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Hartha: Die alte Fleischerei in der Annenstraße ist seit 1994 ungenutzt

Hartha: Die alte Fleischerei in der Annenstraße ist seit 1994 ungenutzt

Eine lange Geschichte verbirgt sich hinter den Rollläden der Hausnummer 12 in der Harthaer Annenstraße. Über mehrere Generationen war hier der Fleischerladen der Familie von Lotte Weber.

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Ein Rosenmuster, von Hand aufgemalt, ziert die Decke des Verkaufsraums einer ehemaligen Fleischerei in Hartha. Lotte Weber, deren Urgroßvater bereits Fleischermeister war, stand hier einst hinter der Theke.

Quelle: Gerhard Dörner

Hartha. Heute erinnern im Inneren vor allem die schmuckvollen Fliesen und die handbemalte Glasdecke an den Handwerksbetrieb von einst.

 

Auf den kleinen graublauen Kacheln sind noch die Abdrücke der Theke zu sehen: Zuletzt gingen Leberwurst und Gehacktes 1994 darüber. Lotte Webers Familie hat seit 1964 nichts mehr mit dem Handwerk zu tun: Die Familientradition, die mit ihrem Urgroßvater Moritz Schurig begann, endete mit ihrem Vater Kurt Lehmann. Seit 1966 war der Laden an Fleischgroßhändler vermietet.

Dass Lotte Weber schließlich einen Diplom-Ingenieur heiratete, war für die Eltern nie ein Problem, sagt sie. Vor vielen Jahren überlegte ihr Sohn, Fleischer zu werden. "Ich bin froh, dass ich ihm das ausreden konnte." Zu wenig lohnenswert sei so ein Geschäft heute. Zudem seien die Parkmöglichkeiten rar gewesen. Denn bis zum letzten Jahr war in der Straße eine Arztpraxis ansässig.

Und auch die Familie muss mitspielen. Lotte Weber hat erlebt, was es bedeutet in einen Fleischereibetrieb involviert zu sein. "Manchmal haben wir nachts mit dem Wurst machen angefangen", erinnert sie sich an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als Wertmarken für Lebensmittel verteilt wurden. Sie selbst war vor allem für den Verkauf zuständig. In den Räumlichkeiten des Untergeschosses waren damals Verkaufs- und Kühlraum. Kutter, Säge und Schlachtraum waren im Hof. Auch einen Stall gab es dort, für den Fall das der Bulle bereits einen Tag eher gebracht wurde.

Die Haken, an denen früher die Schweineviertel und Koteletts hingen, sind noch da. Seit fast zehn Jahren stehen die Räumlichkeiten leer. Einmal hat es einen Interessenten aus Roßwein gegeben. "Der wollte die Wand wegreißen und sich ein Fotoatelier einrichten." Für die alte Dame kam das nicht in Frage. Über die goldenen Fliesen an den Wänden und die handbemalte Glasdecke staunt die Rentnerin nicht mehr. "Das war früher halt in vielen Fleischereien so."

"Aus hygienischen Gründen hat man damals gefliest", sagt der ehemalige Fleischermeister Christian Schütze. In seinem Geschäft waren die Kacheln weniger ausgefallen. Seinen Laden am Harthaer Markt hatte er 1994 neu errichten lassen. Im 20. Jahrhundert waren Fliesen, wie sie im Geschäft von Lotte Webers Familie zu sehen sind, halt da und in Mode. "Heute könnte sich so was wahrscheinlich niemand leisten." Fleischer, Gemüsehandler, viele Läden, die einst die Harthaer Annenstraße prägten, verschwanden mit der Zeit.

"In Hartha gibt es keine Fleischerei mehr", sagt Christian Schütze. Überhaupt seien sie nur noch vereinzelt zu finden, in Waldheim oder Döbeln beispielsweise. "Wenn ich dort bin, gehe ich zu meinen Kollegen. Aber extra dort hin fahren würde ich nicht", sagt der 73-Jährige. In seinen ehemaligen Geschäftsräumen ist heute das Eiscafé von Mirjam Kornol. Dass die Tradition der alten Handwerkerbetriebe immer weniger wird und Wurst überwiegend abgepackt im Supermarkt zu finden ist, findet Schütze nicht bedauerlich: "Die Leute wollen das doch so."

In die Räumlichkeiten der historischen Fleischer kann am 8. September geschaut werden: Bei einer Straßenführung zum Annenstraßenfest soll auch die Tür zu den Räumlichkeiten hinter den Rollläden geöffnet werden.

Katharina Schultz

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