Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Leisnig: Nachlässige Hausbesitzer enteignen
Region Döbeln Leisnig: Nachlässige Hausbesitzer enteignen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:44 09.02.2018
Rückt erstmal der Abrissbagger an, ist es zu spät. Stattdessen kann Leerstand eine Chance sein, alte Bausubstanz zu erhalten: Der Weg ist frei für neue Nutzungsideen. Quelle: Sven Bartsch
Anzeige
Leisnig

Wer sich sorgt um leer stehende alte Gebäue in Leisnig und Umgebung, der kann sich ab jetzt an den Geschichts- und Heimatverein wenden. Das ist ein Ergebnis der jüngsten Podiumsdiskussion zum Thema „Leerstand als Chance“. Montag Abend hatte der Abgeordnete Wolfram Günther von der sächsischen Landtagsfraktion der Partei Die Grünen dazu eingeladen.

Kann der Leerstand eines alten, denkmalgeschützten Hauses tatsächlich eine Chance sein, das Gebäude zu retten und zu erhalten? Günther meint: Ja. Leerstand kann eine Chance sein, alte Bausubstanz zu erhalten: Der Weg ist frei für neue Nutzungsideen. Mit dieser Meinung ist Günther nicht allein. Im Podium saß Frank Pastille aus Grimma. 1996, als Student, aus Duisburg nach Sachsen gekommen, fuhr er einfach nicht wieder heim, hat seitdem mehrere alte, auch denkmalgeschützte Häuser gekauft und schonend saniert – mit nicht einmal viel Geld, wie er sagt. Doch mit viel gutem Rat aus der Denkmalbehörde. „Es ist mehr wert, als man sich vorstellen kann, dass man nämlich weiß, wohin man sich wenden kann, um Unterstützung zu bekommen.“

Zu der Zusammenkunft in Fischendorf kamen zirka 30 Zuhörer aus dem Altkreis Döbeln, so aus den Regionen um Waldheim und Döbeln, darunter einige Hauseigentümer, die zum Tag des offenen Denkmals vom Landkreis Mittelsachsen mit dem Denkmalpreis ausgezeichnet wurden. In der Runde äußerten jedoch auch einige Leisniger Besorgnis über den Zustand einzelner Immobilien, die sie schon fast als dem Untergang geweiht betrachten. Das so genannte Olbricht-Haus in der Friedrich-Naumann-Straße ist darunter – ein prominentes und zugleich trauriges Beispiel dafür, wie sich ein Eigentümer der Verantwortung konsequent entzieht. Jörg Liebig von der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Mittelsachsen, erläutert: „Natürlich gibt es auch laut Gesetz die Möglichkeit, jemanden zu enteignen. Das wurde zumindest in den neuen Bundesländern in den vergangenen 27 Jahren nicht praktiziert. Jedoch gibt es jetzt in Thüringen einen Fall, wo das versucht wird. Viele blicken nun gespannt dort hin, um zu erfahren, wie das ausgeht.“

Doch was tun mit einem Haus, was seinem Vorbesitzer weggenommen wird? In der Podiumsdiskussion wurde die Forderung ausgesprochen, die Kommune müsse derartige Gebäude übernehmen, Geld von der Bundesregierung bekommen zum Sanieren – und dann das Haus weiter vermarkten. Wie realistisch das ist, das wurde Montagabend nicht geklärt. Bürgermeister Tobias Goth (CDU) und Bauamtsleiter Thomas Schröder sprangen zumindest nicht sehr enthusiastisch auf diesen Vorschlag an. Was maximal von der Kommune verlangt werden könne, ist die Gefahrenabwehr, falls von einem Grundstück Gefahr für den öffentlichen Raum ausgeht. Goth informierte auch darüber, dass sich die Eigentümer von historischer und deshalb sehr reizvoller Bausubstanz in Leisnig zunehmend in Europa und der Welt verstreuen. Mittlerweile ging das Eigentum an Menschen in Irland oder auch arabische Länder, je nach dem, auf welchen Wegen sie in den der neuen Eigentümer gelangen. Unter anderem spielen Versteigerungen von Auktionshäuern dabei eine Rolle - für die Gebäude nicht immer eine rühmliche.

Im Ergebnis der zweistündigen Diskussion wollte Gastgeber Günther gern Resultate sehen. Er drang darauf, dass in Leisnig ein sofortiger Nachfolgetermin vereinbart wird, damit das Thema in der Öffentlichkeit präsent bleibt. Uwe Reichelt, Vorsitzender des Leisniger Geschichts- und Heimatvereins, dazu: „Wir werden uns dazu bekennen und das in der Zeitung bekannt geben.“ Das Büro des Heimatvereins im Rathaus ist täglich 8 bis 13.30 Uhr besetzt. Es könne jeder, der zu dem Thema Hinweise geben möchte, dorthin kommen. Telefonisch sei das Büro zu erreichen unter der Nummer 03431/66 644.

Von Steffi Robak

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Eine erneute große Koalition ist an der SPD-Basis umstritten. Das ist auch in der Region Döbeln so. Zu einem klaren „Ja“ zur erneuten Beteiligung ihrer Partei an einer Regierung an der Seite der CDU unter Kanzlerin Angela Merkel kann sich keiner der Genossen durchringen, die die DAZ zu diesem Thema befragt hat. Es überwiegt die Ablehnung.

16.01.2018

Zehn Jahre wurde sie im vergangen Jahr. Die Hartharena wird auch 2018 als Veranstaltungsort Besucher nach Hartha ziehen. Bleiben die Jugend und der Sport da auf der Strecke? Die DAZ unterhielt sich mit Günter Roßberg, dem Geschäftsführer des städtischen Kultur- und Sportbetriebs und gibt einen Ausblick auf das Jahr.

19.01.2018

Für nur 1,19 Euro etwas für die Umwelt tun – so macht es die Gemeinde Zschaitz-Ottewig mit dem Kauf des Trafohauses im Ortsteil Dürrweitzschen. Stromanbieter Mitnetz überlässt der Kommune das gut gepflegte Gebäude für den Tierschutz. Zusammen mit Kita-Kindern und Nabu sollen hier Nistplätze für Fledermäuse und Vögel hinein.

15.01.2018
Anzeige