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Döbeln Hartha: Es wird eng für Sozialhilfeinitiative
Region Döbeln Hartha: Es wird eng für Sozialhilfeinitiative
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21:36 01.02.2012
Seit gestern ist hier ihr Büro: Zwischen Spüle und Waschmaschine berät Projektleiterin Margitta Hasse Erwerbslose aus Hartha. Quelle: Katharina Schultz

Ob es die Initiative weiterhin geben wird, steht momentan offen.

Seit 2009 gab es den Erwerbslosentreff in der Straße der Jugend in Hartha unter der Leitung der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiative Döbeln. "Das war unser Anlaufpunkt. Hier haben wir uns ausgetauscht und Dinge erfahren, die wir über die Behörden nicht bekommen hätten", sagt Erika Naake. Die ungleiche Berechnung von Hartz-IV-Beträgen ist ein solches Beispiel. "Und natürlich ging es auch darum, was wir für Forderungen zu erfüllen haben", so die 68-Jährige weiter.

Regelmäßig getroffen haben sich die Mitglieder, die hier jeden Mittwoch zusammenkamen, schon kurz nach der Wende. Viele von ihnen sind inzwischen Rentner, so wie Erika Naake. 1991 wurde sie erwerbslos. Und blieb es dann bis auf ein paar Umschulungen auch. Der Treff war für sie bis heute eine gute Möglichkeit, mit anderen Menschen in ähnlicher Lebenssituation ins Gespräch zu kommen und Unternehmungen wie Bowlingnachmittage zu erleben.

Der Versammlungsort, der zuletzt 20 Mitglieder hatte, hat im Laufe der Jahre des öfteren gewechselt. Bestand aber immer fort - bis zur vergangenen Woche. Die Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiative, die bislang Träger des Treffs war, konnte diesen nicht länger bewerkstelligen. Das soziale Möbelprojekt in Döbeln, aus dem sich der Treff bis dahin finanzierte, musste kürzlich eingestellt werden. Die Ein-Euro-Jobber, mit denen das Möbelprojekt bewerkstelligt wurde, fehlten am Ende. "Das war eine politische Entscheidung. Das Arbeitsamt hat uns keine Arbeiter mehr bewilligt", sagt der Vereinschef der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiative, Wolfgang Osterkamp. Osterkamps Initiative hatte damit die finanzielle Grundlage für den Erwerbslosentreff verloren. Die Beiträge der Mitglieder reichten nicht aus, um etwa die Betriebskosten zu decken. Auf eine Mietzahlung hatte die ansässige Wohnungsgesellschaft verzichtet.

Für die Mitglieder bedeutete die Schließung, austreten zu müssen. "Wir wollen weitermachen", sagt Erika Naake. Zurzeit sind die ehemaligen Mitglieder auf der Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit. "Wir wollen nichts geschenkt", erklärt die Harthaerin, die bereit wäre, einen Obolus zu zahlen. Demnächst wollen sie sich an Bürgermeister Gerald Herbst wenden und um Unterstützung bitten.

Margitta Hasse, die verantwortliche Projektleiterin des Vereins, ist mit ihrem Büro gestern in die zur Initiative gehörigen Kleiderkammer gezogen. Auf ein paar Quadratmetern, zwischen Spüle und Waschmaschine empfängt sie hier nun Arbeitssuchende, hilft beim Schreiben von Bewerbungen oder auch bei der Analyse von Stellenangeboten. Diesen Service gibt es noch.

Im August dieses Jahres läuft der Arbeitsvertrag von Margitta Hasse aus. Was dann ist, kann sie noch nicht sagen. "Wenn es nötig und möglich ist, würde ich dann auch ehrenamtlich weitermachen", sagt die 60-Jährige, die weiß, dass sie gebraucht wird. Nachfrage nach Beratung, Gesprächen und anderen Anliegen, mit denen Menschen sich an sie wenden, gibt es genug. "Es wird sich zeigen müssen, ob die Einnahmen der Kleiderkammer ausreichen, um die Initiative aufrecht zu halten", erklärt Wolfgang Osterkamp.

Katharina Schultz © Standpunkt

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