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Döbeln Haare schneiden oder Traktor reparieren?
Region Döbeln Haare schneiden oder Traktor reparieren?
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00:39 27.05.2018
Im Friseursalon Richter in Ostrau zeigten die Bald-Meisterin Kim-Eileen Richter (l.), Chefin Simone Richter (2.v.l.) und Auszubildende Celine Helbig (r.), was künftige Lehrlinge erwartet. Quelle: Sven Bartsch
Region Ostrau

Wer am Donnerstag im Ostrauer Gewerbegebiet unterwegs war, konnte zwischen 8 und 14 Uhr alle zwei Stunden eine kleine Völkerwanderung beobachten. Gruppen von Schülern aus der Oberschule Stauchitz liefen von einem Betrieb zum nächsten, um sich in 22 Ausbildungsberufen umzusehen. Vom Hammer Einrichtungsmarkt zur Meffert AG, von Porst Landtechnik zur Tophi GmbH.

Eingeladen hatte Christa Müller, Prokuristin der Pietsch Haustechnik Ostrau, die die Beruferallye zum dritten Mal organisierte und sich über eine steigende Zahl an Unternehmen freuen durfte – 14 waren es diesmal, unter anderem auch erstmals aus Zschaitz (Dachdecker Kunze) und Rittmitz (Litzke GmbH).

„Es bringt auf jeden Fall was“

„Es bringt auf jeden Fall etwas. Es gab Jahre, in denen wir keine einzige Bewerbung mehr hatten. Seitdem wir auf Messen und Tage der offenen Tür an Schulen gehen, kommen wieder fünf bis sieben Bewerbungen und es landen welche aus der Beruferallye beim Praktikum hier“, stellte Rico Herrmann, Werkstattleiter bei Porst Landtechnik in Ostrau, fest.

Die Firma, in der vom Traktor bis zum Mähdrescher alles angeboten und repariert wird, nahm an allen drei Durchgängen mit zusammen 16 Schülern teil – ausnahmslos Jungs, die sich für den Beruf des Land- und Baumaschinentechnikers interessierten. Dabei musste Rico Herrmann einigen auch klar die Richtung weisen. „Ich werde auf jeden Fall Mechaniker, das kenne ich schon von meinem Vater. Ich mache nur Hauptschulabschluss, dann bin ich schneller von der Schule“, meinte nämlich Kevin Herrmann.

Mechatroniker braucht guten Realschulabschluss

„Für den Mechatroniker ist aber ein guter Realschulabschluss notwendig, wenigstens Note 2,5 und man sollte in Mathe und Physik nicht so schlecht sein“, klärte der Werkstattleiter auf.

Bei diesen Aussichten machten einige Schüler dicke Backen. Und doch war ihnen die Faszination des Tages anzumerken, drei Berufe hautnah erleben zu können. „Ich war vorher schon bei Augenoptik Sandow, da hat mir der Optiker gleich die Brille gerichtet. Und ich hätte nie gedacht, dass man da die Linsen vorher so extrem schleifen muss“, erzählte Georg Krause.

Und Nils Lehnhart, der auch beim Technikcenter in Pulsitz vorbeischaute und gern Mechatroniker werden will, meinte: „Es gefällt mir, mal in drei Berufsrichtungen schauen zu können.“

Friseure bekommen mehr als Mindestlohn

Während sich bei Porst nur Jungs zeigten, hatte Friseurmeisterin Simone Richter in ihrem Salon in Ostrau nur Mädchen zu Gast. Ihre Tochter Kim-Eileen, derzeit angehende Meisterin, erklärte den Mädchen, wie sehr sich der beruf entwickelt habe. „Der Friseur bekommt nicht nur Mindestlohn, die Zeiten sind vorbei. Die Löhne steigen, also scheut euch nicht, eine Ausbildung hier zu machen“, sagte sie.

Simone Richter freute sich derweil über 17 angemeldete Mädchen – mehr als im Vorjahr. „Hier kann eine kleine Firma demonstrieren, was aus dem Friseurberuf werden kann, nicht nur Haare schneiden, auch Meister, Fachwirt, Laborant oder Maskenbilder“, zählte sie auf.

Auszubildende aus Stauchitz schon da

Ein Paradebeispiel für ihre Jugendarbeit ist ihre Auszubildende Celine Helbig, die ebenfalls aus Stauchitz stammt, ein Praktikum absolvierte und nun bald das erste Lehrjahr geschafft hat. „Junge Leute bringen Schwung rein, das hält den Kopf fit“, betonte Simone Richter.

Vom Konzept ließ sich auch die Litzke GmbH in Rittmitz überzeugen und lud erstmals sieben Jugendliche ein. Firmengründer Henry Litzke und Sohn Franz zeigten den Jungs, dass ein Anlagenbauer für Heizung, Sanitär und Klimatechnik weit mehr kann, als der Klempner in früheren Tagen.

Handwerk nicht mehr so einseitig

„Das Handwerk verändert sich, ist nicht mehr so einseitig. Jeder Mitarbeiter fährt mit einem topp ausgestatteten Firmenauto, muss auf vielen Gebieten fit sein. Mathe und Physik sind wichtig, aber eben auch die Einstellung“, erklärte Heike Litzke, die den Familienbetrieb mit ihrem Mann führt.

In der Firma Litzke in Rittmitz, die Heizung- und Klimaanlagen sowie Sanitärtechnik verbaut, konnten die Schüler die Vielseitigkeit des Handwerks kennenlernen. Quelle: Sven Bartsch

Um das Interesse der Achtklässler zu wecken, fuhren die Männer mit ihnen sogar zur Meffert AG nach Ostrau, um eine große Heizanlage zu zeigen, die die Firma dort kürzlich eingebaut hatte. So schloss sich der Kreis für die Schüler wieder.

Von Sebastian Fink

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