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Hartha: Kein Vorankommen bei der Jugendarbeit

Erfolglose Suche nach Domizil Hartha: Kein Vorankommen bei der Jugendarbeit

Seit mehr als zwei Jahren versuchen Jugendliche in Hartha ein Domizil zu finden. Bisher scheiterten alle Versuche. Zuletzt überbrachte Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) die Nachricht, dass die Kalthalle nicht für die Jugendarbeit genutzt werden kann. Das Thema bleibt weiterhin präsent und wird heftig diskutiert.

Kein Geld? So richtig weiß niemand, warum es in Hartha nicht mit der Jugendarbeit klappen will.

Quelle: dpa

Hartha. Wie weiter mit der Jugendarbeit? Die Frage schwebt über der Stadt Hartha wie ein Damoklesschwert. Seit mehr als zwei Jahren versuchen Jugendliche in Hartha ein Domizil zu finden. Doch die Suche nach Räumlichkeiten gestaltet sich schwierig. Zuletzt war das im Fall der Kalthalle so. Die Stadt zog das Objekt in Betracht, nachdem schon Bahnhof und Bronx wegfielen (DAZ berichtete). Hoffnung keimte bei den Jugendlichen auf. Doch die wurde jetzt zerschlagen.

Informationskultur kritisiert

Im September vergangenen Jahres fällten die Stadträte den Beschluss, ein Domizil für Jugendliche in einer Hälfte der Kalthalle auf dem Areal der ehemaligen Hausschuhwerke zu errichten. Dafür waren allerdings diverse Sanierungsarbeiten erforderlich. Statt eines Baubeginns teilte Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) nun mit, dass das Vorhaben laut eines Baugutachtens zu teuer ist. Die Stadt kann die notwendigen Arbeiten nicht finanzieren. „Eine erste Grobschätzung der Kosten, nachdem die Mauern freigelegt worden, zeigte uns, dass alleine die statische Sicherung zu teuer für die Stadt ist“, so Kunze. Die Stadt setze Prioritäten und die konzentrieren sich zunächst auf die Oberschule. Eine Alternative in Sachen Räumlichkeiten gibt es derzeit nicht. „Es ist eine schwierige Situation“, so das Stadtoberhaupt.

Die Jugendarbeit diskutiere man zur Genüge in den Ausschüssen, heißt es in Richtung Öffentlichkeit. Ina Lorenz vom Kulturbüro Sachsen, das die Jugendlichen seit mehr als zwei Jahren in diesem Sachverhalt unterstützt, äußerte ihre Belange mehrfach in den öffentlichen Stadtratssitzungen. Eine konkrete Antwort gab es nie. Stattdessen wurde vertröstet. „Wir musste um jede Information kämpfen. Es kam einfach nie jemand auf uns zu“, so Ina Lorenz. Sie wünscht, sich, dass sich Stadt und Jugendliche gemeinsam an den Tisch setzen, um eine Klärung zu erzielen.

Stefan Orosz: „Wir brauchen Experten“

Dafür, dass endlich etwas vorangeht, setzt sich auch Linken-Stadtrat Stefan Orosz ein. Sein Vorschlag: „Wir brauchen Experten, die sich der Situation annehmen und ein Konzept erarbeiten.“ Zur jüngsten Stadtratssitzung stellte er den Antrag, diesen Schwerpunkt als zusätzlichen Punkt auf die Tagesordnung zu setzen. Er stieß bei zwei Ja-Stimmen und einer Enthaltung fast ausnahmslos auf Gegenwehr. „Ich habe das Gefühl, in der Stadtverwaltung von Hartha fehlt die Zeit und die Kompetenz bezüglich der Jugendarbeit“, so Orosz. „Wir sollten uns dahingehend Hilfe von außerhalb suchen, genauso wie wir das beispielsweise bei baulichen Angelegenheiten auch tun.“ Sein Vorschlag: Gemeinsam mit der Hochschule Mittweida eine Sozialraumanalyse anschieben. „Die würde zwar über einen längeren Zeitpunkt entwickelt werden, bietet dann aber konkrete Fakten und das Projekt würde die Stadt kein Geld kosten.“ Laut Orosz schweben die Jugendlichen schon lange in der Luft. Doch mit der vorübergehenden Schließung des Freizeittreffs „Sunshine“ (DAZ berichtete) verschärft sich die Situation zunehmend. Zwar bringe der Bürgermeister immer wieder die gute Vereinsarbeit in der Stadt als Argument, doch das reiche nicht, sagt der Linken-Stadtrat.

„Ich habe das Gefühl, dass es nicht gewollt ist, der Jugend in Hartha offene Räume anzubieten, wo sie sich ohne Bevormundung möglichst frei entfalten und ausprobieren können.“ Außerdem wird die Wahrscheinlichkeit, geeignete Räume zu finden, mit jedem Abriss alter Gebäude – wie beispielsweise die ehemaligen Hausschuhwerke – immer geringer. Orosz spricht von jahrelangem Zermürben. „Die Ungewissheit hat die Jugendlichen zur Resignation geführt.“ Auch prangert er die Informationspolitik der Stadtverwaltung an. Die war nicht ausreichend. „Es ist wichtig, mit den Jugendlichen zu reden und nicht nur über sie, wie es leider oft passiert ist.“

Informationsveranstaltung am 31. Mai

Genau das versuchen Ina Lorenz und ihre Kollegen vom Kulturbüro Sachsen. Seit Ende 2014 unterstützt der Verein die Jugendlichen in Hartha bei ihrer Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Am kommenden Mittwoch soll es dazu eine Informationsveranstaltung in der Harthaer Stadtbibliothek geben. Unter dem Aufhänger „Wie weiter mit der (offenen) Jugendarbeit in Hartha?“ wollen die Mitarbeiterinnen des Kulturbüros Sachsen einen Rückblick wagen und mit den Anwesenden die aktuelle Situation zur Jugendarbeitbetrachten. „Die Jugendlichen haben das Gefühl, nichts erreicht zu haben“, resümiert In Lorenz die derzeitige Lage. „Das ist eine gefährliche Message, die damit an die Jugendlichen gesendet wird. Sie engagieren sich, doch passieren tut nichts.“ Immer wieder werde den Jugendlichen vorgehalten, nichts zu tun. „Es wurden Konzepte erstellt, Baukosten eingeholt und an Treffen teilgenommen. Die Jugendlichen können nicht mehr machen als immer wieder anzufragen. Sie sind von der Stadt abhängig.“ Mit der Informationsveranstaltung am Mittwoch soll ein erneuter Anstoß gegeben werden. Das Ziel ist dabei klar: „Die Stadt muss sich zu ihren Jugendlichen bekennen“, fordert Ina Lorenz.

Informationsveranstaltung zum Thema „Wie weiter mit der (offenen) Jugendarbeit in Hartha? – Einen Rückblick wagen und die Zukunft gestalten“ am Mittwoch, 31. Mai, um 18.30 Uhr in der Stadtbibliothek Hartha, Markt 2a.

Von Stephanie Helm

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