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Döbeln Haftstrafe für häuslichen Schläger
Region Döbeln Haftstrafe für häuslichen Schläger
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21:56 27.03.2014

Paradox: Zu seiner Verhandlung brachten ihn zwei Justizwachtmeister aus der JVA Zwickau in Handschellen - als freier Mann verließ René B. das Döbelner Amtsgericht nach seiner Sitzung. Die Untersuchungshaft ordnete das Gericht wegen Verdunklungsgefahr an. Dieser Haftgrund besteht nach dem gestrigen Urteil nicht mehr, so dass Richter Stitterich den Haftbefehl außer Vollzug setzen konnte. Bis er seine Strafe antreten muss, ist René K. also ein freier Mann. Wann er genau einfährt, teilt ihm die Staatsanwaltschaft Chemnitz mit, wenn sie ihm die Ladung zum Haftantritt schickt. Mit diesen Formalitäten dürfte sich der hafterfahrene und einschlägig vorbestrafte René K. aber selbst am besten auskennen.

"Wenn die Eheleute K. die erste Flasche geleert haben und Frau K. danach auf der Strecke bleibt, hat sie sich das selbst zuzuschreiben." Richter Stitterich nahm kein Blatt vor den Mund, als er das Urteil begründete und daran zweifelte, dass sich René K. und seine Frau tatsächlich vom Alkohol abwenden. Denn der war mit für die Gewaltausbrüche verantwortlich. Zudem zeigte Frau K. vor Gericht keinerlei Interesse daran, dass ihr prügelnder Ehemann für sein Handeln bestraft wird. Sie verweigerte die Aussage, was ihr gutes Recht als Ehefrau ist. So hörte sich das Gericht zunächst Hartmut Meyer-Frey an, der im Juni 2013 Ermittlungsrichter am Amtsgericht Döbeln war. Er hatte die Geschädigte damals richterlich vernommen. Seine Aussage bestätigte die Anklage. Unter anderem, dass K. seine Frau nicht nur mit der Faust ins Gesicht schlug, sondern auch mit einem Spiegelschrank nach ihr warf, sie aus dem Bad zerrte, wodurch sie sich Schnittverletzungen zuzog. Zum Termin bei Richter Meyer-Frey erschien sie mit einem blauen Auge. "Die Verletzung sah aus, als würde sie von einem stumpfen Schlag gegen das Jochbein stammen", sagte Richter Meyer-Frey als Zeuge aus. Er gab ihr damals als Privatmann den guten Rat, sich von ihrem Mann zu trennen. "Das ist doch kein Zustand. Ich habe mir einige Sorgen gemacht", so Hartmut Meyer-Frey, der vor seiner Versetzung ans Amtsgericht Aue auch als Strafrichter am Amtsgericht Döbeln arbeitete.

Sich von ihrem Mann zu trennen - das zeigte sich im gestrigen Prozess - kommt für die Geschädigte nicht in Frage. Ihr Peiniger äußerte sich zunächst nicht zu den Tatvorwürfen. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich, erklärte jedoch, dass beide Ehepartner schwere Alkoholprobleme haben, sich diesen aber in Therapien stellen wollen. Erst nach der Aussage der Zeugen Meyer-Frey und Polizeihauptmeisterin Elke L. räumte René K. die Tatvorwürfe ein, darunter auch seine Frau genötigt zu haben, den Mietvertrag für eine neue gemeinsame Wohnung zu unterschreiben.

"Ich hoffe, dass Frau K. die nächsten Tage ohne Verletzung übersteht", sagte Richter Stitterich. Und René K. gab er mit auf den Weg: "Entweder sie kriegen die Kurve, oder sie werden Stammgast in der JVA." Dirk Wurzel

Dirk Wurzel

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