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Hacker aus Geringswalde knackt Internetseite von Interpol

Minister auf Fahndungsliste gesetzt Hacker aus Geringswalde knackt Internetseite von Interpol

Wenn Interpol nach Sachsens Innenminister Markus Ulbig fahndet, ist etwas Faul im Freistaat Sachsen. Verantwortlich für Ulbigs Auftauchen in der internationalen Verbrecherkartei ist allerdings Matthias Ungethüm. Der 27-Jährige aus Geringswalde ist von Beruf Hacker und hat eine Sicherheitslücke auf der Internetseite von Interpol offen gelegt.

Matthias Ungethüm mit Laptop im Grünen.
 

Quelle: Wolfgang Sens

Geringwalde.  Wenn Interpol nach Sachsens Innenminister Markus Ulbig fahndet, dann ist etwas Faul im Freistaat Sachsen. Doch tatsächlich hat sich Markus Ulbig gar nichts zu Schulden kommen lassen, zumindest nichts, was ihn auf die Fahndungsliste der meistgesuchten Verbrecher bei der größten Polizeiorganisation der Welt bringen würde.

Verantwortlich für Ulbigs Auftauchen in der internationalen Verbrecherkartei ist Matthias Ungethüm. Der 27-Jährige aus Geringswalde ist von Beruf Hacker. Was in jungen Jahren als Hobby begann und ihm auch schon mal eine Verurteilung zu gemeinnütziger Arbeit einbrachte, betreibt der Computerfreak heute beruflich. Er verdient sich seinen Lebensunterhalt, in dem er sich in der Regel in Firmennetzwerke, Onlineshops und Computersysteme einhackt und die Verantwortlichen über die Sicherheitslücken informiert.

Am 30. Mai hatte es der junge Mann geschafft, die Seiten von Interpol im Internet zu knacken. „Über das Kontaktformular auf der Seite habe ich den Administrator der Seite angeschrieben, über die Sicherheitslücke informiert und detailliert geschildert, wie ich das Türchen aufbekommen habe“, schildert Matthias Ungethüm. Bis Mittwoch tat sich allerdings nichts. Erst als der junge Mann kurzzeitig die Fahndungs- und Vermisstenliste manipulierte und der sächsische Innenminister auf der Interpol-Verbrecherliste auftauchte, reagierte die internationale Polizeibehörde und schloss die Sicherheitslücke.

Es ist nicht das erste Mal, dass Matthias Ungethüm auf solche Art und Weise auf sich aufmerksam gemacht hat: 2013 berichtete die DAZ über ihn, nachdem er das Internetportal eines weltweit führenden Spieleanbieters gehackt hatte. Auch beim Videoportal My Video, bei Paypal, T-Online, der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA und der europäischen ESA fand er Sicherheitslücken. Größter Coup war 2014, als der Geringswalder die Webseiten des amerikanischen Nachrichtendienstes NSA knackte. 2015 gelangte er ins Netzwerk des FBI und setzte sein Foto auf die Top-10-Liste der meistgesuchten Amerikaner. Zuletzt machte er dem britischen Nachrichtendienst GCHQ) (Government Communications Headquarters zu deutsch Regierungskommunikationszentrale) auf Sicherheitslücken aufmerksam. Auch Facebook-Server hat Matthias Ungethüm schon geknackt. „Facebook reagierte lange überhaupt nicht, hat die Sicherheitslücke aber zwischenzeitlich geschlossen“, schildert der 27-Jährige.

Heute lebt der einstiger Hauptschüler von seinem Hobby und hackt ganz professionell für Firmen nach Sicherheitslücken in deren Netzwerken. Allerdings lässt er sich dabei nicht unter Druck setzen. „Ich brauche Zeit zum Hacken. Mehr als ein größerer Auftrag im Monat geht da nicht.“ Leben kann der junge Mann, der im Haus seiner Eltern eine eigene Wohnung bewohnt, aber ganz gut davon.

Von Thomas Sparrer

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