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Döbeln „Hab dich!“: Hartha nähert sich spielerisch seinen Migranten
Region Döbeln „Hab dich!“: Hartha nähert sich spielerisch seinen Migranten
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23:46 23.04.2018
Ausgelassen beim Spielenachmittag im Diakonat: Nima (5), Martin (5) und Shabi (7) hatten sichtlich ihren Spaß (von links nach rechts). Quelle: Foto: Manuel Niemann
Hartha

Ein paar Tische werden zusammengeschoben, Stühle daran gestellt und schon kann losgehen. Es braucht nicht viel für einen Spielenachmittag. Ein Raum dafür fand sich am Mittwoch im Diakonat. Die Spiele kamen wie Tee und Kekse von daheim. „Jeder bringt etwas mit, so dass es nicht so viel kostet“, sagte Pfarrerin Susanne Willig, die mit dem Harthaer Helferkreis den Termin organisiert hat.

Raum für ungezwungenes Kennenlernen

Am Wochenende davor gab es an derselben Stelle Kino für Kinder und Erwachsene. Der Spielenachmittag ist ein weiterer Versuch, Migranten, die nach Hartha gekommen sind, und die Bewohner der Stadt zusammenzubringen. Es kann sich ungezwungen kennengelernt werden. Das klappt, auch wenn wenige „Altharthaner“ beim ersten solchen Nachmittag zugegen waren. Die, die gekommen waren, sind ohnehin im Helferkreis oder Harthaer Vereinen engagiert.

Die Tücken des Alphabets

„Wir spielen jetzt Quartett!“, verkündete kurz ein älterer Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte, um nicht im Mittelpunkt zu stehen. Er kommt aus der Nachbarschaft einer der Familien. Sie haben ihn eingeladen. Am Tisch ist er dann doch im Mittelpunkt: Er schart Männer im Jungen- bis Rentenalter um sich. Die starren im nächsten Moment auf Katzenbilder, von denen immer vier ein Quartett im Kartenspiel bilden. Ohne die Buchstaben oben auf der Karte fällt es schwer zuzuordnen, welche Kurzhaarkatze zu einer anderen gehört. Die Lettern sind für Menschen, die noch Deutsch lernen, nicht immer eine Hilfe: Proteste, als sich unter drei C ein G gemischt hat.

Spaß am „Mensch ärgere Dich nicht“-Prinzip

Am Nebentisch widmen sich Frauen und kleinere Kinder einem Spiel, bei dem nach „Mensch ärgere Dich nicht“-Manier Figuren aus dem Spiel genommen werden. Hier sind es nicht die Gegenspieler, sondern das Spielfeld, das kleine Plastikhasen dezimiert: Ein Dreh – und auf dem nachgebildeten Hasenhügel tun sich Erdlöcher auf. Das sorgt für Spaß. „Die Kinder kennen das Spiel schon aus dem Kindergarten“, sagt Sylke Weise, die mit am Tisch sitzt und ab und zu für Teenachschub sorgt.

Ideen gehen nicht aus, doch es fehlen Räume

Während Spielfiguren in Kinderhänden ein Eigenleben entwickeln, ein Würfel im Mund eines Mädchens verschwindet und wieder herausgelupft wird oder Männer auf Katzen starren, diskutieren Pfarrerin Willig und ihre Mitstreiterinnen, wie es weiter geht. Gern würden sie einen Nähkurs für die Frauen anbieten. Was, wie so oft, die Frage nach einem geeigneten Raum aufwirft. Auch die Spielenachmittage sollen in Serie gehen. Schön wäre es, wenn sie mehr Menschen anziehen.

Dass diese verbinden, zeigen diese zwei Stunden bereits: So sitzen jesidische Christen aus dem Irak neben den afghanischen Eltern, deren Kinder um die Tische flitzen und beim Fangen „Hab dich!“ rufen – in akzentfreiem Deutsch.

Von Manuel Niemann

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