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Döbeln Haftstrafe für Döbelner Geisterfahrer
Region Döbeln Haftstrafe für Döbelner Geisterfahrer
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23:53 15.01.2013

Die Nacht des 16. Juli vergangenen Jahres wird Carsten V. so schnell nicht vergessen: Auf der Staatsstraße 39 bei Roßwein hielt ein Auto auf ihn zu. Trotzdem der Mann ganz nach rechts auswich, donnerte der Opel Vectra in seinen Pontiac-Bonneville. Der Aufprall schleuderte den robusten amerikanischen Oldtimer aus den 1960er Jahren 14 Meter weit. Carsten V. zog sich bei dem Zusammenstoß keine schweren Verletzungen zu. Relativ glimpflich kam die andere Wagenbesatzung davon: Tobias D. aus Döbeln und Cindy N. aus Dahlen, ein Paar das während der Autofahrt im Clinch lag. Cindy N. brach sich "nur" den Arm - nur, weil solche Unfälle auch tödlich enden oder zu Querschnittslähmungen führen können.

Nach Ansicht der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Simone Herberger hat sich Tobias D. des versuchten Totschlags schuldig gemacht. "Sie sind frontal und ohne Lenkversuch auf ein Fahrzeug zugefahren, welches bereits maximal ausgewichen ist", sagte die Vorsitzende. Nach Berechnungen der Dekra-Sachverständigen Peggy Lichtenfeld hätte Tobias D. etwa drei Sekunden Zeit gehabt, die Kollision zu verhindern. Der Angeklagte gab an, er wollte seine Freundin lediglich erschrecken und sei deswegen mit etwa 90 Kilometern pro Stunde auf die Gegenspur gefahren. Das bestätigte Dekra-Frau Lichtenfeld. Grund für die Geisterfahrt sei ein Streit gewesen, bei dem es um Cindys Ex-Freund ging. Vor Gericht bat Tobias D. um Verzeihung und sagte: "Ich wollte zu keiner Zeit irgendjemand schädigen oder umbringen."

Psychiater Dr. Dieter Hertel befasste sich im Auftrag des Gerichtes mit dem Seelenleben des Angeklagten: "Er reagiert auf Konflikte unerwartet, ohne Rücksicht auf irgendwelche Konsequenzen. Er leidet an einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ." Der Gutachter bescheinigte dem 25-Jährigen eine verminderte Schuldfähigkeit. Er ist mehrfach vorbestraft, schmiss ein Studium und zwei Lehren. "Trotzdem schaffte er es, sich in seinem Betrieb hochzuarbeiten", sagte Dr. Hertel. Bei einer dieser Vorstrafen handelt es sich um eine gefährliche Körperverletzung. Tobias D. soll in Döbeln einen Mann angefahren haben. Dieser Geschädigte ist für Simone Herbergers Schwurgerichtskammer und Staatsanwalt Stephan Butzkies kein Unbekannter. Denn im Schwurgerichts-Verfahren um den Döbelner Bistro-Mord gilt dieser Angefahrene als möglicher Tatverdächtiger, wichtiger aber flüchtiger Zeuge und ist ebenso wie Geisterfahrer Tobias D. ein Mandant des Döbelner Rechtsanwaltes Martin Göddenhenrich. "Ihre Vorstrafen haben stets etwas mit Autos zu tun. Zuletzt haben Sie Marwan über den Haufen gefahren", sagte Staatsanwalt Butzkies zum Geisterfahrer Tobias D. und nannte damit den Namen des damaligen Geschädigten und wichtigen Zeugen im Mord-Prozess.

Für Tobias D. fand der Anklagevertreter in seinem Schlussvortrag drastische Worte: "Was, wenn ich mit dem Auto über die Landstraße fahre und die Familie sitzt mit drin? Da wird mir Angst und Bange, wenn ich mir vorstelle, mir kommt so ein Idiot entgegen." Deutlich milder scheint es die Geschädigte zu sehen. "Meine Mandantin möchte an der Beziehung festhalten und hat dem Angeklagten verziehen", sagte Nebenklagevertreterin Ina Tust.

Verteidiger Göddenhenrich beantragte eine Bewährungsstrafe. Nicht wegen versuchten Totschlages, sondern fahrlässiger Körperverletzung. Der Anwalt stellte sogar noch den Beweisantrag, ein weiteres Gutachten möge klären, dass ein Aufprall mit rund 90 Kilometern pro Stunde nicht ausreicht, um Menschen zu töten. Aber das wies die Kammer zurück.

Dirk Wurzel

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