinmetzmeisters. In Großweitzschen, wo er seit einigen Wochen am Kriegerdenkmal nahe der Kirche arbeitet, ist sein Witz nun aber Realität geworden. Einen ganzen Glaszylinder voller Geldscheine hat er im Dach der roten Steinkonstruktion von 1924 gefunden. Eine Milliarde Reichsmark, 500 Millionen Reichsmark – jede Menge Scheine. Doch auch zeigt sich: Papier ist geduldig. „Das ist Inflationsgeld von 1923, das ist heute nichts mehr wert. Das haben damals wahrscheinlich die Bauleute reingelegt, weil sie es übrig hatten und es nicht mehr gebraucht wurde“, mutmaßt Weigel. So kann sich Großweitzschens Bürgermeister Ulrich Fleischer die Überreste einer wirtschaftlich schweren Zeit höchstens noch an die Wand seines Büros hängen.

Dafür bekommt die Gemeinde bis Ende September ihr Denkmal an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in neuem Glanz zurück. So lange wird Joachim Weigel noch daran zu tun haben. Zwar hat er schon an wesentlichen größeren Objekten gearbeitet wie der Meißener Albrechtsburg, dem Dresdner Zwinger oder dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Dennoch sei das rund drei Meter hohe Mahnmal in Großweitzschen eine Herausforderung. „Restauratorisch ist es nicht einfach, weil alles drin ist: Ich muss es festigen, Risse schließen, die Konstruktion sichern und die Oberfläche sanieren“, erklärt er. Zudem verfolgt der Steinmetzmeister, der sich vor 30 Jahren zum Denkmalpfleger weiterbilden ließ und auch über eine bildhauerische Ausbildung verfügt, hehre Ziele mit einer Arbeit. „Für mich ist ein Beweggrund, nicht nur die großartigen Denkmale zu sanieren. Jedes Denkmal, das verschwindet, ist verlorene Geschichte.“

Rund 10 000 fließen aus Spenden von Anwohnern sowie der Gemeindekasse in das Projekt, das durch die Erinnerung an 100 Jahre Erster Weltkrieg angestoßen wurde. 28 Namen gefallener Großweitzschener sind hier zu lesen. „Das Denkmal zeugt von der großen Bedeutung, die die jungen Männer hatten, weil sie im Ort gefehlt haben“, sagt Weigel. „Der Erste Weltkrieg wurde im Bewusstsein durch den Zweiten Weltkrieg überfrachtet. Jetzt sagen Familien, da liegen meine Eltern oder Großeltern.“

Die lange Bearbeitungsdauer von mehr als drei Monaten erklärt sich auch durch die Eigenheiten der verwendeten Materialien. In die Risse im mit Porphyrmehl rot gefärbten Kunststein wird mit Hilfe von Kanülen ein Epoxidharz eingepresst. Was aussieht wie Akupunktur, verschließt den Stein wasserdicht. Das dauert seine Zeit. „Das Material braucht drei bis vier Wochen Reaktionszeit. Außerdem bin ich abhängig von der Witterung“, sagt der 64-Jährige.

Von Sebastian Fink

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