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Döbeln Grünlichtenberger Orgel braucht neue Pfeifen – dafür singen die Notendealer
Region Döbeln Grünlichtenberger Orgel braucht neue Pfeifen – dafür singen die Notendealer
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12:16 14.07.2016
Am 30. Oktober singen die Notendealer in der Grünlichtenberger Kirche. Quelle: privat
Grünlichtenberg

099 Pfeifen hat die Orgel in der Grünlichtenberger Kirche. Vor allem die aus Metall will der Kirchenvorstand jetzt erneuern lassen. Denn diese bestehen aus Zink und nicht wie sonst üblich aus Zinn. Das kostet natürlich viel Geld. Mit einem Benefizkonzert will die Gemeinde Geld einspielen, um ihr Scherflein zur Orgelsanierung beizutragen. Die Gemeinde Kriebstein organisiert das mit. So werden am 30. Oktober die „Notendealer“ für die Orgel in Grünlichtenberg singen, die Christian Friedrich Göthel 1867 gebaut hat. Seine Handschrift als Instrumentenbauer hinterließ Göthel übrigens auch in der Simselwitzer Kirche.

„Unsere und die Simselwitzer Orgel sind die nördlichsten Instrumente von Göthel“, sagt Michael Kreskowsky, Kirchenvorstand in Grünlichtenberg. 1917 verschwanden die Zinnpfeifen aus dem Prospekt der Grünlichtenberger Orgel. Das Metall war kriegswichtig. 13 Jahre lang fehlten sie ganz, dann ließ die Gemeinde Pfeifen aus Zink einbauen. Ihre letzte grundhafte Sanierung erlebte die Orgel 1959. Es ist also Zeit, mal wieder was zu tun. 85 000 Euro soll die Sanierung kosten. Dabei ersetzen die Orgelbauer nicht nur die Zink- durch Zinnpfeifen. Auch die hölzerne Fassade des Großinstruments samt der Schleierbretter lässt die Gemeinde restaurieren, was eine Leisniger Firma erledigen soll.

Im Herbst wieder Tonstudio

Das Umfeld der Orgel ist bereits wieder schick. Die sanierte Grünlichtenberger Kirche glänzt wieder als kleines Schmuckstück klassizistischer Baukunst mit Kanzelaltar. 450 Leute passen auf die Bänke im Schiff und auf den Emporen. Das Haus soll möglichst voll sein, wenn die Freiberger A-Capella-Truppe „Die Notendealer“ Ende Oktober hier ein Benefizkonzert gibt. Das war eine Idee der Kriebsteiner Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler). „Der Kirchenvorstand kam auf uns zu und bat um eine Spende“, berichtet die Bürgermeisterin. Der Wille dazu war vorhanden. Aber wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein „Geht nicht“. Dass die Gemeinde der Kirche Geld spendet, geht in diesem Fall aus kommunalrechtlichen Gründen nicht. Also unterstützt die Gemeinde die Kirchgemeinde jetzt mit dem Benefizkonzert, verkauft unter anderem die Eintrittskarten für 15 Euro in der Gemeindeverwaltung in Kriebethal und deren Außenstelle in Grünlichtenberg, was die Grundschule ist. Dass für ein Konzert in der Grünlichtenberger Kirche Eintritt bezahlt werden muss, ist ungewöhnlich. Normalerweise kommen die Besucher der vielen anderen Musikveranstaltungen kostenlos rein, und die meisten spenden am Schluss, wenn der Klingelbeutel rumgeht.

Für die erforderliche Sanierung der Grünlichtenberger Göthel-Orgel will die Gemeinde Geld einspielen. Dafür wird es am 30. Oktober ein Konzert mit den „Notendealern“ geben. 85.000 Euro kostet die Erneuerung des Schmuckstückes. Hier einige Impressionen.

Nicht nur Michael Kreskowsky weiß dieses Engagement zu schätzen. „Prima, dass sich dort so viele ins Zeug legen. Ich bin gewiss, dass die Grünlichtenberger das wie immer mit vereinten Kräften schaffen“, sagt Waldheims Kantor René Michael Röder, zu dessen Arbeitsgerät die Grünlichtenberger Orgel ja schließlich auch gehört. Die Kirche wiederum ist wegen ihrer hervorragenden Akustik für CD-Aufnahmen geeignet. Was Kantor Röder wiederum nutzt, wenn er mit der Capella Daleminzia, Chor und Solisten den Notenschatz von Melchior Vulpius wieder erklingen lässt und das digital konserviert. Im Herbst wird die Grünlichtenberger Kirche wieder ein Tonstudio sein.

Fallrohr für den Hühnerstall

Im Herbst soll auch die Orgelsanierung beginnen. Während der Bauzeit, die sieben bis acht Monate dauern kann, wird es ein Ersatzinstrument geben, sagt Michael Kreskowsky. Und hat bereits Pläne für die Interimsorgel. „Da werden wir hier mal den Musikunterricht abhalten.“

Michael Kreskowsky kann ebenfalls Orgel spielen. Und auch ganz viel über das Instrument in „seiner“ Kirche und ihren Erbauer erzählen. Christian Friedrich Göthel lebte von 1804 bis 1873 und entstammt einer Instrumentenbauerfamilie. Sein Vater stellte unter anderem Geigen und Drehorgeln her. „Als Orgelbauer war Christian Friedrich Göthel Autodidakt. Er hat sich die Inspiration für seine Orgeln bei den Instrumenten von Silbermann geholt“, sagt Michael Kreskowsky. 14 von insgesamt 26 Göthel-Orgeln sind im Gebiet der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen erhalten.

Wenn bei der Restaurierung der Grünlichtenberger Orgel die alten Zinkpfeifen frei werden, hat Michael Kreskowsky bereits eine Idee, was aus diesen werden könnte. „Wir werden sie verkaufen. Falls jemand ein Fallrohr für den Hühnerstall braucht, wird er da sicher fündig.“ Denn schließlich ist die größte dieser Zinkpfeifen über zwei Meter lang und darum als Fallrohr gut geeignet.

Von Dirk Wurzel

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