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Döbeln Halbzeit beim Hochwasserschutz für Döbeln: 36 Millionen Euro sind investiert
Region Döbeln Halbzeit beim Hochwasserschutz für Döbeln: 36 Millionen Euro sind investiert
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16:43 17.05.2018
LTV-Betriebsleiter Axel Bobbe (m.), erklärte Minister Schmidt (2.v.l.) und Oberbürgermeister Egerer (r.) den Baufortschritt. Sven Liebhauser (l.) hatte ihn eingeladen. Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln

Rund 36 Millionen Euro wurden bisher in den Hochwasserschutz in Döbeln investiert. Davon entfallen allein 18 Millionen Euro auf die ersten Bauabschnitte der verbreiterten Flutmulde mitten in der Innenstadt. Auf dieser Großbaustelle sah sich der für Hochwasserschutz zuständige Minister für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt, am Donnerstag um. Am Flutgraben in Döbeln ist die Halbzeit überschritten. 18 Millionen Euro sind verbaut, 17 weitere Millionen werden noch in die Flutmulde investiert.

Am Plan erklärt Axel Bobbe (l.) Umweltminister Thomas Schmidt, wie der Flutschutz für Döbelns Innenstadt funktionieren wird. Quelle: Sven Bartsch

Damit verbunden sind umfangreiche Tiefbauarbeiten, bei denen gerade im Abschnitt zwischen der Niederbrücke und dem Tümmler-Steg Bohrpfahlwände mit einem Durchmesser von bis zu 120 Zentimetern sowie einer Länge von bis zu 14 Metern hergestellt und die Fundamente der angrenzenden Gebäude mit Hochdruckinjektionen stabilisiert werden. „Das ist notwendig weil die Fundemente vieler Gebäude am Flutgraben höher liegen als die Flutmulde. Deshalb werden sie zehn bis zwölf Meter Tief mit Beton unterfangen“, erklärte Axel Bobbe, Leiter des Betriebes Mulde, Elbaue, Untere Weiße Elster der Landestalsperrenverwaltung dem Minister.

Bohrpfahlwände aus Beton und Eisenbewährung, gefärbte Flutmauern und viel belastetes Erdreich – das ist Döbelns derzeit größte Baustelle mitten durchs Stadtzentrum. Quelle: Sven Bartsch

Er lobt dabei die Akzeptanz der Bevölkerung für die Arbeiten, die in einem Innenstadtbereich recht kompliziert sind. Um zehn bis 15 Meter wird die Flutmulde mitten durch die Innenstadt verbreitet, um bei Hochwasser mehr Raum zum Abfließen zu haben. „Das wäre in anderen Städten undenkbar. Hier kam die Idee dazu aber aus der Bürgerschaft selbst und wir haben sie aufgegriffen“, so Axel Bobbe.

Durch den breiteren Flutgraben wird allerdings auch der Neubau der Straßenbrücke in der Straße des Friedens notwendig, der am 25. Juni beginnt. Das Verteilerwehr an der Freiberger Mulde, das im Hochwasserfall den Zufluss in die Flutmulde reguliert, wurde bereits 2016 fertiggestellt. Nach Abschluss der Bauarbeiten können pro Sekunde 220 Kubikmeter Wasser aus der Mulde in die Flutmulde abgeleitet werden und so das Flussbett der Mulde, die hinter der Ritterstraße um die Stadt fließt, entlasten.

Bagger, Bohrgeräte und Betonlaster gehören gerade auch zu Döbelns malerischer Innenstadtkulisse. Quelle: Sven Bartsch

Im Detail zeigten LTV-Betriebsleiter Axel Bobbe und Dr. Andreas Cramer, stellvertretender Leiter der Landestalsperrenverwaltung Sachsen, dem Minister die Baustelle. Wegen der Belastung durch Schwermetalle, besonders von der einstigen DBM-Galvanik, muss dass komplette Erdreich, das beim Verbreitern der Flutmulde abgebaggert wird, als Sondermüll auf Spezialdeponien gefahren werden. Im Gegenzug rollen Betonlaster in großer Zahl in die Stadt. Die Betonflutmauern werden am Ende mit gefärbtem Beton und einer speziellen Schalung gestaltet, damit sie wie Natursteinmauern aus Porphyr aussehen. „Gefärbter Beton verliert in der Regel seine Frostbeständigkeit. Damit das hier nicht geschieht, haben wir in der Bauhausuniversität Pigmentversuche in Auftrag gegeben“, erklärt dazu Axel Bobbe.

An den Flutmulden entstehen auch feste Rampen als Zufahrtswege. Dort wird es auch Signalanlagen geben, die anzeigen, wenn das neue Schlossbergwehr automatisch öffnet. So können Personen, die eventuell im Flutgraben unterwegs sind diesen schnell verlassen, bevor größere Mengen einströmen.

Knapp 60 Millionen Euro soll der Hochwasserschutz für Döbelns Innenstadt insgesamt kosten. „Die Hälfte davon wird als Beton tief im Erdreich sitzen“, sagt Martin Socher, Referatsleiter Hochwasserschutz im Umweltministerium. Der Bau wird finanziert aus Mitteln des Bundes, der Länder sowie des Freistaates Sachsen auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes. „Aals Landtagsabgeordnete und Mitglied im Haushalts- und Finanzausschuss ist das auch Ihr Verdienst“ lobte Umweltminister Thomas Schmidt den Döbelner Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser, der ihn zu dem gestrigen Baustellentermin eingeladen hatte.

Von Thomas Sparrer

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